Schlammschlacht erst vor Wiederwahl

Frühlingsgefühle im Hochsommer Ausgabe vom 25. August 2015 Begleitet und würdevoll sterben Ausgabe vom 31. August 2015

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In der Serie «Sommergespräch», erschienen im St. Galler Tagblatt, war Steinach mit Gemeindepräsident Roland Brändli an der Reihe. Der Artikel beginnt mit der erstaunlichen Feststellung: «Seine Zeit in Steinach begann mit einer regelrechten Schlammschlacht. Nun fühlt sich Roland Brändli im kleinen Dorf am Bodensee willkommen und heimisch.»

Der Rest des Interviews ist zu einem grossen Teil persönlich und spricht die Situation im Dorf aus Sicht des Gemeindepräsidenten an. Doch nun zum Anfang des Artikels:

Als Roland Brändli in der Gemeinde Steinach sein Amt antrat, konnte von einer Schlammschlacht nicht die Rede sein. Er war, weil sein Vorgänger mitten in der Amtsperiode zurücktrat, der einzige Kandidat und wurde oppositionslos gewählt.

Die Schlammschlacht, wenn es denn eine war, fand nach sechs Jahren statt. Da waren nicht alle Steinacherinnen und Steinacher mit einer Wiederwahl einverstanden und stellten einen Gegenkandidaten auf. Wer den «Schlamm» warf, ist Ansichtssache.

Der Journalist, der das Interview führte, bezeichnet Steinach als kleines Dorf. Steinach hat ca. 3500 Einwohner und ist damit etwa gleich gross wie Roggwil oder Mörschwil und etwa dreimal so gross wie Tübach oder Berg SG. Das Fazit: Serien wie «Sommergespräch» sind sicher populär und oft auch informativ. Doch ist auch für solche leichte Kost seriöser Journalismus und sorgfältiges Recherchieren unabdingbar.

Eugen Halter, Kehlhofweg 10,

9323 Steinach

Zynismus statt Hilfe und Anteilnahme

Nur für eine kurze Zeit, genau 39 Tage, war meine Mutter in einem Pflegeheim. Die dort herrschenden Zustände waren mit unseren Vorstellungen von einem würdevollen Umgang mit einem völlig hilflosen Menschen nicht vereinbar. Daraufhin haben mein Vater und ich genau 1450 Tage meine Mutter rund um die Uhr allein zu Hause betreut, bis zu ihrem letzten Atemzug. Sogar in ihrer Todesstunde versuchte sie mit kleinen Gesten, da konnte sie nicht mehr reden, uns zu zeigen, wie dankbar sie war, in ihrer vertrauten Umgebung zu sterben. Ein Wermutstropfen, besser ein -fass, war das «Engagement» der Institutionen der Stadt Rorschach.

Nie ein Telefonat oder ein kurzer Besuch, auch nachträglich kein Wort der Anerkennung. Einzig unsere beiden Ärzte, besonders der Hausarzt, verdienen das Attribut «engagiert». Dann, zwei Tage nach dem Ableben meiner Mutter, meldete sich das Steueramt.

Eine tragisch-komische Anekdote hatten wir mit der katholischen Kirche, die meiner Mutter zum Geburtstag gratulieren wollte, aber dann feststellen musste, das sie schon fast drei Monate nicht mehr unter den Lebenden weilte.

Es gab zwar eine sogenannte Hilflosenentschädigung, doch im Vergleich zu den astronomischen Kosten, die ein Pflegeheimaufenthalt verursacht, nur einen Tropfen auf den heissen Stein. Blanker Zynismus war die Bemerkung eines «Vollblutbeamten»: Angehörigenbetreuung sei ja keine wirkliche Arbeit, sondern eine Art Hobby.

Dazu sage ich lieber nichts mehr. Glücklich, wer würdevoll und respektvoll im Kreise seiner Lieben sterben kann.

Raffaele Ferdinando Schacher, Blumeneggstrasse 52,

9403 Goldach

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