Schulamt gerät unter Druck

ST.GALLEN. Die Kritik am Schulamt und an der Direktion Schule und Sport nimmt zu. Sie seien nach der Freistellung eines Lehrers im Schulhaus Buchental zu lange im unklaren gelassen worden, sagen Eltern. Der Schuldirektor versteht den Ärger teilweise.

David Gadze
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Die Freistellung eines Lehrers in der Realschule Buchental sorgt derzeit für Diskussionen. Das Schulamt habe zu spät informiert, kritisieren Eltern. (Bild: Michel Canonica)

Die Freistellung eines Lehrers in der Realschule Buchental sorgt derzeit für Diskussionen. Das Schulamt habe zu spät informiert, kritisieren Eltern. (Bild: Michel Canonica)

In der Realschule Buchental gehen derzeit die Wogen hoch. Nach der Freistellung eines Lehrers (Tagblatt vom Montag) nimmt die Kritik von Eltern am Schulamt und an der Direktion Schule und Sport zu. Dabei geht es in erster Linie nicht einmal um die Freistellung als solche. Vielmehr stösst den Eltern die Informationspolitik des Schulamts sauer auf.

Wahre Gründe nicht genannt

Der Lehrer war am Freitag, 4. Dezember, freigestellt worden. Den Schülern wurde am folgenden Montag erzählt, er sei bis Ende der Woche krankgeschrieben und falle längere Zeit aus. Das bestätigen drei Mütter, deren Töchter in der betreffenden Klasse sind. «Die Schüler bemerkten aber, dass das Klassenzimmer bereits leergeräumt war», sagt die Mutter einer Schülerin, die nicht namentlich genannt werden möchte.

Am Dienstag habe unter den Schülern das Gerücht die Runde gemacht, dass der Lehrer freigestellt worden sei. «Ich habe mich gleichentags beim Schulamt gemeldet und eine Erklärung verlangt», erzählt die Mutter weiter. Sie sei jedoch vertröstet worden, die zuständige Person sei besetzt. Das habe sich am nächsten Tag wiederholt. Der Vater sei daraufhin bei der städtischen Ombudsstelle vorstellig geworden. Schulleiter Daniel Schönenberger habe ihr schliesslich die Freistellung telefonisch bestätigt.

Eine Woche später informiert

Erst am Freitag, 11. Dezember, erhielten die Eltern einen Brief vom Schulamt. Darin teilte man ihnen mit, dass der Lehrer per sofort freigestellt worden war. Er habe sich «erhebliche verbale Entgleisungen erlaubt», heisst es im Schreiben. «Das Ausmass der ihm zur Last gelegten Respektlosigkeiten ist dermassen gravierend, dass die Stadt als Arbeitgeberin ohne Verzug handeln musste.»

«Wir fühlen uns hilflos und nicht ernst genommen», sagt die Mutter. Dieses Gefühl bestärkt die Tatsache, dass die Eltern in einem weiteren Brief vom 16. Dezember über den neuen Lehrer, der die Klasse im Januar übernehmen wird, informiert wurden – allerdings nicht darüber, dass es sich nur um eine vorübergehende Lösung handelt. Ein entsprechender Hinweis fehlt im Schreiben, welches der Redaktion vorliegt. «Der Schulleiter hat das den Schülern gegenüber vergangene Woche beiläufig erwähnt», sagt Antonia Sainclair, seine der drei Mütter. Die Eltern hätten auch erst kürzlich erfahren, dass der neue Schulleiter, der erst seit vergangenem Sommer im Amt ist, nur noch wenige Monate bleibt. «Mir ist wichtig, dass meine Tochter eine stabile Schulzeit hat. Ich denke nicht, dass sie die im Buchental haben wird.»

«Eine Ausnahmesituation»

Stadtrat Markus Buschor räumt ein, dass die Information an die Eltern spät erfolgt sei. «Ich erwarte, dass in solchen Situationen frühzeitig informiert wird.» Der Brief an die Eltern habe spätestens am Dienstag abgeschickt werden sollen. «Früher war wegen der Umstände nicht möglich.» Dass das Schulamt die Eltern bis Ende Woche im ungewissen gelassen habe, erkläre sich dadurch, dass es sich für alle Beteiligten um eine Ausnahmesituation handle.

Buschor bestreitet aber, dass die Schulleitung die Schüler nicht über die Freistellung informiert habe. «Am Montag wurden das Lehrerteam und die Schüler davon in Kenntnis gesetzt.» Der Lehrer habe sich am Freitag, noch vor seiner Freistellung, jedoch krank gemeldet. Es gebe auch keine Grund, Eltern am Telefon abzuwimmeln. «Wenn wir einen Entscheid fällen, stehen wir dahinter.»

Schuldirektor versteht Ärger

Der Schuldirektor versteht den Ärger der Eltern darüber, dass sie im Brief der Schulleitung nicht informiert worden waren, dass der neue Lehrer nur vorübergehend die Klasse unterrichten wird. «Man hätte ihnen sagen müssen, dass es sich um eine Zwischenlösung handelt. So kurzfristig konnten wir keine langfristige Vertretung finden.»

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