Schafalpen verwaisen – ist der Wolf schuld?

WEISSTANNEN. Nachdem es im vergangenen Jahr zu mehreren Übergriffen von Wölfen auf gesömmerte Schafe gekommen ist, wollen deren Besitzer die kleinen Alpen im Weisstannental nicht mehr bestossen. Sie weichen auf Bündner Schafalpen aus.

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WEISSTANNEN. Nachdem es im vergangenen Jahr zu mehreren Übergriffen von Wölfen auf gesömmerte Schafe gekommen ist, wollen deren Besitzer die kleinen Alpen im Weisstannental nicht mehr bestossen. Sie weichen auf Bündner Schafalpen aus. Auch auf den Alpen angrenzender Gemeinden sind spezielle Vorkehrungen geplant.

Es war Anfang August des vergangenen Jahres, als ein Wolf des Calanda-Rudels im Weisstannental gleich sechs Schafe aus verschiedenen Herden riss – fünf davon auf der Alp Valtüsch, ein Tier auf dem Rappenloch. Umgehend wurden Schutzmassnahmen wie Lamas, Zäune, Blinklichter bei Nacht, Schutzhunde und Nachtpferche (Schutzzaun, der unter Strom steht) ergriffen.

Kleine Alpen nicht bestossen

Obwohl die Massnahmen laut Markus Hobi, Leiter des landwirtschaftlichen Zentrums Salez, zu fruchten begannen, wollen die örtlichen Schafbauern das Leben ihrer Tiere nicht mehr gefährden. Ausser der Alp Gafarra (1000 Tiere) und dem Rappenloch (100 Tiere) soll in dieser Alpsaison keine Schafalp im Weisstannental mehr bestossen werden.

«Es ist tatsächlich so, dass kaum mehr kleine Schafalpen im Weisstannental bestossen werden sollen», bestätigt Hans Wachter, seit Jahren Pächter der Schafalp Valtüsch: «Diese verwaisten Alpen werden im Sommer einfach brachliegen.»

«Thematik ist vorgeschoben»

Wachter unterstellt: «Die Wolfsthematik wird vom Kanton nur vorgeschoben, um grössere, wirtschaftlichere und behirtete Schafalpen zu schaffen.» Auf Kleinalpen wie Valtüsch, Foo oder Siez sind zu wenig Tiere gesömmert, als das eine Behirtung wirtschaftlich sinnvoll wäre. «Dafür müssten auf jeder Alp sicher 800 Schafe gesömmert werden.»

Auch auf grossen Alpen wie etwa Schaffans im Schilstal, wo jährlich 1100 Schafe gesömmert werden, setzt man zum Schutz der Tiere verschiedene Massnahmen um. «Wir haben ein Notfallkonzept ausgearbeitet, falls es zu einem Übergriff kommen sollte. Dabei handelt es sich um einen festen Pferch, welcher als Nachtpferch genutzt werden kann», erklärt Marco Gadient, Präsident der Ortsgemeinde Flums-Grossberg. (mk)

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