SCHULE: St. Galler Bub bleibt bei seinen Gspänli in Speicher

Der Rechtsstreit um einen Buben, der statt in Speicher in St. Gallen zur Schule soll, ist entschieden. Das Verwaltungsgericht hat die jüngste Beschwerde abgewiesen. Trotzdem geht der Bub in Speicher in die Oberstufe.

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Der Bub wurde provisorisch der Realschule Bürgli zugeteilt. (Bild: Hannes Thalmann)

Der Bub wurde provisorisch der Realschule Bürgli zugeteilt. (Bild: Hannes Thalmann)

Wer in St. Gallen wohnt, muss auch in St. Gallen zur Schule. Was wie eine Binsenweisheit klingt, ist im Grenzgebiet der Stadt manchmal nicht so klar. Beispielsweise ein Bub, der auf der Vögelinsegg auf Stadtboden wohnt, aber eine Postadresse der Gemeinde Speicher hat und dort auch sechs Jahre lang in die Primarschule gegangen ist: Muss auch dieser Bub nach St. Gallen an die Oberstufe? Ja, hat das kantonale Verwaltungsgericht nun entschieden. Es ist der jüngste – und wohl auch letzte – Entscheid in einem seit Ende 2015 andauernden Rechtsstreit.

Die Eltern des Buben hatten sich seither gegen einen Entscheid des St. Galler Schulamtes gewehrt. Dieses erteilte ihrem Sohn Ende 2015 keine Bewilligung mehr für einen auswärtigen Schulbesuch in Speicher. Die Eltern legten Rekurs ein. Der Schulweg von der Vögelinsegg in die Stadt sei für den Jungen nicht zumutbar. Zudem habe er Mühe, sich an ein neues soziales Umfeld zu gewöhnen. Die Familie blitzte damit bei der Rekurskommission Schule der Stadt aber ab, ebenso beim kantonalen Erziehungsrat.

Das kantonale Verwaltungsgericht als nächste Instanz lässt nun ebenfalls keine der vorgebrachten Argumente gelten. Es ermittelt für den Bub einen Schulweg von weniger als 35 Minuten, was «für einen Oberstufenschüler ohne weiteres als zumutbar» erscheine.

Die «individuellen Anpassungsschwierigkeiten» des Buben seien ebenfalls kein Grund für einen Schulbesuch in Speicher. Um diese Probleme zu lösen, seien vielmehr «unterstützende Massnahmen am Aufenthaltsort» (also in St. Gallen) vorgesehen, schreibt das Verwaltungsgericht und verweist konkret auf den Schulsozialarbeiter, den schulpsychologischen Dienst sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste.

Es liege auch keine Ungleichbehandlung vor. Zwar gehe die St. Galler Familie schon seit fünf Generationen in Speicher zur Schule, doch könne sie aus dieser Tatsache «nichts zu ihren Gunsten ableiten». Das städtische Schulamt habe mit seinem Entscheid kein Recht verletzt.

Die Eltern bezahlen das Schulgeld selber

So eindeutig der jüngste Gerichtsentscheid ist: Für die betroffene Familie ist er nur noch am Rand von Bedeutung. Mithilfe des Kantons Appenzell Ausserrhoden haben die Eltern inzwischen auf einem anderen Weg eine Lösung gefunden. Seit vergangenem August war ihr Sohn zunächst der Realschule Bürgli in St. Gallen zugeteilt. Provisorisch, bis zum definitiven Entscheid des Verwaltungsgerichts. Offenbar litt der Bub sehr an der neuen Situation, suchte den Schulsozialarbeiter auf und wurde für längere Zeit krank geschrieben. Seit Anfang dieser Woche besucht er nun doch die Oberstufe in Speicher. Das Schulgeld bezahlen die Eltern selber. (rbe)