«Schon fast ein Schnäppchen»

Für 90 Millionen Franken soll zwischen Appenzell und Trogen eine Durchmesserlinie entstehen – via St. Gallen. Das Stadtparlament ist einverstanden, dem Kanton für die Realisierung mit 2,4 Millionen Franken unter die Arme zu greifen.

Odilia Hiller
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Am Bahnhof St. Gallen sollen die Linien der Appenzeller Bahnen zusammengeführt werden und – dank Ruckhalde-Tunnel – öfter verkehren. (Bild: Urs Bucher)

Am Bahnhof St. Gallen sollen die Linien der Appenzeller Bahnen zusammengeführt werden und – dank Ruckhalde-Tunnel – öfter verkehren. (Bild: Urs Bucher)

Ihr Entscheid werde politische Signalwirkung haben, sagte Baudirektorin Elisabeth Beéry gestern zu den Stadtparlamentarierinnen und -parlamentariern. Als erstes von vier Parlamenten, die in den kommenden Wochen über Beiträge an die 90 Millionen Franken teure Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen befinden (siehe Kasten), hat die Stadt St. Gallen grünes Licht gegeben. Sie verpflichtet sich, 2,4 Millionen Franken an die Durchmesserlinie beizusteuern. Das Projekt beinhaltet auf Stadtboden unter anderem einen 50 Millionen Franken teuren Tunnel ins Riethüsli.

Einzig die SVP ist dagegen

Angesichts des relativ bescheidenen städtischen Beitrages fiel das Ja zur Vorlage nach kurzen, teilweise jedoch auch mit Kritik verbundenen Statements der Fraktionen deutlich aus. Einzig die SVP-Fraktion äusserte sich klar dagegen.

«Es ist nicht alles Gold, was glänzt», gab Heini Seger im Namen der SVP zu bedenken. Zwar wirkten drei sanierte Bahnübergänge, die Gewinnung von Bauland auf der Ruckhalde durch den Wegfall der Zahnradstrecke der Appenzeller Bahnen sowie etwas mehr Platz am Bahnhof «sehr verlockend». Doch dürfe man sich deswegen nicht über die Tatsache hinwegtäuschen lassen, dass gesamthaft 90 Millionen Franken für ein Projekt aufgeworfen würden, dessen langfristige Rentabilität fraglich sei.

FDP hegt Zweifel an Rentabilität

Ähnlich tönte es von der FDP, die sich angesichts der Vorteile für die Stadt zwar für den Beitrag aussprach, jedoch ebenfalls Zweifel hegt, ob der Umsteigeeffekt auf die Appenzeller Bahnen bei höheren Frequenzen tatsächlich so hoch ausfallen wird, wie es sich die optimistischen Planer des Projekts erhoffen. «Man kann sich mit gutem Recht fragen, ob diese ausserordentlich hohen Gesamtinvestitionen es rechtfertigen, verhältnismässig wenige Personen zu transportieren», sagte Fraktionspräsident Roger Dornier.

SP enttäuscht über Gestaltung

Eindeutiger fielen die Wortmeldungen bei den Linken aus. Mit Blick auf die massive finanzielle Unterstützung des Bundes und dreier Kantone an ein Projekt, das in Sachen Pendlerbeziehungen für die Städter so viele Vorteile bringe, sei das schon fast ein Schnäppchen für die Stadt, sagte Susanne Schmid für die SP/PFG/Juso-Fraktion. Allerdings zeigte sich die SP enttäuscht über die mutlose Gestaltung, welche die Stadt auf den freiwerdenden Bahnflächen im Riethüsli vorsieht. «Hier hätte die Möglichkeit bestanden, eine Strassenraumgestaltung à la Zürcher Strasse erfolgreich durchzuführen.»

Mobilitätsbedürfnis steigend

Auch die Grünen/Junge Grüne/GLP-Fraktion stimmte einstimmig für den Beitrag an die Durchmesserlinie. Dem steigenden Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung werde mit dem angestrebten Viertelstundentakt Rechnung getragen. seite 33

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