Schulhaus und guter Rat sind teuer

BERG SG. In Berg muss das Schulhaus nicht nur saniert, sondern auch erweitert werden. Dies wurde den Behörden erst nach einem Volksentscheid bewusst. Einige unzufriedene Bürger treffen sich nun, um über die Zukunft des Dorfes zu beraten.

Sebastian Schneider
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Die Visiere stehen, das Projekt steht still: Weil die Platznot im Schulhaus Brühl in Berg grösser sein wird als zuvor gedacht, muss das Gebäude erweitert werden. Der vom Volk gesprochene Kredit von 4,5 Millionen Franken genügt für eine solche Kapazitätserweiterung aber nicht mehr. (Bild: Ralph Ribi)

Die Visiere stehen, das Projekt steht still: Weil die Platznot im Schulhaus Brühl in Berg grösser sein wird als zuvor gedacht, muss das Gebäude erweitert werden. Der vom Volk gesprochene Kredit von 4,5 Millionen Franken genügt für eine solche Kapazitätserweiterung aber nicht mehr. (Bild: Ralph Ribi)

«Wir, das Volk, haben einen Fehler gemacht.» Niemals hätte die Berger Stimmbevölkerung zum Kredit von 4,5 Millionen Franken für die Sanierung des Schulhauses Brühl Ja sagen dürfen, meint eine besorgte Bürgerin. Die Frau sitzt an einem Tisch im Restaurant Seeblick zusammen mit knapp einem Dutzend Berger, die ihr beipflichten. Die Gruppe hat sich am Freitagabend zu einer Sitzung getroffen, um nach Wegen zu suchen, wie die Probleme, die auf die Gemeinde Berg zukommen, gemeistert oder zumindest gelindert werden können. Die Bürgerbewegung nennt sich Berg Plus (siehe Zweittext), die es seit dem Frühjahr gibt.

Kalter Boden, kochendes Wasser

«Das Problem geht uns alle etwas an», sagt Andreas Frei, der über das Gemeindeblatt zur Sitzung eingeladen hat. «Schliesslich müssen wir alle bald mehr Steuern zahlen.» Es sei unbestritten, dass der Steuerfuss von 128 nicht gehalten werden könne «angesichts von wahrscheinlich mehr als sieben Millionen Franken Gesamtprojekt-Kosten».

Schulhaus, Turnhalle und Kindergarten sind seit Jahren sanierungsbedürftig: «Manchmal ist das Wasser in der Dusche kochend heiss, manchmal eiskalt», sagt einer. «Und der Turnhallenboden ist immer zu kalt», ergänzt eine Bergerin. Der Zustand sei schon seit über zehn Jahren kaum haltbar. Klar habe es auf der Hand gelegen, dass eine Mehrheit an der Bürgerversammlung im Frühling 2013 Ja zur Sanierung des Schulhauses sagte. Doch wichtige Informationen seien ihnen unterschlagen oder zumindest nicht bewusst gemacht worden. Auf der Dorfwiese sowie im Mattenhof sind nämlich zwei Grossüberbauungen mit Einfamilienhäusern und Wohnungen geplant. Nach Schätzungen würden innert weniger Jahre 233 Bewohnerinnen und Bewohner, vornehmlich junge Familien, zuziehen. Die Gemeinde Berg würde also um über einen Viertel von heute 835 auf 1068 Einwohner wachsen. Das sanierte Schulhaus könnte den Zuwachs der neuen Schulkinder nicht verkraften. Der Gemeinderat hat darum das Projekt gestoppt und eine Studie zur Bevölkerungsentwicklung in Auftrag gegeben. Vor kurzem wurden die Resultate an einer Infoveranstaltung vorgestellt (Tagblatt vom 19. September).

«Zusatzkredit wird gesprochen»

Im Gutachten wurde unter anderem der Schluss gezogen, dass ein Bevölkerungswachstum für die Gemeinde nötig ist, weil sonst eine Überalterung droht. Gebaut wird also so oder so. Und das Schulhaus muss demnach nicht nur saniert, sondern auch erweitert werden. Nur reichen die 4,5 Millionen Franken für die zusätzliche Kapazitätserweiterung nicht aus. Wie viel teurer das Projekt wird, kann Gemeindepräsident Paul Huber noch nicht sagen. Das Projekt werde derzeit von der Baukommission überarbeitet. Im Oktober soll die neue Variante vorgestellt werden, und im November wird an einer ausserordentlichen Bürgerversammlung über einen Zusatzkredit abgestimmt. Huber ist zuversichtlich, dass auch das überarbeitete Projekt durchkommt, da der Bedarf für die Erweiterung ausgewiesen ist.

Urnengang erzwingen?

Am Tisch im «Seeblick» gehen die Meinungen auseinander. «So schlecht wird das Vorhaben nicht sein», meint ein Bürger. Ein anderer hätte lieber, wenn man alles «über den Haufen wirft» und mit Hilfe der neuen Kenntnisse aus dem Gutachten das Projekt neu aufgleist.

«Vielleicht wäre es besser, wenn wir brieflich abstimmen», wirft jemand in die Runde. Viele am Tisch nicken. An einer Bürgerversammlung würden sich viele nicht getrauen, ein grosses Vorhaben abzulehnen. Vielleicht könnte man einen Urnengang mit einer Initiative erzwingen. Dies soll überprüft werden; ansonsten sehe man sich Ende Oktober wieder, spätestens dann könne man sich auf die Bürgerversammlung vorbereiten.