Schule und Dorf geprägt

Seit 37 Jahren unterrichtet Markus Widmer an der Primarschule Berg SG. Er ist ein Schulmeister aus echtem Schrot und Korn, der das Dorfleben weit über die Schule hinaus geprägt hat. Nun geht er in Pension.

Gisela Tobler
Drucken
Teilen
Nach 37 Jahren heisst es für Markus Widmer Abschied nehmen: «Das Musizieren mit meinen Schülern wird mir in Zukunft schon etwas fehlen». (Bild: Gisela Tobler)

Nach 37 Jahren heisst es für Markus Widmer Abschied nehmen: «Das Musizieren mit meinen Schülern wird mir in Zukunft schon etwas fehlen». (Bild: Gisela Tobler)

Berg SG. Die Wände der Schulzimmer sind kahl, die Regale leer und die Schränke ausgeräumt. «Alles muss weg», verkündet Markus Widmer ohne Wehmut. Nein, er bewahre nichts auf. Brauchbares habe Sohn Martin, Primarlehrer in Rorschacherberg, bereits abgeholt. Er lacht: «In unserer Familie gibt es nur Lehrer.» Mit Ehefrau Ursula sass er schon in der gleichen Seminarklasse und der zweite Sohn Christian unterrichtet Deutsch und Geschichte an der Kantonsschule am Burggraben.

Fordern, nicht nur fördern

Markus Widmer setzt sich ans Klavier, spielt ein paar Takte, lehnt sich zurück, schaut zum Fenster hinaus und erinnert sich: «Als ich 1973 mit meiner Familie nach Berg gezogen bin, gab es hier nichts als grüne Wiese. Doch das Schulhaus, fünfzig Meter neben unserem neuen Einfamilienhaus, war bereits geplant und bis zur Einweihung 1977 unterrichtete ich im Pavillon. Erst Dritt- und Viertklässler und seit 32 Jahren Fünft- und Sechstklässler.

» Markus Widmer ist bekannt für seine hohe Erfolgsquote beim Übertritt in die Oberstufe. Sein Rezept? «Ich unterrichte konsequent und leistungsbetont und halte mich an den Grundsatz: Nicht nur fördern, sondern auch fordern, viel üben, aber auch viel lachen.»

Nahe bei Stadt und See

Geboren ist Markus Widmer in Arbon, aufgewachsen in Freidorf und St. Gallen.

Nach der Ausbildung am Lehrerseminar Rorschach zog er mit seiner zukünftigen Frau nach Wil, um eine 36köpfige Bubenklasse zu übernehmen. Bald gründete das junge Paar eine Familie und wollte sich mit den beiden Buben in einem Eigenheim niederlassen. Die unerschwinglichen Wiler Bodenpreise verlangten allerdings nach einer Alternativlösung. In Berg, nahe bei Stadt und See, wurden Widmers mit offenen Armen empfangen.

Denn damals herrschte grosser Lehrermangel, und für das verschlafene Bauerndörfchen war es ein Privileg, den eigenen Lehrer im Dorf zu haben.

«Weil man uns Lehrer für fast alles brauchen kann, spielte ich bald schon in der Musikgesellschaft die Tuba, gründete Turnverein und Jugendtreff, erteilte Musikunterricht, wurde in die Grümpelturnierkommission gewählt, war 25 Jahre Aktuar der Raiffeisenbank Berg-Freidorf und acht Jahre Kirchenpräsident von katholisch Berg-Freidorf,» erzählt Markus Widmer weiter.

Es sei eine intensive Zeit gewesen, die er ohne den Rückhalt seiner Frau, die als Legasthenietherapeutin und Katechetin tätig ist, nie hätte bewältigen können. «Ursula und ich waren schon immer ein gutes Team.» Vor zehn Jahren hat er alle Ämter niedergelegt, um sich vermehrt seiner Familie zu widmen, die inzwischen um drei Enkelkinder gewachsen ist.

Leidenschaft Musik

Markus Widmers grosse Leidenschaft ist die Musik. Diese überträgt sich auch auf seine Schülerinnen und Schüler. Weil sich das längst herumgesprochen hat, werden die Fünft- und Sechstklässler von Berg seit Jahren zu Hauptversammlungen, Altersnachmittagen und Gottesdiensten eingeladen, um das Publikum mit Gesang und Musik zu erfreuen. «Das Musizieren mit meinen Schülern wird mir in Zukunft schon etwas fehlen», sagt Widmer nicht ohne Wehmut.

Aktuelle Nachrichten