Schlossherr zieht die Notbremse

RORSCHACHERBERG. Gesellschaften wie Hochzeiten sind beim Schloss Wartensee ausgezeichnet gebucht. Weil aber das Tagesgeschäft mehr schlecht als recht läuft, spannen die Betreiber nun mit dem Gesundheitszentrum Quantisana in Bichwil zusammen.

Rudolf Hirtl
Drucken
Teilen
Gastgeber René Engler ist guten Mutes, dass das Schloss Wartensee weiter zulegen kann. (Archivbild: Ralph Ribi)

Gastgeber René Engler ist guten Mutes, dass das Schloss Wartensee weiter zulegen kann. (Archivbild: Ralph Ribi)

«Ganz in Weiss mit einem Blumenstrauss…» – wer durch die liebliche Anlage des Schlosses Wartensee spaziert, den Duft der Rosen einatmet und den Blick über den Bodensee schweifen lässt, dem kommt unweigerlich der Evergreen von Roy Black in den Sinn. Ein «Märchenschloss», das wie geschaffen dafür scheint, sich das Jawort entgegen zu hauchen. Das Geschäft mit den Hochzeiten läuft denn auch prächtig im Schloss, hoch über dem Bodensee gelegen. Und weil sieben Tage in der Woche geheiratet werden kann, ist auch genügend Kapazität vorhanden, um den schönsten Tag im Leben in einem einmaligen Ambiente erleben zu können.

Quantisana zieht um

Grossartig findet Urs Räbsamen, was das Schloss-Personal Tag für Tag leistet, weniger glücklich ist der Schlossherr, er hat das «Wartensee» im Juli 2012 für acht Millionen Franken gekauft, über das Tagesgeschäft. Im Sommer seien die Umsätze zwar sehr gut, doch leider gingen diese im Winter wieder verloren. «Wir müssen aktiv werden und das Wintergeschäft verbessern, sonst geht das Schloss Wartensee zugrunde», betont er denn und lässt durchblicken, dass das Schloss alleine mit Gesellschaften finanziell nicht über die Runden kommt.

Urs Räbsamen Besitzer Schloss Wartensee (Bild: Ralph Ribi)

Urs Räbsamen Besitzer Schloss Wartensee (Bild: Ralph Ribi)


Um dieses Manko wettzumachen, arbeitet Räbsamen künftig mit dem Gesundheitszentrum Quantisana in Bichwil zusammen. Bereits im September/Oktober sollen Ärzte und Therapeuten das Betriebsgebäude neben dem Schloss als Gesundheitszentrum nutzen. Quantisana-Geschäftsführer Alexander Glogg bestätigt auf Anfrage nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Schloss, sondern verrät auch, dass er das Gesundheitszentrum Bichwil verlässt und den Sitz künftig in Rorschacherberg haben wird. «Als Zentrum für ganzheitliche Therapie und Regeneration haben wir viele Patienten, die stationär zwei bis drei Wochen behandelt werden möchten. Die Farben in den Schlosszimmern und die wunderbare Aussicht auf den See bieten eine wunderbare Symbiose mit unserem Angebot.» Als erster Schritt werde das neue Gesundheitszentrum im Herbst bezogen, danach folge die Praxis für Zahnheilmedizin, die als erste in der Schweiz völlig giftfrei arbeite.

Gourmet-Bereich im Aufwind

Urs Räbsamen betont, dass Quantisana nur im Betriebsgebäude selbst tätig sein wird. Das Schloss werde keinesfalls zum Spital umfunktioniert. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitszentrum Bichwil begrüsst auch Gastgeber René Engler. «Wir können sicher davon ausgehen, dass das Schloss Wartensee vom nun hier entstehenden Gesundheitszentrum profitieren wird.» Bezüglich Tagesgeschäft malt René Engler weitaus weniger schwarz als der Schlossbesitzer. «Das Tagesgeschäft hängt sehr vom Wetter ab. Das war uns von Beginn an bewusst. Es ist aber so, dass insbesondere der Gourmet-Bereich immer besser ins Laufen kommt. Die hohe Qualität, die Küchenchef Sandro Vladani auf den Teller zaubert, hat sich schon weit herumgesprochen.» Neu wird das Geschäftsführer-Duo René Engler/Sandro Vladani durch Reto Hofer und Diana Seifert ergänzt, um Verantwortlichkeit und Arbeitsbelastung bei Vollbetrieb im Schloss auf mehr Schultern verteilen zu können.

Haltlose Spekulationen

Für in der Region aufgetauchte Spekulationen, René Engler wolle das Schloss so rasch wie möglich verlassen, hat der St. Galler Gastrounternehmer nur ein Lächeln übrig. «Wenn ich in St. Gallen bin, fragen die Leute, wieso bist du nicht im <Wartensee>, und umgekehrt. Es ist aber so, dass ich an beiden Standorten gute Leute beschäftige, die das Geschäft im Griff haben. Daher lässt es sich gut managen, dass ich im Winter mehr in St. Gallen und im Sommer mehr in Rorschacherberg vor Ort bin.» Auch dass nach wie vor behauptet werde, er habe das Restaurant Englers am See im ehemaligen Hafenbuffet Rorschach wegen Erfolglosigkeit verlassen, sei Unsinn. Als Hauptgrund für seinen Weggang nennt er seine Aufgabe als Pächter im Schloss Wartensee. Er räumt aber ein, dass die fehlende Gartenwirtschaft am See auch eine Rolle gespielt habe. Allerdings: «Hätte ich das Schloss Wartensee nicht übernommen, wäre ich heute noch im <Englers>.»