Schuldspruch für Übergriff

Ein 32-Jähriger muss eine Busse von 10 000 Franken zahlen. Das Gericht hat ihn der sexuellen Belästigung von zwei Frauen im Säntispark schuldig gesprochen.

Claudia Schmid
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Das Kreisgericht St. Gallen habe sich den Entscheid nicht leicht gemacht, erklärte der vorsitzende Richter an der mündlichen Urteilsverkündung vom Gründonnerstag. Länger als üblich habe es alle Möglichkeiten abgewogen und sei zum eindeutigen Schluss gekommen, dass die beiden jungen Frauen und nicht der Beschuldigte die Wahrheit gesagt hätten.

Unsittlich betastet

Die Privatklägerinnen hatten ausgesagt, der Beschuldigte habe ihnen unter Wasser zwischen die Beine gegriffen. Die eine erzählte, im Endbecken der Rutschbahn sei er plötzlich neben ihr abgetaucht und habe sie unsittlich betastet. Sie habe seine Hand aus ihrer Badehose ziehen müssen.

Der zweite Vorfall ereignete sich laut den Schilderungen der anderen jungen Frau im Solebad. Unvermittelt sei diesmal ihr unter Wasser in die Badehose gegriffen worden. Sie hätten sich entschlossen, dem Täter zu folgen. Als sie ihn an einem Spind in der Garderobe angetroffen hätten, sei er weggerannt (Ausgabe vom 23. März). Der Beschuldigte hatte stets seine Unschuld beteuert. Es müsse sich um eine Verwechslung handeln, hatte er an der Gerichtsverhandlung gesagt. Im Endbecken der Rutschbahn sei er zwar ausgerutscht und habe sich kurz an einer Frau abgestützt. Mehr sei aber nicht geschehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, der 32-Jährige sei wegen Schändung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten und einer Busse zu verurteilen. Der Verteidiger verlangte einen vollumfänglichen Freispruch.

Das Kreisgericht verurteilte den Mann nun wegen sexueller Belästigung und sprach eine Busse von 10 000 Franken aus. Es erachte die Aussagen der Frauen als glaubhaft, begründete der vorsitzende Richter den Schuldspruch. Sie hätten sich nie in Widersprüche verwirklicht, auch beim Augenschein im Bad nicht. Es sei auch kein Motiv ersichtlich, weshalb die Privatklägerinnen die Unwahrheit sagen würden.

Genugtuung bezahlen

Beim Augenschein habe das Gericht ein mögliches Ausrutschen und seine Folgen beurteilt. In jenem Teil des Bades sei es kaum möglich, dass man dabei ganz unter Wasser tauche. Zudem sprächen auch die Aussagen einer Putzfrau für die Schuld des 32jährigen Mannes. Sie habe ein verdächtiges Verhalten beschrieben. Den beiden Privatklägerinnen muss der Beschuldigte eine Genugtuung von 1500 beziehungsweise von 2000 Franken bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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