SCHULE: In die Zukunft investieren

Der Gossauer Schulrat hat ein neues Förderkonzept beschlossen. Nebst Änderungen hält er auch an vielem fest, was in anderen Schulen nicht angewendet wird.

Angelina Donati
Drucken
Teilen
Mit dem Einschulungsjahr und den Kleinklassen hat Gossau gute Erfahrungen gemacht und hält weiter daran fest. (Bild: Benjamin Manser)

Mit dem Einschulungsjahr und den Kleinklassen hat Gossau gute Erfahrungen gemacht und hält weiter daran fest. (Bild: Benjamin Manser)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Eine der wohl grössten Änderungen ist die neue Zuteilung von Kompetenzen. So hat der Gossauer Schulrat an seiner vergangenen Sitzung entschieden, dass neu die Schulleitung und nicht mehr der Schulrat darüber befindet, ob und wie ein Kind therapiert werden soll. «Der Schulrat nimmt sich aus dem operativen Geschäft zurück», erklärt Markus Giger, Schulleiter des Schulkreises Büel-Haldenbüel. Die Anforderungen würden laufend steigen und daher müsse auch mehr Zeit aufgewendet werden, was dem Schulrat im Milizsystem immer weniger möglich sei.

Seit vergangenem Sommer hat der Kanton seine Beiträge an Kinder gekürzt, die körperlich oder geistig bedingt eine Sonderschule besuchen. Aktuell sind es in Gossau einige Dutzend Schüler. Damit sollte ein Anreiz geschaffen werden, vermehrt Kinder mit Einschränkungen in den Regelklassen zu integrieren. Giger rechnet vor, dass Gossau 36000 Franken pro Kind jährlich an den Unterricht in der Sonderschule bezahlen muss – bislang waren es 24000 Franken. «Unabhängig von den Kosten wurde aber schon immer darauf geachtet, dass die Kinder möglichst hier bei ihren ‹Gspänli› und in ihrem Quartier bleiben können.»

Dank Kleinklassen weniger Stress

Das durch den Schulrat verabschiedete Förderkonzept basiert auf den Vorgaben des Kantons und bestätigt die Weiterführung des Einschulungsjahres und der Kleinklassen wie bislang gehabt. Allerdings ist das ein Modell, das viele Schulen erst gar nicht eingeführt oder wieder abgeschafft haben. Die Schule Gossau aber hält weiter daran fest, weil «positive Erfahrungen damit gemacht wurden», wie Giger sagt. Das Einschulungsjahr ist ein Übergangsjahr zwischen Kindergarten und Primarschule. Kinder, welche noch nicht ganz reif sind für die erste Klasse, werden hier besonders gefördert. Kleinklassen bestehen ab der dritten Primarklasse bis zur dritten Oberstufe. Die Zahlen bewegen sich von 20 bis 25 Schülern in der Primar- und von zehn bis 15 in der Oberstufe. «Die Kinder werden gezielt gefördert, und das unter Berücksichtigung ihrer individuellen Ressourcen.» Das wiederum bedeute weniger Stress für die Kinder, was sich positiv auf ihr Wohlbefinden auswirke. Kinder in der ersten und zweiten Primarklasse mit einem besonderen Förderbedarf würden jeweils von Heilpäd-agogen unterstützt.

Ebenfalls besonders ist in Gossau die Deutsch-Integrationsklasse für Kinder ohne oder mit wenig Deutschkenntnissen. Diese richtet sich an Schüler ab der dritten Primarklasse bis zur dritten Oberstufe. «Dieses Angebot wird auch von umliegenden Gemeinden rege genutzt, zum Beispiel von Gaiserwald», sagt Markus Giger.

Gossau wendet einen «respektablen Betrag» auf

Giger betont, dass die Schule Gossau grossen Wert darauf legt, dass der Förderbedarf von Kindern bereits im frühen Alter erkannt und angegangen wird. Die Beurteilung erfolge dabei stets von einer Fachstelle – sei es durch den Kinderarzt oder durch den Schulpsychologischen Dienst. «Unser Ziel ist es, die Kinder für das Leben fit zu machen: Für die Lehre, das Studium und für den persönlichen Umgang», sagt Markus Giger. Für Sonderschulen, Fördermassnahmen oder Kleinklassen wendet Gossau einen «respektablen Betrag» auf. «Wenn wir es schaffen, optimale Voraussetzungen zu schaffen, um den Kindern den Weg ins erwachsene Leben zu erleichtern, dann lohnt sich diese Investition.»