SCHULE: Ein Schulhaus wie ein Zuhause

Vor 50 Jahren wurde ganz im Westen der Stadt, hinter der Bruder-Klaus-Kirche in Winkeln, das Schulhaus Kreuzbühl gebaut. Inzwischen ist es zu klein für die grossen Schülerzahlen im Quartier.

Margrith Widmer
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Sanieren oder neu bauen: Das 50-jährige Schulhaus Kreuzbühl ist zu klein geworden. (Bild: Ralph Ribi)

Sanieren oder neu bauen: Das 50-jährige Schulhaus Kreuzbühl ist zu klein geworden. (Bild: Ralph Ribi)

Margrith Widmer

stadtredaktion@tagblatt.ch

«Letzte Arbeiten am Schulhaus Winkeln», titelte das «St. Galler Tagblatt» am 20. März 1967. Zu Beginn des neuen Schuljahrs werde in den Neubauten im Kreuzbühl der Betrieb aufgenommen. Nach der Schneeschmelze sei mit der Erstellung des Spielfelds im Westen der Neubauten und mit Umgebungsarbeiten begonnen worden, berichtete die Zeitung damals.

Die neben den Text gestellte Luftaufnahme zeigte eine Übersicht über die neue Schulhausanlage. Gut sichtbar war der Verbindungsgang zwischen Schulhaus und Turnhallentrakt. Das Bild zeige instruktiv, wie die neue Schulhausanlage sozusagen am Drehpunkt zwischen Einfamilienhauszone Kreuzbühlstrasse und Mehrfamilienhauszone Robert-Gsell-Strasse liege. Im Süden und Westen der neuen Schulhausanlage bestünden noch Expansionsmöglichkeiten für das stetig wachsende Industriedorf und westlichste Aussenquartier der Stadt, hielt der «Tagblatt»-Journalist im Frühling 1967 fest.

Kinderreiche Siedlungen

Am 1. Juli 1967 wurde das neue Kreuzbühl-Schulhaus als drittes Schulgebäude in Winkeln eingeweiht. Das Schulhaus Bild war 1846 an der Zürcher Strasse als erstes in der «Gegend ausser der Sitter» eröffnet worden. In Winkeln stand damals kaum ein halbes Dutzend Häuser. Dagegen waren Kräzern, Hof, Altenwegen und Hafnersberg schon kinderreiche Siedlungen. Bis zur Eröffnung der Schulanlage Kreuzbühl 130 Jahre später hatte das «Dorf» Winkeln dank der Ansiedlung zahlreicher Industrien und Wohnüberbauungen stark expandiert.

Das neue Schulhaus glänzte mit vielen Aussenanlagen. Da gibt’s einen grossen Trockenplatz, eine Spielwiese, einen Geräteplatz fürs Turnen im Freien und reichlich Grünfläche. Das sei bis heute eine fantastische Umgebung für Kinder, sagt Schulhausleiter Pius Jud. Das Kreuzbühl-Schulhaus liegt hinter der Bruder-Klaus-Kirche in Winkeln. Die Anlage verfügt über einen Spiel- und Fussballplatz sowie ein Biotop. Friedlich und familiär gehe es zu und her, hält Pius Jud fest: «Wir sind alle eine grosse Familie. Die Lehrkräfte kennen die meisten der 153 Kinder persönlich.» So kommen auch die Kindergärtler in der Zehn-Uhr-Pause zum Spielen in die Schulanlage – «wie zu Hause eben».

Das Schulhaus ist zu klein: Sanierung oder Neubau?

Ob das 50 Jahre alte Schulhaus Kreuzbühl einer Renovation unterzogen wird oder ob es einen Neubau gibt, ist noch nicht entschieden. Denn: Wegen der regen Bautätigkeit in Winkeln ist das Schulhaus in den vergangenen Jahren zu klein geworden und müsste erweitert werden. Gegenwärtig sind Abklärungen über das weitere Vorgehen im Gang. In rund zwei Jahren soll klar sein, wie es weitergeht.

Wenn neue Häuser erstellt würden, dauere es immer eine gewisse Zeit, bis die Kinder aus den neuen Wohnungen ins Schulalter kämen, sagt Pius Jud. Es sei auch schwierig abzuschätzen, wie viele Familien wegzögen. Im Schulquartier Hof-Kreuzbühl versuchten die Verantwortlichen, die Kinder optimal zu verteilen, so dass sie in der Nähe des Elternhauses zur Schule gehen könnten. Immer gelinge das nicht, anderseits habe der Schulweg auch einen Wert. Die Schulhäuser Kreuzbühl und Hof liegen am Ost- und am Westrand des Quartiers sowie rund einen Kilometer Luftlinie auseinander.

Die Ansprüche an die Schule seien gestiegen und vielfältiger geworden, sagt Pius Jud: Manche Eltern forderten Autorität, andere seien für «Laissez-faire». Rund die Hälfte der Kinder im Schulquartier Hof-Kreuzbühl haben ausländische Wurzeln. Aber: «Ein Ausländerproblem haben wir nicht und auch wenig sprachliche Probleme», sagt Pius Jud. Im Kindergarten spüre man noch sprachliche Unsicherheiten der fremdsprachig aufgewachsenen Kinder, in der Schule praktisch nicht mehr.

Integrierte Förderung ist spürbar

In St. Gallen wurde vor über zehn Jahren die integrierte Schülerförderung für Kinder mit unterschiedlichen Begabungen eingeführt. Kinder, die noch Schwierigkeiten in Deutsch oder in anderen Fächern haben, erhalten eine oder zwei Stunden Stützunterricht pro Woche.

Und auch die technische Ausrüstung im Schulhaus Kreuzbühl sei hervorragend, sagt Pius Jud. Es stünden Computer, Laptops und Smartboards (als Wandtafelersatz) zur Verfügung. In seiner fünften Klasse arbeiteten die gegenwärtig 18 Kinder zwei bis vier Stunden pro Woche auf dem Laptop. Gemeinsam mit seinen Schülern gibt Jud eine Schülerzeitung heraus: Je nach Begabung verfassen die Schüler mehr oder weniger Texte, führen Interviews und schiessen Fotos.