SCHLIESSUNG: Bauerei um den St.Galler Bahnhof fordert Opfer

Das Modehaus Hugentobler ist ein alteingesessenes Kleidergeschäft. Nun wird es auf Ende Oktober geschlossen. Ein Grund dafür ist die Grossbaustelle auf dem Bahnhof. Aber es gibt noch mehr.

Marlen Hämmerli
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Das Modehaus Hugentobler an der Schützengasse 10 schliesst. Die Verkäuferinnen werden aber weiterbeschäftigt. (Bild: Ralph Ribi)

Das Modehaus Hugentobler an der Schützengasse 10 schliesst. Die Verkäuferinnen werden aber weiterbeschäftigt. (Bild: Ralph Ribi)

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Die Kleider sind aus dem Schaufenster geräumt. Nur ein paar nackte Schaufensterpuppen stehen noch da. Bis zum 28. Oktober müssen die Lager des Kleidergeschäfts Hugentobler an der Ecke Schützengasse/Poststrasse geräumt sein. Damit schliesst ein in St.Gallen alteingesessenes Kleidergeschäft.

Die Pendler gingen nicht mehr am Geschäft vorbei

Für die Schliessung gibt es gleich mehrere Gründe. Als erstes nennt Inhaberin Catherine Frei aber die Baustellen der vergangenen sechs Jahre. Erst war 2011 die Poststrasse umgestaltet und mit Bäumen und verbreiterten Trottoirs aufgewertet worden. Drei Jahre später räumte die Stadt das Grabenpärkli und richtete dort einen Installationsplatz ein. Danach wurde der Bahnhof zu einer Grossbaustelle. «Früher kamen die Pendler auf dem Weg zum Bahnhof am Geschäft vorbei. Seit aber auf dem Bahnhofsplatz gebaut wird und die Bushaltestellen verschoben wurden, sank die Kundenfrequenz», sagt Frei. Das habe auf den Umsatz gedrückt.

Eine Treppe in den zweiten Stock gibt es nicht

Dazu kommt, dass das Haus saniert werden muss. Vor acht Jahren übernahm die Bonsaver Mode AG, die in Arbon und Wil zwei weitere Filialen führt, das Modehaus Hugentobler. «Seither wurde das Gebäude nicht mehr saniert», sagt Frei. In den zweiten Stock gelange man einzig mit einem kleinen Lift von 1935. «Eine Treppe gibt es nicht.» Eine weitere Baustelle möchte Frei den Verkäuferinnen und Kundinnen nicht zumuten: «Für uns ist es der richtige Zeitpunkt für die Schliessung. Auch weil in der Arboner Filiale sechs Leute pensioniert werden.» Deshalb kommt es auch zu keinen Kündigungen. Die Mitarbeiterinnen aus St. Gallen werden in Arbon und Wil weiterbeschäftigt. Das sei wichtig: «Uns ist die Beratung und die Beziehung zwischen den Verkäuferinnen und den Kundinnen sehr wichtig.»

Bis 2009 hatte Trudi Roth das Geschäft in zweiter Generation geführt. Damals war es «das Kleidergeschäft für Frauen über 60 Jahre», wie Catherine Frei bestätigt. Die Geschichte des Geschäfts reicht aber weiter zurück: 1939 war das Modehaus in Herisau eröffnet worden. 16 Jahre später zog es an den Marktplatz in St. Gallen und im Februar 1963 schliesslich an die Schützengasse. Als Trudi Roth sich nach 31 Jahren aus dem Geschäftsleben zurückzog, vermietete sie den Laden an die Bonsaver Mode AG. Diese führte das Geschäft in den folgenden acht Jahren im ähnlichen Stil weiter. «Wir passten das Sortiment auf über 40-Jährige an. Zudem sind die Preise seit dem Frankenschock gesunken.» Ansonsten habe sich aber nichts geändert.

Die grosse Veränderung kommt nun mit der Schliessung. «In den 25 Jahren in denen ich in der Branche arbeite, hat sich der Markt enorm gewandelt. Es ist nötig, dass man sich anpasst und auf die neuen Kundenbedürfnisse eingeht.»