Schänis - Äbtissin besänftigt die Bauern mit Wein

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Um die Kapelle von Schänis zu renovieren wurde nach 1500 der Sebastiankult verstärkt bewirtschaftet. Sebastian wurde schon früher gegen die Pest und andere Seuchen und zum Schutz der Brunnen angerufen. Als 1529 eine aufgebrachte und offensichtlich angetrunkene Bauernschar durch Schänis zog, wurde die Heiligenfigur in der Kapelle St. Sebastian in den Eichen geschändet. Die Bauern zogen den hölzernen Sebastian an einem Seil durch Schänis, wohl auch als Reaktion darauf, dass trotz Sebastianverehrung 1519 der letzte grosse Pestzug vor der Reformation das Toggenburg heimsuchte. Vermutlich schon vorher versuchten der Mob, ins Frauenstift Schänis einzudringen und dort zu wüten. Doch die Äbtissin habe sie der Überlieferung nach mit vier Eimern Wein zufriedenstellen und grösseren Schaden am Frauenkloster damit verhindern können. Dem heiligen Sebastian half dies freilich wenig. Ab 1531 war die Heiligenverehrung in Schänis wieder erlaubt war und 1564 wurde eine jährliche Wallfahrt für die umliegenden Kirchspiele im Gasterland zur Pflicht. In Erinnerung an die Vorfälle 1529 war das Weintrinken den Wallfahrern nun untersagt. (hrt)