Schellen-Ursli in Afrika

Die 22jährige Carina Karge aus Abtwil hat im Rahmen ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin ein Praktikum in Ghana absolviert. Dort lebte sie in einer Lehmhütte und erzählte wissensdurstigen Kindern die Geschichte von Schellen-Ursli.

Sebastian Schneider
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Schüler in einer Provinz in Ghana lernten Geschichten von Kindern in der Ostschweiz. (Bild: pd)

Schüler in einer Provinz in Ghana lernten Geschichten von Kindern in der Ostschweiz. (Bild: pd)

Frau Karge, für Sie waren die Hitzetage in diesem Sommer wohl nicht so schlimm.

Carina Karge: Das kann man so sagen. In Ghana, wo ich ein Praktikum absolvierte, war es jeden Tag 40 Grad heiss.

Sie sind in der Ausbildung zur Primarlehrerin an der PHSG. Wie kam es, dass Sie während vier Wochen in Ghana Unterricht gegeben haben?

Karge: Das geschah im Rahmen der Ausbildung. Da ich dereinst Englisch unterrichte, musste ich am Ende des zweiten Studienjahrs Praxiserfahrungen im englischsprachigen Raum sammeln.

Und wie kamen Sie ausgerechnet auf Ghana?

Karge: Es standen verschiedene Länder zur Auswahl. Weil ich schon einige Reiseerfahrung hatte, wollte ich etwas Neues entdecken und erleben.

Etwas Neues, für das es aber auch Überwindung brauchte?

Karge: Ja, ein bisschen Mut war schon nötig. Zumal uns die Schulleitung etwas Angst gemacht hatte.

Angst wovor?

Karge: Zum Beispiel, dass man pro Tag mit einem Kübel Wasser auskommen muss. Oder dass man nur das zu essen bekommt, was die Einheimischen in ihren Lehmhütten essen.

Sie hat das offenbar abgeschreckt.

Karge: Mich nicht, andere schon. Für Ghana gab es sechs Plätze, zuletzt gingen wir nur zu fünft.

Sie haben von Lehmhütten gesprochen. Ihr Dorf muss ziemlich abgelegen gewesen sein.

Karge: Es war etwa eine Busstunde von Bolgatanga entfernt. Eine Stadt, die wiederum 16 Busstunden von der Hauptstadt Accra entfernt liegt.

Waren Sie mit Ihren Mitstudenten dort?

Karge: Ich war mit Philipp Renn, einem der vier Kommilitonen, bei derselben Gastfamilie. Mit ihm habe ich auch unterrichtet.

Was haben Sie unterrichtet?

Karge: Lesen und schreiben. Wir hatten an jeweils zwei Tagen zehn Kinder im Unterricht. Dabei mussten die Schülerinnen und Schüler Geschichten über sich selber schreiben. Wir wiederum haben Geschichten von Schweizer Schülern mitgebracht. Zudem haben wir die Geschichte von Schellen-Ursli erzählt und versucht zu erklären, was Schnee ist.

Wie haben Sie die Kinder erlebt?

Karge: Sehr wissensdurstig, offen, fröhlich und unbeschwert. Sie tanzen und singen fast in jeder freien Minute. Sie helfen ihren Eltern aber auch kochen oder holen Wasser beim Brunnen, der ungefähr 20 Gehminuten von ihrer Siedlung entfernt ist.

Und wie haben Sie einheimische Lehrerinnen und Lehrer erlebt?

Karge: Mir ist vor allem aufgefallen, dass ihre Arbeitsmoral ziemlich schwach ist. Es kam immer wieder vor, das sie während des Unterrichts geschlafen haben. Die Kinder sind dann jeweils nach draussen gegangen und haben gesungen oder haben sich ebenfalls hingelegt.

Und in der Siedlung bei Ihrer Gastfamilie? Wie haben die Einheimischen auf die weissen Gäste reagiert?

Karge: Ganz gut. Sie waren halt neugierig und sind zum Teil hinter uns hergerannt. Besonders die kleineren Kinder, die noch nie weisse Menschen gesehen haben, waren ziemlich geschockt – eines musste sogar weinen, als es uns sah.

Und wie haben die Männer in der Stadt auf die junge, blonde Frau reagiert?

Karge: Das war nicht so problematisch. Ich war ja meistens mit weissen Männern unterwegs. Wir behaupteten auch, das Phillipp Renn und ich ein Ehepaar seien.

Das heisst, Sie konnten sich als junge Frau wohl fühlen in Ghana?

Karge: Ja. Nach dem Praktikum war ich für ein paar Tage alleine unterwegs. An den Bahnhöfen musste ich meinen Rucksack kein einziges Mal selber tragen. Die Männer waren sehr hilfsbereit. Und das, ohne aufdringlich zu sein.

Und was haben Sie während des Aufenthalts am meisten vermisst?

Karge: Bratwurst mit Bürli.

Carina Karge Angehende Primarlehrerin (Bild: pd)

Carina Karge Angehende Primarlehrerin (Bild: pd)