Schule ohne Muttersprache

ST.GALLEN. Ein Postulat wollte die Prüfung von «Heimatliche Sprache und Kultur» als Schulfach. Die Stadt kann das nicht ohne gesetzliche Grundlage. Sie kritisiert den Kanton, dass er diese nicht schafft.

Elisabeth Reisp
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Die Kinder, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, sollen ihre Kompetenzen in der Muttersprache im HSK-Unterricht vertiefen. So lernen sie weitere Sprachen, etwa die deutsche, besser. (Bild: Hannes Thalmann)

Die Kinder, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, sollen ihre Kompetenzen in der Muttersprache im HSK-Unterricht vertiefen. So lernen sie weitere Sprachen, etwa die deutsche, besser. (Bild: Hannes Thalmann)

Längst hat die Wissenschaft bewiesen, dass sich das Beherrschen der Muttersprache positiv auf das Erlernen einer Zweitsprache auswirkt. Deshalb sollen Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ihre Kompetenzen in der Erstsprache fördern. Heimatliche Sprache und Kultur, kurz HSK, fördert die Sprachkompetenz und Identitätsentwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund. Ein Postulatsbericht, der nun beantwortet wurde, zeigt, die Schule kann diesen Unterricht aber nicht anbieten, dafür fehlt die rechtliche Grundlage. Dafür kritisiert der Stadtrat in seiner Postulatsantwort den Kanton auch.

Nicht ohne Hilfe vom Kanton

Eine mit Zürich vergleichbare gesetzliche Grundlage und verbindliche Regelung der HSK-Kurse fehlt im Kanton St. Gallen. Ohnehin wäre für eine Ausgestaltung eines HSK-Lehrplans nicht das städtische Schulamt, sondern der kantonale Erziehungsrat zuständig. An ihn also müsste konsequenterweise die Forderung einer gesetzlichen Grundlage und eines Lehrplans für HSK gestellt werden, stellt der Stadtrat in der Postulatsantwort klar. In der Stadt bieten private Trägerschaften HSK-Unterricht an.

Der Eigeninitiative der Stadt seien aber Grenzen gesetzt. Zwar setze die Stadt im Rahmen eines «kreativen Pragmatismus» auf bestehende Stärken und sei entschlossen, diese kontinuierlich auszubauen. Dennoch seien «ohne tatkräftiges Mitwirken des Kantons vergleichbar grosse Würfe wie in Zürich nicht möglich». Das sind deutliche Worte in Richtung des Kantons.

Beeinflussung verboten

Dennoch ist dem Stadtrat eine Förderung und vor allem Kontrolle des HSK-Unterrichts wichtig. Der HSK dürfe nicht für politische oder religiöse Beeinflussung der Kinder missbraucht werden. Der Unterricht solle die Kinder vielmehr hier integrieren. Der Stadtrat bekräftigt in seiner Postulatsantwort den Wunsch nach Kontrolle, für eine effektive Überprüfung seien aber zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen nötig.

Für den Stadtrat stellt sich die Frage, ob eine verstärkte Integration des HSK-Unterrichts in den regulären Schulbetrieb nicht zielführender wäre. Dieser Ansatz beisst sich aber damit, dass ein Teil der Migrantenkinder in besonderem Masse auf schulische Förderung im Klassenverband angewiesen ist. Also hat sich der Stadtrat entschlossen, die Trägerschaften vertraglich in die Pflicht zu nehmen. Dies tut er, in dem er Schulräume nur für HSK-Unterricht vergibt, wenn die Trägerschaften bestimmte Auflagen erfüllen.

So verpflichten sich die Trägerschaften beispielsweise politisch und konfessionell neutral zu sein. Sie dürfen nur HSK-Lehrpersonen einstellen, die über eine pädagogische Ausbildung sowie über die Sprachkompetenz B1 in Deutsch verfügen. Des weiteren ist die Organisation, Durchführung und Finanzierung der Kurse Sache der Trägerschaft. Auch müssen die Trägerschaften ein pädagogisches Konzept vorlegen und die Zusammenarbeit mit den Schulleitungen jener Schulen pflegen, in denen Kurse stattfinden.

Für den Stadtrat ist das Postulat «Heimatliche Sprache und Kultur als Schulfach» erledigt. Er beantragt dem Stadtparlament ihn als solchen abzuschreiben. Die nächste Parlamentssitzung findet am Dienstag statt.