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Schnelllebiges verlangsamt

In der Ausstellung «Spektrale», vorgestern im Architekturforum Ostschweiz eröffnet, wandelt die St. Galler Künstlerin Beatrice Dörig flüchtige Zeitungsbilder in leuchtende Farbfelder um. Hinterfragt wird dabei der Wahrnehmungsprozess.
Martin Preisser
Mit ihren neuen Arbeiten in der Ausstellung «Spektrale» geht die St. Galler Künstlerin Beatrice Dörig einen «kräftigen» Schritt weiter. (Bild: Martin Preisser)

Mit ihren neuen Arbeiten in der Ausstellung «Spektrale» geht die St. Galler Künstlerin Beatrice Dörig einen «kräftigen» Schritt weiter. (Bild: Martin Preisser)

Beatrice Dörig gehört zu den glücklichen St. Galler Kunstschaffenden, die innerhalb von drei Jahren, nämlich 2011 und 2014, gleich zwei Werkbeiträge der Stadt zuerkannt bekamen. Jetzt zeigt sie das Ergebnis ihres Projekts «Spektrale» im Architekturforum. Und sie hat in der neuen Ausstellung (seit ihrer letzten 2012 in der Galerie im Hauptbahnhof) mit ihrer Kunst einen kräftigen Schritt nach vorne gemacht. Sie treibt ihren fotorealistischen Ansatz deutlich weiter voran und führt diesen in neue, spannende Bildideen über.

Katastrophenbilder

Vier Zeitungsbilder bedrohlicher Situationen, beispielsweise ein Taifun in Fukushima oder eine brennende Ölplattform, wandelt Beatrice Dörig in kleine, fast niedlich harmlos wirkende Farbstiftzeichnungen um. Ein schnelllebiges News-Bild erhält damit eine erste persönliche Aufladung und wird dem schnellen Datenfluss entrissen.

Von da geht es an den Computer, wo die Künstlerin ihre vier gezeichneten Katastrophenbilder übereinanderlegt und vier Variationen von Überlagerungen und Überblendungen herstellt, die wiederum eine neue Aussage darstellen und in einen neuen, so schönen wie auch verwirrenden Kontext gestellt werden.

Spätestens hier wird ein Grundthema der Ausstellung «Spektrale» spürbar: Bilder als Ergebnisse von Wahrnehmungsprozessen, von Prozessen der individuellen Filterung von Wahrnehmung, Bilder als Einladung über Wahrnehmung nachzudenken. Eines der am Computer überlagerten Bilder wandelt Beatrice Dörig erneut in ein «eigenes», originäres Ölbild um. Mediales Geschehen wird künstlerisch ein weiteres Mal «verdaut».

Zoomen, fragmentieren

Dieses grosse Ölbild, mit dem Beatrice Dörig erfolgreich erstmals das grosse und fürs Architekturforum günstige Format wählt, ist Ausgangspunkt einer weiteren Bildfindungsreihe. Jetzt zoomt die Künstlerin aus ihrem grossen Ausgangsölbild Ausschnitte heraus, verpixelt also quasi die Grundidee, fragmentiert die Anfangsidee. Diese fünf grossen Ausschnitte sind jetzt praktisch gänzlich der am Anfang der Reihe stehenden Informationen beraubt. Aus flüchtigen Zeitungsbildern sind leuchtkräftige Farbfelder mit so betörender wie auch strahlender Farbkraft entstanden.

Die Künstlerin entreisst einen schnellen Bildeindruck durch mehrfache Transformation quasi dem Vergessen. Sie verdichtet den schnellen Blick aufs Zeitgeschehen, wandelt diesen Blick und macht ihn durch eigene Malerei fest. Die banalen, wenn auch bedrohlichen Ursprungseindrücke emanzipieren sich.

Umwandlungsprozess

Mit den sechs grossen Bildern der Reihe «Spektrale», die ein Ergebnis eines mehrmaligen Umwandlungsprozesses sind und aus einem Changieren zwischen traditionellem Malen und Zeichnen und der Arbeit am Computer geboren wurden, geht Beatrice Dörig für den, der ihre bisherigen Arbeiten kennt, einen deutlichen Schritt weiter zu einer klaren künstlerischen Handschrift. Die «Spektrale»-Ölbilder springen den Betrachter an, sie wirken farblich im besten Sinne «aggressiv», haben Kraft und begeistern auch gerade darum besonders, wenn man weiss, aus welch flüchtigem Bild-Material sie eigentlich geboren und entwickelt wurden.

Ausstellung bis 22. März. Geöffnet Di bis So, 14–17 Uhr, Architekturforum Ostschweiz (Lagerhaus). Die Künstlerin ist am 8. und 22.3. in der Ausstellung anwesend.

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