Schaffen und erhalten

Im Sommergespräch erklärt Steinachs Gemeindepräsident Roland Brändli, warum ein Hochhaus das Ortsbild nicht verändert und wo die Begegnungszone liegt. Für Betagte soll der Gartenhof erweitert werden.

Christoph Renn
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Gemeindepräsident Roland Brändli ist stolz auf die neue Brücke zwischen Mobilheimpark und Hafen. (Bild: Christoph Renn)

Gemeindepräsident Roland Brändli ist stolz auf die neue Brücke zwischen Mobilheimpark und Hafen. (Bild: Christoph Renn)

STEINACH. Ein Hollywoodfilm hat das Leben des Steinacher Gemeinderats Roland Brändli geprägt. Der Pilotenfilm «Top Gun». Seither war für Brändli klar, dass er einmal fliegen will. Intelligenz-, Psycho-, und Körpertests überstanden, absolvierte er mit 18 Jahren erste Testflüge, mit 20 folgte die Ausbildung zum Militärpiloten der Schweizer Armee. Und auch heute noch frönt er seinem liebsten Hobby.

Seine zweite Leidenschaft ist das Geräteturnen. In Wattwil engagierte er sich stark für den Verein, leitete die Trainingsgruppe und organisierte Wettkämpfe und Anlässe. «Da habe ich gemerkt, dass ich mich gerne für die Gemeinschaft einsetze», erzählt Brändli. So kam es, dass er neben seinem Beruf als Sportlehrer in den Gemeinderat in Wattwil trat. Wenig später zog es ihn als Gemeindepräsident nach Steinach. Auch hier ist er seit kurzem Geräteturnleiter der Jugend. «So gut es in den Terminplan eines Gemeindepräsidenten passt.» Denn wenn er etwas mache, dann mit Leib und Seele, im Beruf wie in der Freizeit.

Begegnungszone Gredhaus

Als Gemeindepräsident ist er gut beschäftigt, es stehen verschiedene Projekte in Steinach an. Zum einen wäre da die Zentrumsgestaltung. Nach langen Gesprächen mit verschiedenen Grundeigentümern sei es gelungen, das Land an der Hauptstrasse mit der Parzelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite abzutauschen. Die Stimmbürger haben an der diesjährigen Bürgerversammlung diesen Tausch gutgeheissen, welcher den späteren Abbruch des Wohnblocks neben der Kirche ermöglicht. «Nun haben wir den Gestaltungsplan für die neue Überbauung ausgearbeitet, der öffentlich aufgelegt wird.» Wenn es keine Einsprachen gibt, könnten bereits Ende 2015 die Bagger auffahren. «Der Wohnblock wird voraussichtlich Ende 2018 abgerissen.» Der so neu entstehende Freiraum soll aber kein Begegnungsort werden. Dieses Privileg sei dem Platz vor dem Gredhaus am See vorbehalten.

Das Projekt «Zentrum» sei eine Gestaltungsarbeit – es soll Ordnung schaffen. «Es zeigt, wie in Zukunft Freiraum geschaffen und zugleich verdichtet gebaut werden kann», fügt Brändli an. Und verdichtet muss auch Steinach bauen. «Wir haben fast kein Bauland mehr.» Darin sieht Brändli aber kein Problem. «Momentan laufen noch Bauvorhaben.» Steinach habe noch genügend Entwicklungspotenzial für die nächsten zehn Jahre.

«Ein absolutes No-go»

Zu diesem Potenzial gehöre das 64,1 Meter hohe Hochhaus auf dem ehemaligen Saurer-Areal. Der Gemeinderat habe kürzlich den Gestaltungs- und Teilzonenplan Terra Nova – der Name des Siegerprojektes – verabschiedet. «Nun warten wir auf die Rückmeldung der kantonalen Instanzen», sagt Brändli. Die Frage, ob denn ein Hochhaus in diese Gemeinde passe, bejaht er. «An diesem Standort schon, im Zentrum wäre ein solches Gebäude jedoch ein absolutes No-go», fügt er an. So würde das Hochhaus einen Abschluss der Stadtkante zu Arbon markieren. Das Konzept sieht eine Mischnutzung vor aus Gastronomie, Gewerbe und Dienstleistung in den unteren Geschossen und darüber 90 Mietwohnungen.

Anzahl Pflegeplätze verdoppeln

Es soll aber nicht nur Neues entstehen, sondern Bestehendem Sorge getragen werden; wie der Badeanstalt. «Wir wollten sie in diesem Frühling renovieren», sagt Brändli. Doch es wurde entschieden, die Arbeiten im Winter durchzuführen, damit die Badegäste den Sommer geniessen können. «Wenn wir den Zeitplan streng eingehalten hätten, wären zu Beginn der Saison Baugitter in der Badeanstalt gestanden. Nun haben wir über den Winter genügend Zeit, die Renovierung durchzuführen.» Auch der Mobilheimpark Weidenhof soll wieder auf Vordermann gebracht werden. Mit dem Ziel, den «schönen Flecken Erde» für die nächsten Generationen als Reserve zu erhalten.

Roland Brändli erwähnt zudem weitere Projekte, die Steinach in Zukunft prägen werden. Zum einen wäre da das kantonale Fischereizentrum. «Kürzlich wurde das Siegerprojekt Kretzer ausgewählt», sagt Brändli. «Kretzer» habe das Preisgericht bezüglich ortsbaulicher Setzung, Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Gestaltung am meisten überzeugt. «Die Regierung empfiehlt das Siegerprojekt zur Weiterbearbeitung und Ausführung.» Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis Ende 2016 laufen.

Zum zweiten wartet auf den Gemeinderat die Erweiterung des Gartenhofs. Die Anzahl Pflegeplätze soll gleich verdoppelt werden – von rund 30 auf 60. «Das Projekt sieht einen Ergänzungsbau mit einer Demenzstation gegenüber des bestehenden Pflegeheims vor», sagt der Gemeindepräsident. Soeben sei eine erste Jurierung durchgeführt worden. «Wir planen, die Gartenhoferweiterung im kommenden Jahr zur Volksabstimmung zu bringen.» Im darauffolgenden Jahr könnte dann schon Spatenstich sein. Und eines sei klar: «Bedarf nach Plätzen besteht.»

Fragen an den Präsidenten

Neben den baulichen Veränderungen möchte Brändli in Zukunft den Puls der Bevölkerung besser fühlen können. Deshalb hat er neue Kommunikationsformen ins Leben gerufen. Die Rubrik Fokus im «Steinach aktuell» und die Bürgersprechstunde des Gemeindepräsidenten. «Ich erhoffe mir, dass Bürger öfters in mein Büro kommen und Fragen stellen oder Anliegen anbringen.» Sich auch unangenehmen Fragen zu stellen, ist sich Brändli seit der Wiederwahl, bei welcher der Wahlkampf zu einer ordentlichen Schlammschlacht mutierte, gewohnt. «Die Arbeit im Gemeinderat läuft seither sehr gut. Wir haben viele konstruktive und ertragreiche Diskussionen geführt», sagt Brändli.

Bild: CHRISTOPH RENN

Bild: CHRISTOPH RENN

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