Schnipo zum Geburtstag

Das Projekt «PEP – Gemeinsam Essen» setzt sich für gesunde Ernährung in Kinderkrippen ein. Werden Fertigmahlzeiten und fettige Speisen auch in heimischen Krippen aufgetischt?

Angelina Donati
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In den Kinderkrippen der Region wird gesund und ausgewogen gekocht. An ihrem Geburtstag aber dürfen die Kinder das Menu selber wählen. (Bild: Urs Jaudas)

In den Kinderkrippen der Region wird gesund und ausgewogen gekocht. An ihrem Geburtstag aber dürfen die Kinder das Menu selber wählen. (Bild: Urs Jaudas)

Welches Kind würde Schnipo mit Ketchup und zum Dessert einen Berliner ablehnen? «Kinder entscheiden nun mal nach Geschmack oder Farbe der Speisen», sagt Manuela Schwager, Leiterin des Tageshorts Gossau. Ob eine Frucht zum Zvieri gesünder ist als ein süsses Gebäck, interessiert die Kinder nicht gross. Umso geforderter sind die Eltern oder die Betreuungspersonen, die sich der Kinder am Mittag annehmen.

Auf gesunde Ernährung setzen

Die Fachstelle Prävention Essstörungen Praxisnah (PEP) in Bern geht derzeit mit ihrem Projekt «PEP – Gemeinsam Essen» die Kinderkrippen an. Mit dem Ziel, Essstörungen bei Kindern zu verhindern. Dabei sollen die Erzieherinnen und Erzieher lernen, dass die Stimmung am Tisch mindestens genauso wichtig sei wie eine ausgewogene Ernährung. Fertigmahlzeiten, die oftmals in Krippen oder Horte den Kindern aufgetischt werden, seien ungesund und würden zu Essstörungen und Übergewicht führen.

Fertigrösti gibt's höchst selten

Bei Kitas in der Region werden nicht einfach Fertigprodukte aufgetischt, wie eine Nachfrage zeigt. Ganz im Gegenteil: Die befragten Krippen setzen auf gesunde und saisonale Produkte. Natürlich gebe es auch mal Erbsen aus der Dose, «Nutella-Brötli» oder Fertigrösti – jedoch nur ganz selten. «Einige Kinder essen wöchentlich drei- bis fünfmal bei uns», sagt Manuela Schwager vom Tageshort Gossau. Der Hort lege grossen Wert auf eine ausgewogene Ernährung. Täglich bekocht eine Köchin bis zu 30 Kinder und etwa zehn Betreuungspersonen.

Kitas lassen sich zertifizieren

Gesünder aber geht es noch immer. Nebst dem Projekt «Purzelbaum», welches sich für Bewegung und gesunde Ernährung einsetzt, will sich der Gossauer Hort nun auch bei «schnitz und drunter» anmelden. Das kantonale Projekt setzt sich für gesundes Essen an den Mittagstischen ein. Einerseits wirke sich dies positiv auf die Art und Zubereitung der Speisen aus, sagt Schwager. Andererseits werde der Hort dadurch zertifiziert. Ein wichtiger Wert, schliesslich würden sich auch Eltern immer mehr informieren, was die Kinder in Krippen am Mittag essen.

Bei «schnitz und drunter» macht das Chinderhuus Cavallino in Wittenbach seit mehr als einem Jahr mit. Hier werden täglich bis zu 100 Kinder und Betreuungspersonen verköstigt. Auch Krippenleiterin Rita Lenggenhager ist der Meinung, dass Bewegung und Gesundheit von zentraler Bedeutung sind. Daher beteilige sich die Kita seit längerem auch beim Projekt «Purzelbaum».

Eine Frage des Masses

Wie sieht denn die gesunde Ernährung in Krippen während der Schlemmerwochen in diesem Monat aus? Im Advent dürfe nun mal ab und an genascht werden, sind sich der Tageshort Gossau, das Chinderhuus Cavallino sowie Bimboli aus Abtwil und Engelburg einig. «Aber alles in Massen.» Das Samichlaussäckli, gefüllt mit Erdnüssen, Mandarinen, Bonbons, Schokolade gehöre nun mal zur Tradition und würde Kinderaugen zum Leuchten bringen. Auch an Geburtstagen wird auf die Kinder besonders eingegangen. An ihrem Ehrentag nämlich dürfen die Kinder das Mittagessen wählen. Natürlich stehen dann Pommes mit Schnitzel oder Chicken-Nuggets hoch im Kurs.

«Täglich Süsses zu essen wäre aber auch, obwohl es Advent ist, zu viel», sagt Manuela Schwager vom Tageshort Gossau. Und doch dürfe in dieser Zeit auch einmal ein Sprudel-Kinderwein getrunken werden. Mit kleinen Tricks weiss das Cavallino-Team aus Wittenbach, wie die Speisen etwas weniger ungesund werden. «Für einen Teig etwa mischen wir das Weissmehl mit Vollkornmehl», sagt Rita Lenggenhager. Dies als nur eine von zahlreichen Vorschlägen, die «schnitz und drunter» macht.