Schützenswerte Rondelle

«Geschützt – aber nur bis 1970», 15.12.2010 Geld entscheidet über die Schutzwürdigkeit von Bauten zumindest stark mit.

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«Geschützt – aber nur bis 1970», 15.12.2010

Geld entscheidet über die Schutzwürdigkeit von Bauten zumindest stark mit. Wie könnte es sonst dazu kommen, dass die Rondelle auf dem Marktplatz aus der Kategorie 3 des Inventars schutzwürdiger Bauten entlassen wurde und abgebrochen werden soll? Der neuneckige Pavillon wurde bei der Neugestaltung des Marktplatzes 1951 erstellt. Er weist grosse Ähnlichkeiten mit dem Octagon von Max Frisch im Zürcher Letzibad auf. Dieser zweistöckige Pavillon wurde 1943 als zweites Gebäude von Frisch geplant, aber erst nach dem Krieg, von 1947 bis 1949, realisiert. Frisch hat damals 83 Mitbewerber ausgestochen.

Die St. Galler Rondelle weist in ihrer Grundstruktur eine ähnliche Bauweise (Stahl-/Holzbau auf betoniertem Untergeschoss), eine ähnliche Konzeption und die gleiche Leichtigkeit auf. Baukünstlerisch ist sie aus meiner Sicht als ökologisch fokussierter Architekt ein vollendetes Beispiel für die Knappheit und die Konzentration der Mittel der Nachkriegszeit. Kein Wunder, dass sie jetzt verschwinden soll, wo die Stadt mit unserem Geld nur so um sich werfen will.

Ein Zitat aus dem Gerichtsentscheid zur Villa Wiesental: «…(sie) sei in ihrer Art für St. Gallen einmalig. Sie weise hohe architektonische und architekturgeschichtliche Qualitäten auf und habe auch städtebaulich eine wichtige Bedeutung. Es handle sich dementsprechend um einen Schutzgegenstand im Sinne von Art. 98 Abs. 1 des Baugesetzes (…)» Seit zwei Jahren stelle ich die Frage zur Rondelle sämtlichen Beteiligten. Niemand wollte sich bisher äussern – das Volk hat erst im Frühling an der Urne dazu Gelegenheit.

Hansueli Stettler Lindenstrasse 132, 9016 St. Gallen

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