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Schulden angehäuft statt getilgt

Das Kreisgericht St. Gallen hat einen 33jährigen Serben verurteilt. Er wollte als Drogenkurier seine Schulden tilgen, wurde aber kurz nach der Einreise gefasst. Sein Schuldenberg hat sich dadurch vervielfacht.
Claudia Schmid

Ein 33jähriger Serbe wollte als Drogenkurier einen Teil seiner Schulden tilgen. Der Plan ging nicht auf: Der Mann wurde gerade einmal zwei Tage nach der Einreise in die Schweiz verhaftet. Das Kreisgericht St. Gallen führte die Verhandlung von letzter Woche im sogenannten abgekürzten Verfahren durch. Es erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil.

Damit wurde der 33jährige Beschuldigte wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Zudem hat er eine Busse von 600 Franken und die Verfahrenskosten von 11 700 Franken zu zahlen.

Drogenübergabe im Zug

Der 33-Jährige war am 9. Januar dieses Jahres von Skopje nach Memmingen gefahren. Dort setzte er sich in den Zug Richtung Schweiz. Auf der Fahrt von St. Margrethen nach St. Gallen übernahm er von einem Unbekannten zwanzig Portionen Heroingemisch à je 100 Gramm. Der Reinheitsgehalt betrug rund 19 Prozent. Noch bevor er die Drogen zwei Tage später in St. Gallen einem weiteren unbekannten Mann übergeben konnte, wurde der Kurier an der Straubenzeller Strasse von der Polizei kontrolliert und verhaftet.

Kredit für Steuerschulden

Er habe die Steuern für sein Haus nicht bezahlen können und deshalb bei einem Privatmann einen Kredit von 1000 Euro aufgenommen, erklärte der 33jährige Serbe. Als er das Geld nicht habe zurückzahlen können, habe ihm der Mann den Vorschlag gemacht, einen Kurierdienst in der Schweiz zu übernehmen. Er habe nicht im Detail gewusst, um was für ein Geschäft es sich handle. Vermutet habe er allerdings schon, dass es um etwas Illegales gehe. Für seinen «Job» sollten ihm von den Schulden 200 Euro erlassen werden. Vom Auftraggeber erhielt er das Flugticket nach Deutschland und die Anweisungen für das Vorgehen auf der Bahnfahrt in die Schweiz.

Aus der Stadt Nis

Der Beschuldigte lebt in der serbischen Stadt Nis. Fast wöchentlich beschäftige sich das Kreisgericht mit jungen Männern, die aus diesem Ort stammten und von einem professionellen Drogenhändlerring für Kurierdienste in die Schweiz geschickt würden, erklärte der Einzelrichter. Davon habe er nichts gewusst, betonte der Angeklagte. Er habe einfach keinen anderen Weg gesehen, wie er das geschuldete Geld zurückzahlen könne und habe sich deshalb auf den Vorschlag seines Kreditgebers eingelassen. Die Schulden haben sich durch den Ausflug in die Schweiz allerdings nicht verringert. Im Gegenteil: Durch die Kosten des Gerichtsverfahrens und die Busse wuchs der Schuldenberg von anfänglich 1000 Euro auf nun über 13 000 Franken an.

Aufklärungsarbeit leisten

Der Einzelrichter rief den Beschuldigten dazu auf, er solle in seinem Bekanntenkreis Aufklärungsarbeit leisten. Erzähle er in seiner Heimatstadt davon, wie fatal sich das Einlassen auf die Drogenhändler auswirke, könne er vielleicht andere junge Männer davor bewahren, sich ins gleiche Unglück zu stürzen. Der Beschuldigte befand sich bis zur Gerichtsverhandlung zuerst in Untersuchungs- und später in Sicherheitshaft. Er wird nun die Schweiz in den nächsten Tagen verlassen.

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