Schule weist den sicheren Weg

In einem neuen Flyer empfehlen Stadt und Schule sichere Routen durch Rorschach. Damit wollen sie den Wunsch vieler Eltern erfüllen – und ein Problem lösen.

Linda Müntener
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René Natter, Guido Etterlin, Eva-Maria Willaert und Lena Bürkler (v.l.) präsentieren den Flyer. Bild: Linda Müntener

René Natter, Guido Etterlin, Eva-Maria Willaert und Lena Bürkler (v.l.) präsentieren den Flyer. Bild: Linda Müntener

Die Eltern sind verunsichert. Welchen Schulweg soll ihr Kind nehmen? Wo gibt es Gefahrenstellen? Wo ist es sicher? «Vor allem Zugezogene sind oft überfordert mit Rorschach», sagt Schulsekretär Stefan Bolt. Viele hätten sich deshalb eine Art Schulwegweiser gewünscht. Diesen bekommen sie nun: Vertreter der Stadt, Schule und des Elternrats haben gestern den Flyer «Sichere Schulwege» präsentiert.

Der Flyer ist Teil des Projekts Schulwegsicherung. «Dieses sind wir vor zwei Jahren angegangen», sagt Schulpräsident Guido Etterlin. 600 Kinder haben aufgezeichnet, welchen Weg sie zur Schule gehen und an welchen Stellen sie sich unwohl fühlen. In Zusammenarbeit mit der Zürcher Mrs Partner AG und der Rorschacher Bau- und Stadtentwicklung wurden die Pläne verglichen. 106 Stellen seien häufig genannt worden, sagt Bolt. «Das sind keine Schwachstellen, sondern Punkte mit Verbesserungspotenzial.» Diese wurden wiederum mit Unfallstatistiken und Plänen für geplante Bauprojekte abgeglichen. Übrig geblieben sind 37 Punkte, welche die Stadt verbessern will. Erste Massnahmen wie die Schliessung der Trottoirlücke an der Heidenerstrasse oder der Zugang zum Kindergarten Wachsbleiche werden schon umgesetzt.

Unbekannte, aber sichere Wege aufzeigen

«Mit dem Flyer wollen wir die Eltern sensibilisieren», sagt Guido Etterlin. Gestützt auf die Pläne aus der Schülerbefragung wurden auf dem ganzen Stadtgebiet Empfehlungen für sichere Schulwege eingezeichnet. Da nicht jeder einzelne Schulweg gesichert werden könne, habe man sich auf die Hauptrouten beschränkt. Die «sicheren» Wege seien nicht länger, sondern führten an Orten vorbei, die vielen gar nicht bekannt seien, sagt Schulsekretär Stefan Bolt. Er macht ein Beispiel: Wer im oberen Stadtgebiet wohne und das Schulhaus Mariaberg besuche, wähle meist aus Gewohnheit den Weg entlang der stark befahrenen Heidenerstrasse. Der Flyer empfiehlt, auf die Seminarstrasse auszuweichen. Die Route sei etwa gleich lang, aber weniger stark befahren, sagt Bolt. Zudem werden im Flyer Hinweise auf eine gute Sichtbarkeit oder auf Verhaltensregeln in der Tempo-30-Zone gegeben. Letztere sei im Mühletobel-Quartier immer wieder Thema, sagt Guido Etterlin. «Viele Eltern fordern dort Fussgängerstreifen.» Dieser Forderung könne man nicht nachkommen. «In einer 30er-Zone ist grundsätzlich die ganze Strasse ein Fussgängerstreifen.»

Elterntaxis sind nach wie vor ein Problem

An der Pressekonferenz sind auch Lehrpersonen und Schulleiter anwesend. Sie sind sich alle einig: «Der Schulweg liegt in der Verantwortung der Eltern.» Mit dem Flyer habe man nun aber eine nützliche Alltagshilfe, die man an Elternabenden verteilen könne. Dies begrüsst auch Eva-Maria Willaert, Präsidentin des Elternrats Pestalozzi. «Viele Eltern haben Angst vor dem Schulweg», sagt sie. «Die wollen wir ihnen nehmen.» Der Elternrat habe schon oft versucht, auf die Gefahr der «Elterntaxis» aufmerksam zu machen. Dennoch fahren nach wie vor Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule – sei es aus Zeitgründen, aus Angst oder schlicht wegen des schlechten Wetters. «Damit stellen sie eine Gefahr für alle anderen Kinder auf dem Schulgelände dar», sagt Guido Etterlin. Der Schulpräsident hofft, diesem Problem mit dem Flyer entgegenzuwirken.