Schatzsucherin

Eine Medaille für Caroline! «Meine Damen und Herren, herzlich willkommen zurück zur zweiten Halbzeit des Fussballspiels Kasachstan – Liechtenstein an den Special-Olympics-Weltspielen in Athen 2011. Liechtenstein führt mit 5:0, der Anpfiff ist bereits erfolgt.

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Olympische Bronze für Caroline Bernegger, Fussballerin. (Bild: Barbara Camenzind)

Olympische Bronze für Caroline Bernegger, Fussballerin. (Bild: Barbara Camenzind)

Eine Medaille für Caroline!

«Meine Damen und Herren, herzlich willkommen zurück zur zweiten Halbzeit des Fussballspiels Kasachstan – Liechtenstein an den Special-Olympics-Weltspielen in Athen 2011. Liechtenstein führt mit 5:0, der Anpfiff ist bereits erfolgt. Aus der linken Ecke bricht die liechtensteinische Stürmerin Caroline Bernegger durch die kasachischen Verteidigungslinien und: Tor! 6:0 für Liechtenstein…»

Liebe Lesende, diese «TV-Live-Übertragung» ist erfunden und fand so nie statt, das Spiel jedoch hat es tatsächlich gegeben. Es ist mir eine grosse Ehre, Ihnen während der Finaltage der Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen eine in Rorschach lebende, wahrlich olympische Fussballerin vorzustellen.

Nach Athen!

Caroline Bernegger, 21, absolviert im Verein HPV Rorschach eine Ausbildung zur Haushaltspraktikerin. «Ich bin gerne hier in Rorschach, meine Ausbildner im HPV sind sehr nett. Megacool war vor allem, dass ich für die Weltspiele in Athen extra frei bekommen habe», erzählt sie strahlend. Sie ist Mitglied im Verein zugunsten geistig behinderter Menschen (VGB Insieme), der Freizeit- und Sportaktivitäten organisiert. «Es ist super, dass wir jetzt ein neues Clublokal an der Washingtonstrasse haben. Jetzt macht es noch viel mehr Spass, hier seine Freizeit zu verbringen», erzählt die Olympionikin. In der Tat scheint der Spass, mit den «VGB-Kickers» das Runde in das Eckige zu befördern, die junge Frau sehr zu beflügeln. Bereits bei ihrem ersten Auswärtsspiel, notabene in ihrer Heimat Liechtenstein, wurde sie angefragt, ob sie in der nationalen «Fussballfrauschaft» nach Athen reisen möchte. Caroline war freudig überrascht. Spricht man sie auf die am 5. Juli zu Ende gegangenen Special-Olympics-Weltspiele an, dann leuchten ihre Augen. «Die Eröffnungs- und Schlussveranstaltungen waren der Hammer. Wir wurden empfangen wie Stars. Von den Problemen in Griechenland haben wir nichts gemerkt. Wir mussten ja immer tschutten und bekamen nur einen Tag Pause», erzählt sie.

Ballzauberin

Tatsächlich waren die Vorspiele eine Herausforderung für das kleine Team, dann wuchsen die jungen Ballzauberinnen über sich hinaus. «Das Antreten gegen <Riesen> wie Grossbritannien war heavy, gegen San Marino hatten wir einfach Pech. Wir mussten auf Kunstrasen spielen, den wir nicht kannten – das ergibt ein ganz anderes Ballgefühl. Etwas demoralisiert mussten wir uns neu motivieren. Wir haben es geschafft! Gegen Kasachstan spielten wir siegreich 8:1 und dann in den Endspielen noch einmal 6:0. Ich habe auch ein Tor geschossen! So sind wir verdiente Dritte geworden.» Stolz zeigt sie ihre Medaille.

Was fällt auf? Diese Worte könnten von Fussballprofi Barnetta oder vom ehemaligen Nati-Spieler Alex Frei stammen. Was sie und Caroline Bernegger verbindet: Sie sind Sportler. Caroline sagt: «Die Schubladisierung <behindert/nicht behindert> ist doch blöd. Uns verbindet mehr, als uns trennt.» Wie recht sie hat. Fakt ist: Die Ausbildungsstätte HPV gehört zu den grössten KMU in der Stadt und der VGB zu den aktivsten Freizeitvereinen. Freuen wir uns über diese Leistungen. Freuen wir uns mit Caroline!

Mehr Informationen auf dem Schatzsucher-Blog: schatzsucher.rorschach.ch