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SCHAUSPIELER GESUCHT: Der lange Weg auf die Bühne

Das Komiktheater der Sonnenhalde Tandem bietet Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz als Schauspieler. Das kleine Ensemble probt für Auftritte, bastelt Requisiten – und nimmt dafür grosse Hürden.
Luca Ghiselli
Das Komiktheater in Aktion: Silas Obertüfer, Markus Heim, Samuel Bickit und Olli Hauenstein (von links). (Bild: Benjamin Manser)

Das Komiktheater in Aktion: Silas Obertüfer, Markus Heim, Samuel Bickit und Olli Hauenstein (von links). (Bild: Benjamin Manser)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

«Spettacolo» steht auf seinem T-Shirt. Markus Heim trägt eine Pizzaiolo-Mütze und übt die Szene, die er gleich anderen Bewohnern des Zentrums Sonnenhalde Tandem vorführen wird. Ein grosser Probebesuch ist angekündigt, und da soll alles sitzen. Im Raum nebenan macht sich Samuel Bickit Notizen. Er sagt, vor Auftritten sei er immer wahnsinnig aufgeregt. So habe er während der Aufführung der Weihnachtsgeschichte vor einigen Wochen Mühe gehabt, nicht zu laut sprechen. Heim und Bickit wurden mit dem Down Syndrom geboren. Das heisst zwar, dass ihre kognitiven Fähigkeiten nicht immer mithalten können. Es heisst aber auch, dass sie emotionaler, intuitiver, unmittelbarer sind: Alles Talente und Eigenschaften, die gute Schauspieler ausmachen.

Der Proberaum an der Rosenheimstrasse beim Olma-Areal ist grosszügig. Es gibt ein Büro, einen Pausenraum, eine Ruhezone. In zahlreichen Arbeitsstunden wurde er von den Verantwortlichen auf Vordermann gebracht, damit das Komiktheater der Sonnenhalde Tandem hier proben und arbeiten kann. Im Oktober ist das Theater unter der Leitung des Komikers und Schauspielers Olli Hauenstein gestartet. Derzeit proben drei Schauspieler mit einer Beeinträchtigung hier. Eigentlich böte das Theater Platz für acht. Um geeignete Darsteller zu finden, veranstalteten Hauenstein und Projektleiterin Gee Hauser im Frühsommer 2017 ein Casting. «Die Suche gestaltete sich aber schwieriger als gedacht», sagt Hauser. Doch bereits hätten wieder einige Interesse bekundet. «Wir sind zuversichtlich, dass das Ensemble bald weiter wächst.»

In der Pizzeria Spettacolo läuft alles schief

Inzwischen sind die rund 30 anderen Bewohner der Institution eingetroffen. Hauenstein stellt das vierköpfige Team vor, und danach die Schauspieler. Neben Markus Heim und Samuel Bickit spielt auch Silas Obertüfer mit. Jeden Tag reist er aus dem thurgauischen Stettfurt nach St. Gallen, um seiner Leidenschaft nachzugehen. «Es ist ein sehr langer Arbeitsweg», sagt er und erntet Applaus. Es folgt eine Auflockerungsübung. «Der Körper ist unser wichtigstes Werkzeug», sagt Olli Hauenstein. Und das will trainiert werden.

Die kleine Szene, welche die drei Schauspieler und zwei Statisten aus dem Publikum danach während rund 20 Minuten vorführen, ist so simpel wie lustig. Die Pizzeria Spettacolo hat die Bestellungen nicht im Griff, die Pizzabäcker lassen den Teig fallen, die Gäste werden ungeduldig und der Kellner stellt sich ungeschickt an. Slapstick – und das spontan. «Wir haben diese Szene nicht gross geprobt», sagt Tim Kalhammer. Er coacht die Schauspieler in ihren Bewegungen, ihrer Stimme, ihrem Auftritt. «Es ist manchmal beeindruckend zu sehen, wie gross ihre Fantasie ist», sagt Kalhammer über seine Schützlinge. Es sei ein schmaler Grat, den man mit dem Komiktheater versuche zu meistern. «Oberste Priorität hat, dass die Protagonisten am Schluss gut dastehen und nicht ins Lächerliche gezogen werden.»

Proben sollen helfen, Hemmungen abzubauen

Die Pizza ist verspeist, die Szene bald vorbei. Olli Hauenstein gibt dazwischen immer wieder Anweisungen, lässt die Szene aber laufen. Zum Teil geht es chaotisch zu und her, die Gefühle schwappen manchmal über. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt – und das innert weniger Minuten. Die emotionale Achterbahnfahrt gehört hier dazu. Die Proben vor Publikum sollen helfen, Hemmungen abzubauen. «Und das braucht viel Zeit», sagt Hauenstein.

Für sein aktuelles Bühnenprogramm «Clown Syndrom», das er gemeinsam mit Eric Gadient gestaltet, der ebenfalls mit Down Syndrom geboren wurde, brauchte der Komiker fast vier Jahre. «Bis wir mit dem Komiktheater ein fertiges Stück auf die Bühne bringen, dauert es also noch.» Das sei jedoch nicht unbedingt das Hauptziel, sind die Verantwortlichen überzeugt. «Hier ist der Weg das Ziel.» Der Probebesuch zeigt: Das Komiktheater ist auf dem richtigen Weg.

Drei sind es derzeit, acht sollen es werden: Das Komiktheater der Sonnenhalde Tandem ist noch auf der Suche nach Schauspielern mit einer Behinderung. Interessierte können sich bei Gee Hauser oder Olli Hauenstein unter 071 544 94 76 oder komiktheater@sonnenhalde-ghg.ch melden. Gesucht werden Personen mit einer Beeinträchtigung und IV-Verfügung, Spielfreude, Talent in Theater, Bewegung, Tanz, Musik sowie psychischer und physischer Belastbarkeit. (ghi)

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