Schlagkräftiges Duo

Sechs Monate lang haben sich Zino Meuli und Valentino Herrera zusammen auf das morgige Profi-Début in der Alten Kreuzbleichehalle vorbereitet. Nun muss Herrera alleine antreten.

Raya Badraun
Merken
Drucken
Teilen
Die beiden Boxer Valentino Herrera (links) und Zino Meuli ergänzen sich im Training perfekt. (Bild: Urs Bucher)

Die beiden Boxer Valentino Herrera (links) und Zino Meuli ergänzen sich im Training perfekt. (Bild: Urs Bucher)

BOXEN. Den letzten Test hätte Zino Meuli beinahe bestanden. Sein Trainer organisierte dafür einen externen Sparring-Partner. Wie im Kampf sollten sie sich über sechs Runden fordern. Von Anfang an hatte Meuli das Geschehen unter Kontrolle und brachte seinen Gegner mit harten Schlägen immer wieder ins taumeln. «Es lief so, wie ich es wollte», erinnert sich der 22-Jährige. «Ich fühlte mich sicher.» Um so grösser war der Schock. In der fünften Runde plazierte der Thurgauer einen Volltreffer. Dabei brachte er nicht nur seinen Gegner ins Taumeln, auch Meuli erschrak. Durch den Schlag war der Mittelhandknochen in seiner rechten Hand doppelt gebrochen, ein Teil des Knochens abgesplittert.

Innerhalb von wenigen Sekunden zerbrach sein grosser Traum, das morgige Profi-Début in der Alten Kreuzbleichehalle. «Es ist das Schlimmste, das mir passieren konnte», sagt Meuli und schüttelt den Kopf. «Ein halbes Jahr habe ich mich vorbereitet – für nichts.» Auch bei seinem Clubkollegen Valentino Herrera sass der Schock tief. «Bisher haben wir alles zusammen gemacht», sagt der 28jährige St. Galler. «Nun trete ich beim Profi-Début alleine an.»

Eine Herausforderung gesucht

Seit zwei Jahren trainieren Herrera und Meuli unter Trainer René Engler zusammen beim Sport Ring St. Gallen. Im vergangenen Jahr entschieden sie sich schliesslich, den Wechsel zu den Profis zu wagen. «National hatte ich schon fast alles erreicht», sagt der dreifache Schweizer Meister Meuli. «Deshalb brauchte ich eine neue Herausforderung.» Zudem liege ihnen der Kampfstil bei den Profis mehr, sagen die beiden Boxer. Man nimmt sich mehr Zeit im Ring, greift nicht sofort an. Denn anders als im Amateurboxen haben sie sechs, statt drei Runden Zeit, um den Ringrichter zu überzeugen. Dafür sind die Schläge härter und präziser. Daneben bestreiten Profis weniger Kämpfe und haben dadurch genug Zeit, sich auf jeden Gegner individuell vorzubereiten.

Um das Profi-Niveau zu erreichen, nahmen sich Meuli und Herrera vor ihrem Début sechs Monate Zeit. Neunmal pro Woche trainierten sie für je zwei Stunden. Daneben arbeitet Meuli 80 Prozent als Polygraph, der Personal Trainer Herrera 70 Prozent als Aussendienstmitarbeiter. An manchen Tagen sind sie von morgens um sechs Uhr bis abends um zehn unterwegs. «Sonst haben wir für nichts mehr Zeit», sagt Meuli. Doch die gemeinsame Arbeit motivierte die Boxer. Im Training stachelten sie sich an, jeder wollte besser sein als der andere.

Zudem ergänzten sie sich perfekt, sagen die beiden. «Zino kann mir immer wieder Inputs geben», so Herrera, der trotz seines Alters weniger Erfahrung aufweist als Meuli. «Das schätze ich.» Auf der anderen Seite profitiert der junge Thurgauer von der strukturierten Art seines Kollegen. Vergisst er etwas, hilft ihm Herrera immer aus. So teilten sie sich auch beim Fotoshooting ein Paar Boxhandschuhe.

Ein unbekannter Gegner

Die letzten Schritte zu seinem Ziel muss Herrera nach der Verletzung Meulis nun jedoch alleine nehmen. Im morgigen Profi-Début in der Alten Kreuzbleichehalle trifft er im Super Bantam (bis 55,338 kg) auf den Bulgaren Nikolai Ivanov. «Ich weiss zu wenig über ihn, um zu wissen, wie stark er ist», sagt Herrera. Zwei Profikämpfe hat er bestritten, beide verloren. «Das heisst aber noch nichts», so der St. Galler. Heute trifft er seinen Gegner beim Wägen das erste Mal, morgen steht er ihm dann im Ring gegenüber. Dann wird wohl auch Meuli im Publikum sitzen. Nur Zuschauer zu sein, wird ihn wohl schmerzen. Fernbleiben kann er jedoch auch nicht. «Es wird mich motivieren», sagt Meuli. «Ich werde stärker zurückkommen und es allen zeigen.»