Schüler entfernen Eindringlinge

Eine Basler Gymnasialklasse verbringt eine Woche in Untereggen, um invasive Pflanzenarten zu bekämpfen. Die Schüler reissen die ungewollten Pflanzen aus, häufen sie an und bringen sie zur Vernichtung in die Kehrichtverbrennung.

Henrik Jochum
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Die Basler Gymnasiasten verbringen fünf Tage in Untereggen und Region, um mehr über invasive Pflanzen zu lernen und die Wälder aufzuräumen. (Bild: Henrik Jochum)

Die Basler Gymnasiasten verbringen fünf Tage in Untereggen und Region, um mehr über invasive Pflanzen zu lernen und die Wälder aufzuräumen. (Bild: Henrik Jochum)

UNTEREGGEN. «Ist das ein Sommerflieder?» – «Ja, ist es, gut erkennbar an den violetten Blüten.» Willi Giezendanner zeigt den interessierten Schülern, welche Sträucher entfernt werden müssen und welche stehen bleiben. Der Grund: Lokale Pflanzenbestände sind durch invasive Arten gefährdet. Immer häufiger sind Arten aus dem Ausland wie der Japanische Staudenknöterich oder der Riesen-Bärenklau in den heimischen Wäldern anzutreffen. Über Frachtschiffe und Flüsse werden Samen aus der ganzen Welt in die Region gebracht, wo sich die häufig sehr robusten und anpassungsfähigen Pflanzen schnell in der Natur ausbreiten. Die ungewollten Gäste bringen das hiesige Ökosystem aus der Balance, indem sie entweder den Nährstoffhaushalt des Bodens verändern oder mit den einheimischen Arten konkurrieren. Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen die hartnäckigen Pflanzen in Handarbeit mehrere aufeinanderfolgende Jahre ausgerissen und vernichtet werden.

Schweizweite Zusammenarbeit

Die Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz SUS hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, mit Schulklassen, interessierten Erwachsenen und Zivildienstleistenden die Flora der Schweiz von den ungewollten Arten zu befreien und wiederherzustellen.

In diesem Jahr konnte sie Untereggen mit einer Gymnasialklasse aus Oberwil im Baselbiet vermitteln. Die 16- bis 18-Jährigen arbeiten mit dem Landwirt und Neophyten-Experten Willi Giezendanner zusammen, um den Wald von den invasiven Arten zu befreien. Weiterhin soll die Woche eine aufklärende Wirkung haben: Viele Personen seien sich der alltäglichen Gefahr nicht bewusst, die von den fremden Arten ausgehe, sagt der Koordinator der Stiftung, Christoph Mani. Arten wie der Riesen-Bärenklau können mit ihrem Saft die Haut verätzen, was zu schwerwiegenden Verletzungen führen kann, die teils auf der Intensivstation behandelt werden müssen.

Der Natur helfen und lernen

Am Montag fingen die Schüler aus Basel an, die ungewollten Pflanzen zu entfernen und zu sammeln. Dann werden die ausgerissenen Sträucher in die Kehrichtverbrennungsanlage gebracht, da sie sonst wieder Wurzeln schlagen könnten. Die Ziele der Schüler sind möglichst viele Sträucher und Sprösslinge auszureissen und mehr über die Pflanze selbst zu lernen. Willi Giezendanner hat ihnen deshalb Infoblätter über jene Pflanzenarten verteilt, die sie in dieser Woche entfernen werden. Die Neophytenbekämpfung sei seine Hauptbeschäftigung in den Sommermonaten, sagt der Landwirt, heimisch in Wald AR. Er habe schon mit Personen aus jeglichen Berufsgruppen zusammengearbeitet, um Wälder in Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau wiederherzustellen. Untereggen habe ein massives Problem mit Neophyten, da die invasiven Arten an der Goldach entlang bis in die Hänge hinauf die heimischen Pflanzen überwuchern. Beim Entfernen ist die Wurzel das Wichtigste. «Wenn man die Wurzel nicht vollständig ausreisst, können die Arten im gleichen Gebiet wiederkommen», sagt der erfahrene Landwirt. «Dann ist die ganze Arbeit umsonst gewesen.» Wenn man aber kompetent und seriös gegen die invasiven Arten vorgeht und gründlich die Wälder und Felder durchforstet, sei es möglich, die Ausbreitung zu fast 100 Prozent einzudämmen und die ursprüngliche Flora der Ostschweiz wiederherzustellen.

Willi Giezendanner Landwirt Wald AR (Bild: Henrik Jochum)

Willi Giezendanner Landwirt Wald AR (Bild: Henrik Jochum)