Schützin visiert Krönchen an

Sie ist Bierbrauer-Tochter, Bogenschützin und Chemielaborantin. Und, kaum volljährig, mutterseelenallein durch den Westen der USA gereist. Nun will Fiona Gaggia Miss Ostschweiz werden. Auch, damit ihr nicht plötzlich langweilig wird.

Malolo Kessler
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Fiona Gaggia ist in diesem Jahr die einzige Miss-Ostschweiz-Kandidatin aus der Stadt St. Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Fiona Gaggia ist in diesem Jahr die einzige Miss-Ostschweiz-Kandidatin aus der Stadt St. Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Ihre kurzgeschnittenen Fingernägel sind erdbraun lackiert, das Handgelenk ist eingebunden. «Eine Sehnenscheidenentzündung», sagt Fiona Gaggia. Passiert beim Sport: Die 22-Jährige ist Bogenschützin. Um Kraft und Konzentration zu trainieren, versucht sie einmal pro Woche in der Sporthalle Kreuzbleiche ins Gelbe zu treffen. Und hat nun das Miss-Ostschweiz-Krönchen im Visier: Fiona Gaggia hat es mit elf anderen Kandidatinnen in den Final des Wettbewerbs geschafft, als einzige aus der Stadt St. Gallen.

Zweisprachig aufgewachsen

Lange lebt sie hier allerdings noch nicht: Sie ist Anfang Dezember aus dem thurgauischen Pfyn ins Schorenquartier gezogen. St. Gallen habe sie zuvor nicht so gut gekannt. «Und ich muss ehrlich sagen, ich war positiv überrascht.» Das war sie auch von der bisherigen Zeit als Miss-Kandidatin. Es seien «so viele tolle Meitli» dabei. «Ich bin ganz erstaunt, wie viel Spass das Ganze überhaupt macht», sagt Fiona Gaggia. Sie schweift während des Erzählens nie ab, sagt oft «lässig» und spricht Zürcher Dialekt – ein Überbleibsel aus ihrer Kindergartenzeit im Kanton Zürich. Bis zum Eintritt in den Kindergarten konnte sie allerdings noch gar kein Schweizerdeutsch: Weil ihr Vater Kanadier ist, wurde im Hause Gaggia vorwiegend Englisch gesprochen.

Dass sie zweisprachig aufgewachsen ist, ist ihr auch in ihrer bislang «grossartigsten Zeit» zugute gekommen. Nach Abschluss der Sek, in einem Zwischenjahr, zog es Fiona Gaggia in die USA. Alleine reiste sie durch diverse Bundesstaaten im Westen des Landes, besuchte da und dort Verwandte. «Ich fühle mich mit Nordamerika verbunden», sagt sie. «Dort zu leben kann ich mir aber im Moment nicht vorstellen.» Zwar gingen die Menschen dort rascher aufeinander zu, als in der Schweiz. «Aber hier haben wir so viel, was es sonst nirgends auf der Welt gibt: Gute Arbeitsstellen beispielsweise.» Wegen einer solchen ist sie denn auch nach St. Gallen gezogen: Sie arbeitet bei der Empa als Chemielaborantin. Ursprünglich habe sie «etwas im medizinischen Bereich» machen wollen. «Aber nachdem ich in einem Labor schnuppern konnte, wollte ich das unbedingt lernen.» Sowieso sei sie ein ehrgeiziger Mensch. «Ich will schon etwas erreichen im Leben.» Deshalb möchte sie auch das Missen-Krönchen holen. Deshalb – und aus Angst vor der Zeit danach: «Wir haben jetzt so viele Termine. Wenn ich nicht gewinne, wird's mir nach der Wahlnacht vielleicht noch langweilig», sagt sie, lacht dann.

Anstossen mit «Gaggia-Bräu»

Die Neu-St. Gallerin wäre wohl die einzige Kandidatin, die nach einem Sieg mit einem Getränk anstossen könnte, das ihren eigenen Namen trägt. Ihr Vater, gelernter Informatiker, ist selbständiger Bierbrauer. Er stellt in Pfyn das «Gaggia-Bräu» her. Ein Problem gäbe es da allerdings: «Ich trinke eigentlich gar kein Bier», sagt Fiona Gaggia. Im Falle eines Sieges liege aber vielleicht eine kleine Ausnahme drin.