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Schnitzelbänkler begeistern Gossau

Schenkelklopfen Fünf Schnitzelbankformationen machten die bierselige Fasnachtsstimmung im Gossauer «Freihof» perfekt. Wie erwartet, zogen sie alles durch den Kakao, was im letzten Jahr Schlagzeile gemacht hatte: den FC St. Gallen, Trump, Hefenhofen, #MeToo, No Billag und natürlich die Gossauer Stadtpolitik.

Die Zwei Räppler (Adrian und Cornel Fürer), welche mit dem Drachenpreis geehrt wurden, zogen den Gossauerinnen und Gossauern den Speck einiger Wahlkampfpossen nochmals durch den Mund: Sie kochten die Geschichte, ob das Gossauer Stadtwappen nun auf einem Wahlplakat erscheinen dürfe, nochmals hoch und schlossen eine Strophe ihres «Gossauer Fasnachtsraps» mit der Feststellung, dass es schon einfacher gewesen sei, einen Stadtpräsidenten zu wählen als dieses Jahr in Gossau. Auch der scheidende Stapi Alex Brühwiler – der «heilige St. Teflon» – kriegte sein Fett weg: Brühwiler habe den Papst gefragt, ob er ihn heilig sprechen könne. Der Papst: «Das geht erst, wenn du tot bist.» Darauf der Stapi: «Wenn ich scheintot wäre, könntest du mich scheinheilig sprechen?»

Ähnlich bissig, wenn auch etwas leiser, nahm die zweite Gossauer Schnitzelbankgruppe die Könige der Lokalpolitik aufs Korn. Die Drey Richter sahen kaum zwischen den Haaren ihrer Allongeperücken hervor, als sie, begleitet von leisem Gitarrenzupfen, in reinstem Baslerdialekt über die Abgänge von Stefan Lehnherr und Ivan Furlan witzelten, sich über das Meer an Leserbriefen und Sprüchen im Wahlkampf mokierten und in einer fünfminütigen Strophe den Leidensweg eines Gossauers schilderten, der sich auf der St. Galler Strasse durch den Feierabendverkehr müht.

Reptilien, Ritter, Radau

Mit verblüffender Dossierfestigkeit nahmen sich auch die Schnitzelbänkler aus Flawil, St. Gallen und Rorschach des Gossauer Geschehens an: Die Frauenmehrheit im Stadtrat, welche die Zwei Räppler zuvor «politisch korrekt» als «Mehrheit mit Menstruationshintergrund» beschrieben hatten, sei längst überfällig gewesen, sangen die Alliglattohren aus Flawil. Schliesslich widerspiegle sie die Machtverhältnisse in Gossauer Haushalten. Die Alliglattohren, die in ihren Krokodilkostümen und schachbrettartig gemusterten Pluderhosen aussahen wie eine Kreuzung aus Reptil und Globi, überzeugten mit fein geschliffenen Pointen, nervigem Getröte und einer gesunden Prise schwarzen Humors: «Stelled eu mol vor, de Polo hets is Altersheim gschafft», sang das Flawiler Duo, und trampelte dabei, dass die Pluderhosen schlotterten.

Die Gruppe Sittestecher schwang statt der feinen Klinge den Zweihänder, den die Rorschacher – verkleidet als Mönche, Burgfräulein und Ritter – auch tatsächlich auf die Bühne brachten. «Unternehmer haben Angst vor Trojaner. Alex Brühwiler – vor dem Zahner», rezitierte ein Ritter mit Kettenkapuze. «So en Scheiss», lautete der Refrain eines Lieds, das aktuelle Trends wie Veganismus und #MeToo auf die Schippe nahm.

Manchen Schmunzler ernteten die Sittestecher», als sie einen Evergreen aus den 1960er-Jahren auf die Gossauer Stadtratswahlen ummünzten: «Lehmann, lass das Träumen», sang der Rorschacher Ritterchor.

Auch der St. Galler Schnitzelbänkler Gallo Misto riss Sprüche zur Gossauer Politik. Man müsse hier doch tatsächlich die Kläranlage sanieren, weil sie vom Lehm der Schlammschlachten im Wahlkampf verstopft sei, lautete einer davon.

Zwischen den Auftritten der Verseschmiede liess es die Guggenmusik Gassenchlöpfer im Gossauer Freihof krachen. So dass die Drachenfigur, die im Zentrum des Saals über der Menge thronte, im Takt der Paukenbässe erzitterte.

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

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