SCHLIESSUNG: Schulschluss am Höhenweg

Die International School St. Gallen (ISSG) schliesst im Sommer acht Jahre nach der Gründung. Die Schülerzahlen waren zu tief, um den Betrieb fortzuführen. Dies auch, weil in der Stadt zu wenig Expats leben.

Luca Ghiselli
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Die International School auf dem Rosenberg schliesst nach Ende dieses Schuljahrs. (Bild: Urs Bucher)

Die International School auf dem Rosenberg schliesst nach Ende dieses Schuljahrs. (Bild: Urs Bucher)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Ende Juli ist Schluss: Die International School St. Gallen (ISSG) stellt ihren Betrieb am Höhen­- weg 1 nach dem laufenden Schuljahr ein. Ab dann werden dort keine Unter- und Mittelstufenschüler mehr in englischer Sprache unterrichtet. Die 2009 gegründete Privatschule stand von Anfang an finanziell auf wackligen Beinen. So gab es unter anderem Differenzen unter den Aktionären: Die SBW-Haus-des-Lernens-Gruppe hatte die Schule aufgebaut, bevor sie 2014 60 Prozent der Anteile an die Basler Bildungsgruppe verkaufte, ohne die Schulstiftung als Minderheitsaktionärin darüber zu informieren. Dieser Anteil wurde daraufhin von der International School Rheintal (ISR) übernommen, die vor zwei Jahren mit der englischsprachigen Schule einen Neustart wagte. Auch dieser ist nun aber gescheitert. «Wir haben nicht nur die Schule, sondern auch ihre Geschichte geerbt», sagt Heiner Graf, Verwaltungsrat der ISR Infrastruktur AG.

Zu wenig Industrie für genügend Expats

Damit die Schule selbsttragend geworden wäre, hätte sie 40 Schülerinnen und Schüler pro Jahr benötigt. Das war seit ihrer Gründung aber nur einmal, im Schuljahr 2015/2016, der Fall. Aktuell besuchen 32 Schülerinnen und Schüler die ISSG. Für sie wird, wie für die zehn Angestellten der Schule, nun nach einer Nachfolgelösung gesucht. Für Heiner Graf ist das Ende der Schule enttäuschend. «Wir mussten feststellen, dass das Potenzial in der Stadt St. Gallen nicht vorhanden war.»

Das selbe Modell funktioniere an anderen Standorten, zum Beispiel in Buchs, sehr gut. Dort habe die Schule mit dem Baugerätehersteller Hilti einen starken Partner, der zahlreiche auslän­dische Fachkräfte beschäftige. Rund 50 Kinder aus dem Hilti-Umfeld würden dort die International School besuchen. «In der Stadt fehlt aber die nötige Anzahl Expats», sagt Graf. Generell sei zu beobachten, dass Ansiedlungen von ausländischen Fachkräften in den letzten Jahren rückläufig seien. «Die internationalen Schulen wachsen nicht mehr gleich schnell wie noch vor einigen Jahren», sagt Graf. Zusammenfassend seien er und alle Beteiligten aber dankbar, die Gelegenheit für den Aufbau der Schule erhalten zu haben. «Es hat nicht sollen sein», sagt Graf.

Die Stadt hatte die ISSG bei deren Gründung mit einer Anschubfinanzierung in der Höhe von 150 000 Franken unterstützt. Stadtpräsident Thomas Scheitlin stimmt Grafs Einschätzung in Teilen zu. «Es stimmt, dass der Arbeitsmarkt in der Stadt stärker auf den Dienstleistungssektor ausgerichtet ist als zum Beispiel im Rheintal.»

Das bedeute, dass weniger ausländische Arbeitskräfte für eine kurze Zeit in die Stadt kommen und dann wieder wegziehen. Scheitlin gibt aber zu bedenken, dass es in der Stadt auch mehr Alternativen mit ähnlichen Angeboten gibt. Von der Neuen Stadtschule bis zur SBW-Primaria seien in den letzten Jahren eine Reihe von Angeboten entstanden, die jener der ISSG ähnlich seien. «Nun musste man aber feststellen, dass die Nachfrage nicht gross genug war.» Das sei zwar schade, lasse sich aber auch mit den ausgebauten Angeboten in den öffentlichen Schulen auffangen.

Kinder könnten zurück in die Volksschule

Welche Anschlusslösungen für die Schulkinder getroffen werden, kann Graf noch nicht genau sagen. «Es kann sein, dass sie zurück in die Volksschule gehen oder aber nach Buchs in die ISR», sagt Graf. Auch die Lehrkräfte werden auf der Suche nach einer neuen Stelle unterstützt. «Da es sich bei ihnen aber ausschliesslich um Lehrer mit englischer Muttersprache handelt, sind sie sich gewohnt, im Ausland nach einer neuen Stelle zu suchen.»