Schatztruhe der St. Galler Reben

Der neue Verein «arca vitis» setzt sich für die Erhaltung alter Rebsorten ein. Er steht hinter dem Sortengarten im st. gallischen Frümsen, der mit 350 Sorten grössten Sammlung alter Rebsorten in der Schweiz.

Markus Löliger
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Frümsen. Die alten Rebsorten bilden eine wertvolle genetische Ressource zur Erhaltung der Biodiversität und sind gleichzeitig Grundlage für künftige Innovationen. Hinter dem Aufbau von «arca vitis» steht der st. gallische Rebbaukommissär Markus Hardegger mit seinem grossen Fachwissen. Der Sortengarten ist denn auch an den Staatswingert oberhalb von Frümsen angegliedert.

Tresor eines Naturerbes

Die Bewahrung und Verbreitung seltener Rebsorten sieht Hardegger als Aufgabe eines «kulturhistorisch bedeutenden Naturerbes». Zu den Zielen von «arca vitis» gehören neben der Bewahrung der alten Sorten auch der Aufbau einer Bibliothek von ampelographischen Büchern und die Förderung von innovativen Produkten aus alten Rebsorten.

Das lateinische Wort «arca» heisst Tresor, «vitis» steht für Rebe. Der Vereinsname «arca vitis» bedeutet also Schatztruhe für alte Rebsorten und umschreibt präzis die Ziele der Organisation.

Fast alle Schweizer Reben

Eine Interessengemeinschaft hat die Sammlung vor 20 Jahren mit 27 alten Sorten begonnen. Heute sind es 350 Rebsorten. Darunter befinden sich 130 der insgesamt 141 alten Schweizer Rebsorten.

Der Sortengarten gliedert sich in fünf Bereiche:

die Erhaltungssammlung mit den alten Rebsorten, die in der Schweiz angebaut worden sind;

die Einführungssammlung mit unbekannten Rebsorten aus der Ostschweiz, deren Herkunft noch erforscht wird;

die Sortengartenschau mit Wildreben, Kuriositäten und Rebsorten aus Europa;

die Muscat-Sammlung mit den interessantesten Muscat-Typen;

die Bio-Rebensammlung mit wenig krankheitsanfälligen Neuzüchtungen, die sich für den Bio-Anbau eignen.

Reiche Flora und Fauna

Dem Sortengarten in Frümsen wird angesichts seiner Aufgabe und Bestimmung als Rebberg besonders viel ökologische Aufwertung zuteil. Das geschehe insbesondere durch stark reduzierte Pflanzenschutzmassnahmen, neu angelegte Trockenbiotope und Wildbienen-»Hotels» sowie Trockenmauern, sagt Markus Hardegger.

Diese Massnahmen haben dazu beigetragen, dass gegen 100 Blütenpflanzenarten im Rebberg wachsen und viele heimische Tierarten hier ihren Lebensraum finden.

«Den Rebberg verstehen wir als Ökosystem, das entsprechend zu bewirtschaften ist», sagt Markus Hardegger: «Die Förderung von blühenden Pflanzen ist zentral, sie bilden die Nahrungsgrundlage für zahlreiche nützliche Insekten. Mit Trockenmauern und Totholzhaufen schaffen wir im Rebberg Wohn- und Rückzugsorte für Insekten und Reptilien, und im Insekten-Hotel finden viele gefährdete Wildbienenarten eine willkommene Brutstätte.» Insekten seien im Rebberg erwünscht.

Mit diesen Massnahmen trage der Rebbauer zu deren Erhalt bei, erklärte Hardegger am Samstag am Rebpatenfest in Frümsen. Dort steht jede alte Rebsorte mit fünf Stöcken im Sortengarten und hat eine Patin oder einen Paten, welche die Bemühungen von «arca vitis» finanziell unterstützen.

Gefragte Biodiversität

Im UNO-Jahr der Biodiversität gab es im Sortengarten besonders viel über die biologische Vielfalt zu sehen und mit allen Sinnen zu erleben.

Es sind vorab drei wichtige Elemente, welche die Biodiversität auszeichnen: Die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt (innerhalb einer Art) und die Mannigfaltigkeit der Lebensräume mit ihren zahlreichen zusammenhängenden, oft komplexen ökologischen Wechselwirkungen.

Die Biodiversität ist die Grundlage allen Lebens. Sie bietet Schutz, Nahrung und Erholung.

Sie ist unsere wichtigste Ressource, denn sie beeinflusst die Fruchtbarkeit der Böden und der Nutzpflanzen ebenso wie das Klima, den Wasserhaushalt und die Wasserqualität.

Es sind aber auch ganz handfeste wirtschaftliche Interessen, welche für die umfassende Erhaltung der Biodiversität sprechen: Die Wirtschaft und der Tourismus beispielsweise sind auf eine intakte und abwechslungsreiche Natur angewiesen.