«Schlimm ist, wenn keiner lacht»

Ladina Bösch lebt in Luzern, stammt aus Grub und tritt am Donnerstag im Finale der U20-Schweizer-Meisterschaft im Poetry Slam für den Thurgau an. Die 18-Jährige über peinliche Tagebucheinträge, komische Dialekte und blödes Publikum.

Kathrin Reimann
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Steht seit über zwei Jahren auf den Slam-Bühnen der deutschsprachigen Welt: Ladina Bösch aus Grub. (Bild: pd/Pierre Lippuner)

Steht seit über zwei Jahren auf den Slam-Bühnen der deutschsprachigen Welt: Ladina Bösch aus Grub. (Bild: pd/Pierre Lippuner)

Frau Bösch, kaum volljährig, treten Sie schon seit drei Jahren als Poetry Slammerin auf. Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen?

Ladina Bösch: Ich habe schon immer Tagebuch geführt, Kurzgeschichten verfasst und Theater gespielt. Als ich dann Poetry Slam entdeckte, war ich sofort angetan: Man ist viel freier als im Theater, ist sein eigener Regisseur, selber Text-Buch-Autor.

Inwiefern lassen Sie sich von Ihrem eigenen Tagebuch inspirieren?

Bösch: Sehr. Ich lese immer wieder gerne, welch dumme Sachen mich mit 13 Jahren beschäftigt hatten. Es fühlt sich an, als hätte das eine ganz andere Person geschrieben. Immer wenn ich in meinen Tagebüchern lese, bin ich motiviert, einen Text zu schreiben.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Slam erinnern?

Bösch: Ja, ich bin im Flon in St. Gallen aufgetreten und war äusserst nervös. Ausserdem habe ich einen extrem kitschigen Text vorgetragen über ein Thema, an das ich mich heute kaum mehr wagen würde.

Um was ging es?

Bösch: Ich habe mich selber mit Farben verglichen und eine Art Liebesgedicht an mich selbst verfasst – schrecklich!

Was empfinden Sie sonst noch als schrecklich, wenn Sie auf der Poetry-Slam-Bühne stehen?

Bösch: Schlimm ist, wenn man einen lustigen Text vorträgt und dabei keiner lacht. Oder einmal – auch in St. Gallen – slammte ich auf einer Bühne mitten in der Stadt und das Publikum bestand aus Passanten – das hat überhaupt nicht funktioniert.

Humor oder ernste Themen. Auf was setzen Sie am Donnerstag?

Bösch: Das kann ich noch nicht sagen. Ich habe jeweils mehrere Texte bei mir und entscheide dann je nach meiner Verfassung und nach Zusammensetzung des Publikums.

Spielt das Publikum eine grosse Rolle für Sie als Poetry Slammerin?

Bösch: Ja sehr, vor einem älteren Publikum kann ich eher ernste Themen ansprechen als vor einer Schulklasse. Und ich habe auch schon extra die kürzesten Texte gebracht, weil ich das Publikum einfach als blöd empfand – das war übrigens auch in St. Gallen.

Treten Sie deshalb als St. Gallerin für den Kanton Thurgau an?

Bösch: Nein, das liegt daran, dass ich mich im Kanton Thurgau für das Finale qualifiziert habe. Der Kanton Thurgau wäre zwar bestimmt nicht meine erste Wahl gewesen, aber ich solidarisiere mich nun halt mit ihm. Zudem sind meine Texte auf Hochdeutsch, schliesslich will ich niemanden mit meinem Dialekt verscheuchen.

Haben Sie weitere Strategien, um das U20-Finale zu gewinnen?

Bösch: Eigentlich ist es mir egal, ob ich gewinne oder nicht. Mir geht es mehr um den Slam und die Texte. Wir Poetry Slammer sind eine eingeschworene Gemeinschaft, wenn man nämlich so etwas Komisches macht wie Poetry Slam, kennt man sich untereinander und freut sich auf die Beiträge der Kollegen.