Scharfe Kritik aus Häggenschwil

HÄGGENSCHWIL. Nach dem Aus für die Oberstufe Häggenschwil greift der örtliche Schulrat den Erziehungsrat und insbesondere Departementschef Stefan Kölliker an. «Der Volkswille wurde missachtet», heisst es in einem Communiqué.

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Dorfprotest: Die Häggenschwiler tun sich schwer mit dem Aus für ihre Oberstufe. (Bild: Archiv/Ralph Ribi)

Dorfprotest: Die Häggenschwiler tun sich schwer mit dem Aus für ihre Oberstufe. (Bild: Archiv/Ralph Ribi)

Aller Widerstand hat nichts gebracht: Der kantonale Erziehungsrat verweigert Häggenschwil die Möglichkeit, seine Oberstufe autonom weiterzuführen. Einen Tag nach dem Entscheid kritisiert der örtliche Schulrat die Verantwortlichen nun scharf.

Nur unter Druck zum Gespräch bereit
«In der Medienmitteilung des Erziehungsrates und in verschiedenen Interviews von Regierungsrat Stefan Kölliker wird suggeriert, der Erziehungsrat habe den Schulrat Häggenschwil aktiv unterstützt bei der Suche nach einer gesetzeskonformen Lösung zum Erhalt der Oberstufe in Häggenschwil, insbesondere mit dem Vorschlag einer Filiallösung mit der Oberstufenschulgemeinde Grünau», schreibt der Schulrat in einer Mitteilung. Tatsache sei, dass der Erziehungsrat erst bereit gewesen sei, mit dem Schulrat Gespräche zu führen, nachdem am 1. Dezember vergangenen Jahres eine Petition zur Durchführung eines Schulversuches mit über 7300 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern aus dem ganzen Kanton übergeben wurde. Der Schulrat Häggenschwil ist überzeugt: Ohne den Druck aus der Bevölkerung wäre es nicht zu diesen Gesprächen gekommen.

«Scheinlösung»
«Die vom Erziehungsrat in den Medien aufgezeichneten Lösungen waren dem Schulrat in Häggenschwil alle im Vorfeld der Gespräche bestens bekannt», hält der Schulrat weiter fest. Er habe von Beginn der Gespräche mit dem Erziehungsrat an darauf aufmerksam gemacht, dass die Regionale Oberstufenschulgemeinde Grünau einer Filiallösung bereits vor zwei Jahren eine klare Absage erteilt habe. Der Schulpräsident der OZ Grünau habe dies gestern Mittwoch in den Medien erneut bestätigt. «Die vom Erziehungsrat vorgeschlagene Lösung ist daher eine Scheinlösung, was den verantwortlichen Behörden bekannt sein müsste», so der Schulrat in seiner Stellungnahme.

«Nur widerwillig»
Weiter hält der Schulrat fest, dass der Erziehungsrat gemäss Beschluss vom 19. Januar 2011 auch bei einer allfälligen Filiallösung mit Wittenbach keinen Anlass sehe, einen Schulversuch mit alternativen, auf kleine Schülerinnen- und Schülerbestände ausgerichteten Oberstufenmodellen anzuordnen. Ein neuer Antrag könnte erst durch die neue Schulgemeinde gestellt werden. «Der Erziehungsrat hat bereits in seinem Entscheid vom 20. Oktober 2010 nur widerwillig einen Schulversuch für lediglich zwei Oberstufen im Kanton St.Gallen gewährt. Mittlerweilen wurden die Rahmenbedingungen für die Schulversuche so eng definiert, dass es nicht möglich sein wird, altersdurchmischtes Lernen auf der Oberstufe zu erproben», ist der Schulrat überzeugt. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass ein erneutes Gesuch in naher Zukunft bewilligt werde. Der Erziehungsrat lehne das Modell altersdurchmischtes Lernen auf der Oberstufe grundsätzlich ab.

«Eine Schule des Volkes»
Erstaunt zeigt sich der Häggenschwiler Schulrat zudem darüber, dass neuerdings Abstimmungsresultate aus beratenden Gremien bekannt gegeben werden. Der Erziehungsrat hatte gestern vermeldet, der aus Häggenschwiler Sicht negative Entscheid sei einstimmig erfolgt. «Zukünftig darf daher erwartet werden, dass das Abstimmungsverhalten der Mitglieder des Erziehungsrats kommuniziert wird», so der Schulrat. Er nehme den Beschluss des Erziehungsrates zur Kenntnis. «Besagten Damen und Herren rufen wir in Erinnerung, dass unsere Volksschule eine Schule des Volkes und für das Volk ist. Die Mitglieder des Erziehungsrats sollten somit auch Volksvertreter sein», heisst es im Communiqué. Es sei bedenklich, wenn pädagogisch gute Lösungen für die Kinder und Jugendlichen nur darum nicht realisiert würden, weil man sich möglichst auf ein einheitliches Modell für alle festlegen wolle. Dabei sei allgemein bekannt, dass für Schulen auf dem Land nicht dieselben Strukturen wirksam sein müssten wie für eine grosse Schule in der Stadt. «Ganz offensichtlich hat der Erziehungsrat unter der Führung eines SVP-Regierungsrates den Volkswillen in der vorliegenden Frage missachtet», so der Häggenschwiler Schulrat. (pd/dwa)

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