Scharmützel, Bahnfahrt und Guezli

Die CVP hat das Rennen gemacht. Sie hat gestern als erste St. Galler Regierungspartei zum Wahlkampf geblasen und gleich zu drei Medienkonferenzen mit ihren beiden Regierungskandidaten Beni Würth und Bruno Damann geladen. Ob der Partei ein Start-Ziel-Sieg gelingt, wird sich am 28. Februar weisen.

Regula Weik
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Die CVP hat das Rennen gemacht. Sie hat gestern als erste St. Galler Regierungspartei zum Wahlkampf geblasen und gleich zu drei Medienkonferenzen mit ihren beiden Regierungskandidaten Beni Würth und Bruno Damann geladen. Ob der Partei ein Start-Ziel-Sieg gelingt, wird sich am 28. Februar weisen. Dann stehen die Regierungs- und die Kantonsratswahlen an.

Ein Doppel und ein Duo

Zwei Regierungssitze werden frei. Vier Männer wollen darauf Platz nehmen. Sich parteiintern auf den Schoss zu nehmen, ist ungültig – auch wenn CVP und SVP ihre Kandidaten im Doppel anpreisen. «Würth & Damann. Ein starkes Doppel für die Regierung» verspricht die CVP. «Huser und Kölliker. Zwei sichere Werte für die St. Galler Wirtschaft» wirbt die SVP. Ein Schelm, wer denkt, die beiden Parteien hätten sich gegenseitig ins Wahlkampf-Nähkästchen geschaut. Boshaft gar, wer behauptet, für die schwächelnde CVP sei nur ein Arzt als Kandidat in Frage gekommen.

Die ersten Scharmützel

So nimmt der St. Galler Wahlkampf also Fahrt auf. Vorerst noch geruhsam. Die CVP hat ihre beiden Kandidaten in den Zug gesetzt und um den Kanton geschickt. Ausserhalb des Politikfahrplans. Zwischen den Festtagen ruht gewöhnlich das politische Leben. Die CVP hat Wählerinnen und Wähler eines anderen belehrt. Ob sie sich bei der FDP bedient hat?

Die Freisinnigen waren es, die im Herbst bei den Nominationen für die Regierung vorgeprescht waren. Allen voran ihr Präsident Marc Mächler. Spitze Zungen behaupten, mit der frühen Bekanntgabe seiner Pfalz-gelüste habe er sich – und der Partei – allfällige unliebsame Mitbewerber vom Leib halten wollen.

Bar jeder Überraschung war dagegen die Nomination der SVP. Nachdem sich der Tübacher Gemeindepräsident Michael Götte, einer der beiden meistgenannten Regierungskandidaten, aus dem Rennen genommen hatte, war die Piste frei für Parteipräsident Herbert Huser. Er wurde beim Durchstarten Richtung Pfalz-Olymp bereits ein erstes Mal durchgeschüttelt.

Die SP monierte Sitzungsort (Nobelhotel Einstein) und Sitzungsgelder (überbordender Beizug von Experten) der vorberatenden Baukommission. Auftraggeber für beides: Kommissionspräsident Huser. Zahlen, Kosten, Auslagen – neue Zahlen, neue Kosten, neue Auslagen. Den Durchblick scheint bis heute niemand zu haben. Also doch ein gröberer Skandal und kein Aufschrei? Mangelnden Durchblick sind sich Politikerinnen und Politiker aller Couleur gewohnt.

Es war nicht das erste Scharmützel. Der «SP-Huser-Attacke» war ein «SVP-Hanselmann-Angriff» vorausgegangen. Die Gesundheitschefin habe in der Budgetdebatte einen «ungebührlichen Druckversuch» auf einen SVP-Kantonsrat ausgeübt. Eine «Ungeheuerlichkeit» empörte sich die SVP.

Unbestätigte Spekulation ist, das eine sei eine Reaktion auf das andere gewesen. Nicht bestätigt ist auch der Verdacht, die Parteien führten «Leichendossiers» über die Konkurrenten – und sie würden im neuen Jahr Skandälchen und Skandale häppchenweise und in erhöhter Kadenz den Wählerinnen und Wählern vor die Füsse und ihnen so die Mitbewerber zum Frass vorwerfen.

Dass die Liebe durch den (Wähler-)Magen geht, haben die Grünliberalen längst entdeckt. Sie verteilten vor Weihnachten selbstgebackene Guezli an den Ampeln – begleitet vom Slogan «Alle warten auf Grün».

Spätstarter und Vorsätze

«Freiheit beginnt mit der Wahl», sagt die FDP – und nimmt sich die Freiheit, erst im Januar ins Rennen um die Regierungssitze zu steigen. Ob sich der vierte Kandidat – Andreas Graf, Unternehmer, Parteifrei SG – den Sturm auf die Pfalz als Neujahrsvorsatz nimmt, ist nicht bekannt. Vorsätze sind dazu da, nicht eingehalten zu werden.

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