SCHMUTZ: Und wieder schäumt der Bach

Der Dorfbach in Andwil ist schon wieder verschmutzt worden. Am Sonntagmorgen lief Gülle ein. Obwohl die Einsatzkräfte gröbere Schäden verhinderten, gibt der erneute Vorfall zu denken.

Sebastian Schneider
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Schaum und Gestank: Das verschmutzte Wasser des Dorfbachs musste sofort verdünnt werden. (Bild: PD)

Schaum und Gestank: Das verschmutzte Wasser des Dorfbachs musste sofort verdünnt werden. (Bild: PD)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Zuerst Gülle, dann Milch, später Farbe und jetzt wieder Gülle: Der Dorfbach in Andwil ist am Sonntag bereits zum vierten Mal in diesem Jahr verschmutzt worden. Diese Vorfälle sind nicht nur für Pflanzen und Tiere schädlich, auch das Hahnenwasser in den meisten Haushalten in Andwil und Arnegg könnte ungeniessbar werden. Denn das Grundwasser unter dem Bach wird als Trinkwasser gefasst. Und so sind einmal mehr die Pumpen der drei Grundwasserfassungen ausser Betrieb gewesen. Erst als keine Verschmutzung mehr festgestellt worden war, konnte das Grundwasser wieder angezapft werden.

Die Feuerwehr als Retter der Fische

Martin Zeller, Verwaltungsratspräsident der Wasserversorgung Andwil-Arnegg, bezeichnet die Serie als «zufällige Häufung von Vorfällen». Die giftgrüne Färbung des Dorfbachs Ende Mai wurde durch eine Baustelle verursacht, die ausgelaufene Milch lässt sich auf ein Missgeschick eines Milchverkäufers zurückführen, und für die zwei Fälle mit der Gülle muss sich ein Landwirt verantworten, der in der Nähe des Baches seinen Betrieb führt. «Der Landwirt hat am Sonntagmorgen zu spät informiert», beklagt sich Zeller. Er selber sei wenige Minuten nach der Meldung vor Ort gewesen und habe die Polizei alarmiert. Beim Einsatz involviert waren auch die Goss­auer Stadtwerke, die Feuerwehr Gossau und Vertreter des kantonalen Amts für Umwelt sowie das Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Die Behörden müssen gut miteinander zusammengearbeitet haben, wie eine Umfrage bei den Amtsstellen ergibt. Gegenseitiges Schulterklopfen gibt es für die Tatsachen, dass die Wasserversorgung trotz des Vorfalls jederzeit gewährleistet war und dass gemäss der Fischereiaufsicht keine Schäden am Fischbestand festgestellt werden mussten. Hätte die Feuerwehr nicht sofort frisches Trinkwasser in den Bach gespült, hätten verschiedene Bachbewohner aufgrund der Verätzung des Bach­klimas oder aufgrund von Sauerstoffmangel verenden können, wie es beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei heisst.

Für die Fischereiaufsicht und für das Amt für Umwelt ist der Fall abgeschlossen. Auch vom Amt für Verbraucherschutz muss nun niemand mehr antraben. Bis gestern mussten Proben des Wassers genommen werden, um über die Freigabe für den erneuten Wasserbezug zu bestimmen. Dank des Regens konnte laut Zeller gestern Nachmittag grünes Licht gegeben werden. Somit dürfte auch die Arbeit der Kantonspolizei abgeschlossen werden. Sie wird laut Pressesprecher Florian Schneider den Rapport abschliessen und der Staats­anwaltschaft übergeben. Diese prüft, ob und wie der verantwortliche Landwirt sanktioniert wird.

Welche Konsequenzen dem Bauern auch immer blühen, er hat nach dem unglücklichen Vorfall auf seinem Hof nicht ganz richtig reagiert, wie Martin Zeller sagt. Es sei enorm wichtig, dass man Bachverschmutzungen sofort meldet. Bis der Schmutz ins Grundwasser auf circa 20 Meter Tiefe dringt, dauere es nämlich nur zwei bis vier Stunden.

Dank der guten Arbeit der Einsatzkräfte ist Andwil-Arnegg also auch bei diesem Vorfall nochmals glimpflich davongekommen. «Wir haben ja auch Routine», war an verschiedenen Orten zu hören. Dies war allerdings nur im ersten Moment scherzhaft gemeint; solche Ereignisse seien für niemanden lustig. Und für die Verantwortlichen der Wasserversorgung wartet jetzt ziemlich viel Arbeit.

Wasserwarte gehen gründlich über Bücher

Die Häufung der Vorfälle kann man nicht nur dem Zufall zuschreiben. Die Grundwasserfassungen befinden sich in einem ­risikoreichen Gebiet. Nicht nur Bauernhöfe bergen Gefahren, auch die Industrie- und Gewerbebetriebe sowie andere Gebäude entlang der Dorfstrasse sind nicht risikofrei. Man werde die Situation analysieren und Massnahmen prüfen, sagt Zeller. Eine gründliche Auslegeordnung sei ohnehin geplant gewesen.