«Schüler zum Fliegen bringen»

Egal, ob Kindergärtler, Erstgix oder 5.-Klässler: Heute ist für alle ein spezieller Tag. Die Sommerferien sind vorbei, ein neues Schuljahr steht bevor. «Chribbelig» sind nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrpersonen.

Daniela Walter
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30 Kisten hat Andrea Lehmann in ihr neues Schulzimmer geschleppt. Nun ist alles verstaut. (Bild: Ralph Ribi)

30 Kisten hat Andrea Lehmann in ihr neues Schulzimmer geschleppt. Nun ist alles verstaut. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Fünf Wochen Ferien. Dolcefarniente, süsses Nichtstun. Für die Schülerinnen und Schüler des Kantons St. Gallen ist das vorbei. Heute beginnt wieder der Schulalltag – nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer. Etwas nervös, das sind sie wahrscheinlich alle.

Organisieren und besorgen

So auch Andrea Lehmann. Heute übernimmt die 29jährige Engelburgerin eine 5. Klasse im Schulhaus Hirschberg in Gossau. Gespannt sei sie auf ihre neuen Schülerinnen und Schüler, sagt sie. Und die Vorfreude sei riesig. Ihre Arbeit als Klassenlehrerin hat schon vor Monaten begonnen: Lehrmittel müssen bestellt, die Klassenzimmer begutachtet werden. Danach werden die Stundenpläne, Klassen- und Telefonlisten erstellt. Nach dem Übergabegespräch wird das Schulzimmer gezügelt – «30 Kisten habe ich hierhin geschleppt» – und eingerichtet. Und natürlich muss auch der Unterricht vorbereitet werden: die Grobplanung fürs ganze Jahr und die Feinplanung für die erste Woche. Hinzu kommen zahlreiche Sitzungen und Teamanlässe. «Es sind viele Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen», sagt sie. «Organisatorisch, aber auch Dinge, wie beispielsweise einen Geburtstagskalender basteln.»

Gemeinsam ans Ziel

Der erste Schultag sei ein unheimlich wichtiger Tag, sagt Andrea Lehmann. «Man muss die Kinder dort abholen, wo sie stehen.» Man müsse ihnen Regeln und Rituale gleich von Beginn weg kommunizieren, damit sie diese respektieren und die Atmosphäre für alle stimme, sagt die 29-Jährige. «Die Klasse zum Fliegen bringen», ist ihr Motto. Man könne sich das wörtlich vorstellen: Sie sei der Pilot und die Schüler die Crew. Und nur gemeinsam komme man sicher ans Ziel.

Das Schulzimmer will Andrea Lehmann gemeinsam mit den Schülern einrichten. Denn auch sie sollen sich in der Umgebung wohl fühlen. Bilder, aber auch Regeln, die gemeinsam erarbeitet und auf Plakate geschrieben werden, hängen sie an die Wand. «Eine Dekoration für die Tür habe ich schon vorbereitet», sagt sie und holt weisse Kärtchen mit einer vorgezeichneten Blume in der Mitte hervor. «Jedes Kind verziert eine solche Karte. Zusammen mit einem Foto werden diese dann in der Form der Zahl Fünf an die Tür geklebt.» Damit alle wissen, wo die 5. Klasse von Frau Lehmann zu finden ist.

«Viel Bestätigung»

Andrea Lehmann mag Kreatives. So erstaunt es nicht, dass sie am liebsten die musischen Fächer unterrichtet. Schon früher habe sie viel gezeichnet, gebastelt und musiziert. Dies sei auch ein Grund gewesen, dass sie sich für den Lehrberuf entschieden habe. «Es ist ein vielseitiger Beruf. Und ich kann das, was ich gerne mache, in meinen Job einbringen.» Zudem erhalte man von den Kindern viel Bestätigung für das, was man tue. «Das ist ein sehr schönes Gefühl.» Gibt es auch schlechte Seiten am Lehrberuf? Andrea Lehmann überlegt lange. «Es gibt viel zu erledigen und zu organisieren, man muss an vieles denken. Und man ist nie fertig, weil es immer etwas gibt, was man noch erledigen könnte.»

Ein Besuch in der Turnstunde

Zehn Mädchen und sechs Buben. Ihre neue Klasse hat Andrea Lehmann bereits kennengelernt. «Ich habe sie einmal in einer Turnstunde besucht.» Einige seien direkt auf sie zugekommen, andere hätten sie «aus einer sicheren Distanz begutachtet», sagt sie und schmunzelt. Nun haben die Schüler ja noch genug Zeit, ihre neue Lehrerin auch aus nächster Nähe zu bestaunen.