Schönheit im und auf dem Wasser

Der Verein Kulturfrühling lässt die Bevölkerung Ostschweizer Künstlern begegnen. Er wählt dazu aussergewöhnliche Orte: Den Einstieg in den See am Schlipf etwa oder den einstigen Lagerraum im nördlichen Teil des Kornhauses.

Peter Beerli
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Einer Meerjungfrau gleich gleitet Andrea Vogel mit ihrem Kunstwerk aus Kleid und Konfitürengläsern in den See. (Bild: Urs Bosshard)

Einer Meerjungfrau gleich gleitet Andrea Vogel mit ihrem Kunstwerk aus Kleid und Konfitürengläsern in den See. (Bild: Urs Bosshard)

Rorschach. Es ist keine absolute Forderung an Erzeugnisse von Kunst, schön zu sein. Das, was Stefan Roth und Andrea Vogel am Wochenende am Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender im und vor dem Rorschacher Kornhaus auf ganz unterschiedliche Weise zeigten, erfüllte aber auch diese Erwartung vieler.

Stefan Rohners Videoarbeit über die phantastische Welt am und im Bodensee lud im nördlichen Teil des Kornhauses zu meditativem Schauen ein. Der Ruf zum Verweilen wurde durch mystische Sirenenklänge von Karin Streule vertieft.

Der jungen Innerrhoder Schöpferin dieser Musik begegnet man am Jodelscat vom kommenden Samstag.

Staunen und Erschrecken

Das blau-grau-grüne Wasser erweckt Staunen und Erschrecken zugleich. Gelegentlich glaubt man, ein frisches Sprudeln, einen gegen den Strom schwimmenden gesunden Fisch zu erkennen. Zu oft stellt man dann aber im lebensnotwendigen Nass Materialien fest, welche nicht hineingehören: Papier, Plastik, Pneus und noch Schlimmeres.

Beim genauen Betrachten erkennt man auf dem Wasser eine aus transparentem PET-Material zusammengeklebte Struktur. Sie ähnelt einem mächtigen Eisberg. Der Künstler hat sie aus Verbrauchsmaterial zusammengesetzt, welches er während Jahren gesammelt hat. Das Werk des in St. Gallen und Herisau als freischaffender Fotograf und Künstler tätigen Stefan Rohner wurde schon mehrmals ausgezeichnet.

Einer Meerjungfrau gleich

Andrea Vogel begegnete den Kunstfreunden, unter welchen man drei Rorschacher Stadträte und zahlreiche Künstler aus dem Raum St. Gallen – Appenzell, aber kaum einheimische Kunstschaffende feststellte, vor dem Kornhaus. Sie bestückte in einer spannenden Show ihr pinkfarbenes Kleid mit Dutzenden von Konfitürengläsern. So wanderte sie vom Kornhaus hinunter zum Schlipf, um dort einer Meerjungfrau gleich ins Wasser zu steigen. Sie schwamm einige Meter, entledigte sich dann ihres Kleides.

Auf dem Wasser zurück blieb ein wundersames Gebilde, während die Künstlerin in Richtung Seebadi entschwand. Diese Performance von Andrea Vogel, die gerne Kleider, Accessoires und Wasser als Werkmittel verwendet, weckte auf dem Spaziergang der Kunstfreunde die Aufmerksamkeit jenes Publikums, das zufällig unterwegs war und dem Vorgang im Wasser sehr interessiert folgte. Das war ein gutes Beispiel dafür, wie man auch Aussenstehende für Kunst zu begeistern vermag.

Begegnungen gehen weiter

Die Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender gehen weiter: Auf kommenden Samstag ist die Bevölkerung zum Künstlerapéro mit Jodelscat, Karin Streule und Enrico Lenzin eingeladen.