Schnell weg, hier gibt's nichts zu sehen

St. Gallen ist ja, was den Umgang mit Social Media angeht, eine ziemlich fortschrittliche Stadt. Aus dem Rathaus wird fleissig getwittert, die städtische Kommunikationsabteilung stellt regelmässig Nachrichten auf Facebook, es gibt eine Smartphone-App zu St. Gallen und die Plattform mysg.

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Da stimmt doch was nicht: Der nicht ganz aktuelle Stadtratblog. (Bild: Tobias Hänni)

Da stimmt doch was nicht: Der nicht ganz aktuelle Stadtratblog. (Bild: Tobias Hänni)

St. Gallen ist ja, was den Umgang mit Social Media angeht, eine ziemlich fortschrittliche Stadt. Aus dem Rathaus wird fleissig getwittert, die städtische Kommunikationsabteilung stellt regelmässig Nachrichten auf Facebook, es gibt eine Smartphone-App zu St. Gallen und die Plattform mysg.ch für den unkomplizierten Meinungsaustausch mit der Bevölkerung. Kurzum: Die Stadt nutzt alle möglichen Kommunikationskanäle, um ihre Bürger auch online aktuell, unkompliziert und transparent zu informieren. Kein Wunder, erhält die Stadt für ihre Social-Media-Aktivitäten Lob von Kommunikationsexperten.

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Eine dicke Schelte würde sie allerdings für ihren Stadtratsblog kassieren. Dieser hinkt der Realität – gelinde gesagt – ein bisschen hinterher. Sechs Wochen, nachdem sie Amt und Büroschlüssel an ihre Nachfolger übergeben haben, lächeln einem dort tatsächlich noch die beiden ehemaligen Stadträtinnen Barbara Eberhard und Elisabeth Beéry entgegen. Hat da die Stadt vor lauter Plattformen, die es mit aktuellen Informationen aus der Stadtverwaltung zu füttern gilt, ein bisschen den Überblick verloren? Oder bloggen die ehemaligen Stadträtinnen nun als Freelancer? Zeit hätten sie ja. Beim Stadtrat selber scheint diese, zumindest für den Blog, definitiv zu fehlen.

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So mutet es ebenfalls ein wenig seltsam an, dass auf dem Blog so gar nichts geschieht. Abgesehen von den Kurzbiographien dreier aktueller und zweier ehemaliger Stadträte gibt es auf der Plattform – nichts. Das passt irgendwie nicht ganz zum Slogan, mit dem der Stadtrat den Blog bewirbt: «Persönlich. Vielseitig. Politisch. Informativ. Direkt.» Persönlich ist an den Biographien der Stadträte gerade einmal der Jahrgang, ansonsten wird darin lediglich die jeweilige Direktion beschrieben. Vielseitig ist höchstens die Anzahl an Links, die auf Facebook, Twitter und Co. weiterleitet. Politik und Information sucht man auf dem Blog ebenfalls vergeblich. Und direkt ist höchstens die Reaktion des Besuchers: Schnell weg, hier gibt es nichts zu sehen. Tobias Hänni