Schlaganfälle gezielt behandeln

Anfang Januar wurde eine Neurovaskuläre Intensivstation (Nips) im St. Galler Kantonsspital eröffnet. Dort werden Schlaganfallpatienten behandelt und rund um die Uhr beobachtet. Sechs Behandlungsbetten sind geplant.

Katrin Meier
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Die Intensivstation für Schlaganfälle kann Leben retten. Davon überzeugte sich gestern der Verwaltungsrat der Spitalverbunde St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Intensivstation für Schlaganfälle kann Leben retten. Davon überzeugte sich gestern der Verwaltungsrat der Spitalverbunde St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

St. gallen. Schwächen in einer Gesichtshälfte, Armlähmungen und Sprachprobleme? Wer diese Symptome am Gegenüber bemerkt, muss sofort die Notfallnummer 144 wählen – denn das sind typische Anzeichen eines Schlaganfalls.

In der Notaufnahme wird die erste Akutbehandlung durchgeführt, denn das verschlossene Gefäss im Gehirn muss so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Spätestens sechs Stunden nach den ersten Anzeichen muss interveniert werden.

Tiefere Mortalität

Seit dem 3. Januar verfügt das Schlaganfallzentrum des Kantonsspitals St. Gallen über eine eigene Neurovaskuläre Intensivstation (Nips). Dorthin gelangen Schlaganfallpatienten nun nach der Notaufnahme und nicht mehr, wie bisher, auf die allgemeine Medizinische Intensivstation.

Dieses prozessorientierte Arbeiten kann Patienten das Leben retten.

«Studien zeigen, dass durch eine solche Organisationsform die Mortalitätsrate massiv gesenkt werden kann», sagt Bruno Weder, Leiter des Schlaganfallzentrums am Kantonsspital St. Gallen. Weder führte gestern den Verwaltungsrat der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen auf einem Rundgang durch die Nips.

Die Räume der Intensivstation befinden sich auf dem gleichen Stockwerk wie das Schlaganfallzentrum, so sind die Spezialisten im Notfall sofort zur Stelle. «Hier können die Patienten gezielter gepflegt werden und müssen weniger lange im Spital bleiben.

Damit sinken schliesslich auch die Behandlungskosten», sagt Bruno Weder.

Mit vereinten Kräften

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für die neue Intensivstation zentral. Das Fachwissen des «Stroke Teams» im Schlaganfallzentrum wird mit dem Wissen der Spezialisten für Intensivbehandlung kombiniert. So findet auf der Nips auch täglich eine gemeinsame Visite der Neurologen und der Ärzte der Medizinischen Intensivstation statt.

Die Nips ist zwar Bestandteil des Schlaganfallzentrums, versteht sich aber als funktionelle Untereinheit der Medizinischen Intensivstation.

In zwei Behandlungsräumen stehen zurzeit erst zwei vollausgerüstete Patientenplätze bereit. Sechs werden es insgesamt sein. Die drei Pflegenden, die pro Schicht anwesend sind, können momentan noch nicht mehr Patienten betreuen.

«Wir planen ab Mitte Februar ein drittes Bett im zweiten Patientenzimmer, das jetzt noch leer steht», sagt Ursula Betschart, Leiterin der Pflege der Medizinischen Intensivstation, die die Nips geplant und mitaufgebaut hat. Um die geplanten sechs Betten angemessen betreuen zu können, wird noch mehr Pflegepersonal gesucht.

Überwachung rund um die Uhr

Pro Patient stehen auf der Nips 16 Quadratmeter zur Verfügung. «Ein Luxus», sagt Ursula Betschart. Durch zwei Fenster haben die Pflegerinnen und Pfleger die Patienten immer im Blick. «Vorhänge bieten den Patienten eine Art Intimsphäre. Doch für die Kontrolle ist es notwendig, dass wir die Patienten jederzeit sehen können», sagt Ursula Betschart.

«Die meisten Patienten fühlen sich so auch sicherer und wissen, dass sie auf der Nips gut aufgehoben sind.»

Bruno Weder (Bild: Ralph Ribi)

Bruno Weder (Bild: Ralph Ribi)