«Schnäppchen» für 20 Millionen

ST.GALLEN. Knapp 20 Millionen Franken soll die Stadt an das neue Naturmuseum bezahlen: Gemäss Stadtpräsident finanziell gesehen «eine einmalige Chance». Im April wird das Parlament über das Projekt befinden, das Volk wohl im November.

Ralf Streule
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Museumsdirektor Toni Bürgin (links), Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Stadträtin Elisabeth Beéry bestaunen das Nilkrokodil-Präparat aus dem Jahre 1623. Das wertvolle Stück soll den geplanten Museumsumzug in den Osten ebenfalls mitmachen. (Bild: Urs Bucher)

Museumsdirektor Toni Bürgin (links), Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Stadträtin Elisabeth Beéry bestaunen das Nilkrokodil-Präparat aus dem Jahre 1623. Das wertvolle Stück soll den geplanten Museumsumzug in den Osten ebenfalls mitmachen. (Bild: Urs Bucher)

Vergangene Woche informierte Stadträtin Elisabeth Beéry die Medien über ihren Rücktritt per Ende Jahr. Und gestern über ein Projekt, das sie bis dahin nur allzu gerne noch selber ins trockene bringen würde: den Neubau für das Naturmuseum im Osten der Stadt. Zusammen mit Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Museumsdirektor Toni Bürgin präsentierte Beéry die druckfrische Vorlage, über die das Stadtparlament voraussichtlich schon am 3. April, das Volk wohl im November dieses Jahres abstimmen wird.

Doppelte Ausstellungsfläche

Das neue Museum ist Voraussetzung für das angestrebte Museumskonzept «3 Museen – 3 Häuser». Demnach soll das Naturmuseum, das im Kunklerbau am Rande des Stadtparks aus allen Nähten platzt, umziehen und so mehr Platz schaffen für das Kunstmuseum, das ebenfalls im Kunklergebäude untergebracht ist.

Das Projekt «Romina» der Zürcher Architekten Meier, Hug und Semadeni soll – samt Ausstattung und Bauland – 39,8 Millionen Franken kosten. Das vierstöckige Gebäude soll auf der Wiese bei der Kirche St. Maria Neudorf zwischen Rorschacher Strasse und Botanischem Garten zu stehen kommen und in etwa die doppelte Ausstellungsfläche des heutigen Naturmuseums bieten.

Stiftung bezahlt 13 Millionen

Die 19,8 Millionen Franken, welche die Stadt an das Projekt bezahlen soll, seien eine wichtige Investition in die «nationale und internationale Ausstrahlung der Stadt», sagte Scheitlin gestern. Von den vorgesehenen Gesamtkosten wird die Stiftung von Walter und Verena Spühl 13 Millionen Franken übernehmen, sofern das Projekt zustande kommt. Zudem dürfte sich der Kanton St. Gallen mit sieben Millionen Franken beteiligen. Der Beschluss des Stadtparlaments steht unter dem Vorbehalt, dass der Kantonsrat in der Junisession diesen Betrag auch wirklich spricht.

Die Höhe des finanziellen Engagements der Stadt müsse man im grösseren Zusammenhang sehen, sagte Scheitlin: Von den 76,3 Millionen Franken, die für die Umsetzung des gesamten Museumskonzepts budgetiert sind, würden 33 Millionen Franken durch Dritte und den Kanton finanziert. «Die Stadt erhält drei Museen für 43,4 Millionen Franken», was eine einmalige Chance sei. «Drei Museen für einen Preis, den normalerweise zwei Museen kosten würden.»

Rund drei Jahre Bauzeit

Kommt die Vorlage bei Parlament und Volk durch, könnte das Museum bereits 2016 stehen, sagt Museumsdirektor Toni Bürgin. Er rechnet mit einer Bauzeit von zweieinhalb bis drei Jahren.

Herzstück des Museums soll ein knapp 50 Quadratmeter grosses Relief der Kantone St. Gallen und beider Appenzell sein. Es werde das grösste Relief der Schweiz, mittels interaktiver Fernrohre lassen sich Details erkennen und Zusatzinfos zum Relief abrufen. Rund um das Modell werden Lebensräume mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt gruppiert.

Geplant sind im Gebäude interaktive Ausstellungsformen zu den Themen Geologie, Bionik, Energie und Ressourcen. Dazu kommen grosse Räume für Sonderausstellungen, die Vogelpflegestation sowie ein grosser Aussenbereich. Somit entstehe im Osten der Stadt, auch in enger Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten, ein «grünes Bildungszentrum», das weit in die Region ausstrahlen werde. Im neuen Museum rechnet Bürgin mit jährlich rund 50 000 Besuchern. Heute seien es rund 30 000.

Das Foyer des neuen Museums, wie es sich die Architekten vorstellen. (Bild: Visualisierung: Stadt St. Gallen)

Das Foyer des neuen Museums, wie es sich die Architekten vorstellen. (Bild: Visualisierung: Stadt St. Gallen)

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