«Schüler können ihre Leistung mit halben Noten besser einschätzen»

Umfrage

Text: Eva Ammann
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Ich selbst habe früher immer gemeint, ich sei gut in der Schule, was leider nicht stimmte. Für Kinder sind die halben Noten daher sicher ein Vorteil, weil sie besser einschätzen können, wie es um ihre schulische Leistung steht. Ich würde viel zu schnell zwischen gut und nur genügend schwanken, wenn ich nur ganze Noten bekäme. Für das Gefühl ist eine 4,5 viel besser als eine 4.

Mit halben Noten kann man die Schüler differenzierter beurteilen. Ein kleinerer Raum zwischen den Noten ist darum vorteilhafter. Früher hatte man ja sogar Viertelnoten. Mit der Einführung dieses Systems ist die Stadt definitiv vorgeprescht. Sie sollte wieder zur alten Benotung wechseln. Eine Alternative zur Benotung mit Zahlen gibt es für mich nicht.

Die Abschaffung von den halben Noten war keine gute Idee. Man setzt die eigentliche Note künstlich herauf oder herunter. Jedoch kann gegebenenfalls durch dieses System das Kind entlastet werden, da es den Druck nicht mehr hat, noch einen halben Sprung höher zu kommen. Eine Zahlenbenotung braucht es aber definitiv. Alles andere ist zu subjektiv.

Es gibt sicherlich Diskrepanzen, jetzt, da es keine halben Noten mehr gibt. Dieses System ist viel zu radikal, da sich die Noten zu sehr unterscheiden. Meiner Meinung nach sollte man dazwischen landen können. Was ja auch ein bewährtes System war. Ausserdem gibt es jetzt bestimmt mehr Gesprächsstoff, weil die Eltern ihre Kinder schlechter einschätzen können.

Für mich bedeuteten früher die halben Noten einen Ansporn. Es wäre gut, wenn es diese wieder geben würde. Aber ich finde das Notensystem sowieso sehr fragwürdig, weil Noten so relativ sind. Eine Benotung mit Blumen, die blühen, oder erst aus der Erde wachsen, finde ich super. Das hat auch eine gewisse Symbolik und nimmt den jungen Kindern den Druck.

Benotung Schülerinnen und Schüler in der Stadt erhalten keine halben Noten mehr. Das wurde vor einem guten Jahr so eingeführt. Der Kanton kündigte rasch an, er wolle die halben Noten künftig gesetzlich vorschreiben. Dieser Gegensatz sorgt für Gesprächsstoff. Auf die einfache Anfrage eines SP-Stadtparlamentariers im Sommer antwortete der Stadtrat jedoch, dass die Schüler in der Stadt St. Gallen weiterhin nach diesem Prinzip benotet würden – nur noch mit ganzen Noten. Wegen des Lehrplans 21. Passanten in der Innenstadt äussern sich nun zum Widerspruch zwischen Stadt und Kanton und zu Alternativen der Benotung mit Zahlen.

Text: Eva Ammann

Bilder: Laura Widmer

Schüler kann man mit halben Noten besser bewerten. Die Spannbreite zwischen den Noten ist jetzt einfach viel zu gross. Denn der Unterschied zwischen einer 4 und einer 5 ist enorm. Dieses System könnte vor allem für diejenigen demotivierend sein, die nicht so gut in der Schule sind. Ich verstehe nicht, wieso die halben Noten abgeschafft wurden.

Schüler haben oft einmal einen knappen Schnitt. Lehrer drücken dann aber auch gerne ein Auge zu und runden den Schnitt auf. Mit diesem System ist das nicht mehr möglich. Da ich generell ein Freund von einheitlichen Regeln bin, finde ich, dass sich die Stadt auch dem Kanton anpassen könnte. Diese Regelung macht alles viel zu kompliziert.

Ich finde es nicht gut, dass es die halben Noten nicht mehr gibt. Es ist sinnvoll, wenn man den Kindern eine angemessene Leistungsbeurteilung bietet. Heisst, dass dem Kind gezeigt wird, wo es wirklich steht. Und nicht in einem grossen Raum zwischen zwei Noten. Ich präferiere ein anderes Benotungssystem für Primarschüler. Etwa dieses mit Blumen.

Als ich gehört habe, dass dieses System eingeführt wird, habe ich eigentlich nur gedacht, dass es übertrieben ist. Quasi: «Hauptsache wieder etwas Neues.» Ich habe einen Sohn, der in der fünften Klasse ist, und habe nicht das Gefühl, dass er aus der Abschaffung der halben Noten Vorteile mit sich zieht. Gross geändert hat sich daher sowieso nichts.

Dominic Zehnder, 26

Controller, St. Gallen

Ashlin Vetter, 27

Kosmetikerin, St. Gallen

Nico Studer, 28

Produktmanager, Horn

Katja Habazin, 49

Fotografin, St. Gallen

Ingrid Tanner, 73

Pensionärin, St. Gallen

Carsten Seltrecht, 77

Fotograf, Speicher

Stefan Eberhard, 32

Detailhandelsfachmann, SG

Ann-Katherine Schad, 34

Rezeptionistin, St. Gallen

Marc Huber, 19

Student, St. Gallen