SBW ist gekommen, um zu bleiben

Seit 2012 führt die Privatschule SBW die Oberstufe Häggenschwil im Auftrag der Gemeinde. Gestern wurde der Vertrag bis 2021 verlängert. Bei der SBW ist man überzeugt, dass die öffentliche Schule von Privatschulen profitieren kann.

Corinne Allenspach
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Häggenschwils Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring und SBW-Gesamtleiter Reto Ammann unterzeichneten gestern die Verträge bis 2021. (Bild: Corinne Allenspach)

Häggenschwils Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring und SBW-Gesamtleiter Reto Ammann unterzeichneten gestern die Verträge bis 2021. (Bild: Corinne Allenspach)

HÄGGENSCHWIL. Häggenschwil ist mit seinen rund 1200 Einwohnern zwar eine der kleinsten Gemeinden der Region, aber immer wieder für eine Überraschung gut. Sei es mit einem Domino-Weltrekord oder im Kampf als Piraten um den Erhalt der Oberstufe. Seit nunmehr drei Jahren führt die SBW Haus des Lernens die kleinste Oberstufe des Kantons im Auftrag der Gemeinde. Damit ist Häggenschwil schulisch gesehen ein Unikum: Sie ist schweizweit die einzige Gemeinde mit privater Oberstufe (Tagblatt vom 30. Oktober).

Finanzen im Griff

Gestern nun trafen sich die Verantwortlichen zur offiziellen Vertragsverlängerung bis 2021. Das sei in unserer schnelllebigen Zeit eine lange Dauer, sagte Reto Ammann, Verwaltungsratspräsident der SBW. «Aber wir sind gekommen, um zu bleiben.» Der bisherige Vertrag wäre erst in zwei Jahren abgelaufen. Weil man zufrieden sei mit der Privatschullösung, habe man Eltern, Schülern und Lehrpersonen eine möglichst grosse Sicherheit geben wollen, wie es weitergehe, sagte Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring. Darum habe man frühzeitig verlängert. Zumal sich auch der meist gehörte Vorwurf nicht bestätigt habe, die Privatschule sei eine teure Lösung. «Wir haben die Finanzen im Griff und konnten den Steuerfuss seither sogar senken.»

Älteste Oberstufe der Region

Schulratspräsident Alan Germann machte aus seiner Freude kein Geheimnis: «Mich freut's extrem, dass es eine Fortsetzung gibt.» Schliesslich habe die Oberstufe eine lange Tradition. 1907 wurde sie auf Privatinitiative Einzelner gegründet – mit 33 Schülern. Lange war die Oberstufe Häggenschwil die einzige in der Region, besucht wurde sie unter anderem von Wittenbachern und Muolern. 1921 wurde sie öffentlich und blieb es bis 2012, als der Erziehungsrat eine Schliessung forderte wegen zu tiefer Schülerzahlen. Mit der SBW beweise Häggenschwil, dass auch eine kleine Schule – mit aktuell rund 45 Jugendlichen – gut und kostengünstig funktionieren könne. «Man kann eine gute Schule nicht an der Anzahl Kinder messen, sondern man muss das Modell entsprechend anpassen», betont Germann. Was ihn besonders freut: Zwar sei man eine Privatschule, habe aber «keine handverlesene Klientel»: «Unsere Schüler sind die gleichen wie vorher in der öffentlichen Schule.» Das ist laut Ammann auch das Ziel der SBW: «Wir wollen beweisen, dass eine Privatschule überall möglich ist.»

Zum Nachdenken anregen

Ammann ist überzeugt, das «Modell Häggenschwil» könnte auch andernorts funktionieren. Aber warum sollte eine Gemeinde zu einer Privatschule wechseln? «Es muss niemand wechseln, wir wollen nur zum Nachdenken anregen», sagt Ammann und ergänzt, er kenne relativ wenige Branchen, die, wenn kein Wettbewerb bestehe, besonders innovativ seien. Auch Rolf Schönenberger, früher Schulleiter in Bürglen (TG), jetzt in der SBW-Geschäftsleitung, glaubt, eine starke Privatschulkultur sei nötig, damit sich bildungspolitisch etwas ändere. «Ich bin überzeugt, der Kanton Thurgau wäre heute nicht so weit ohne SBW.»

SBW blickt gelassen in Zukunft

Alan Germann sagte im Tagblatt, er könne sich durchaus vorstellen, wieder mit der öffentlichen Schule zusammenzuarbeiten. Sobald der Erziehungsrat die kürzlich angekündigten Reformen auf der Oberstufe umsetze, sprich, unter anderem altersdurchmischtes Lernen erlaube. Reto Ammann sieht dem gelassen gegenüber. Selbstverständlich sei Häggenschwil frei, zu entscheiden. «Aber wir haben eine gute Partnerschaft. Da überlegt man sich genau, ob man wieder zurück will.» Für ihn sei vielmehr die Frage zentral: «Warum ermöglicht der Staat plötzlich ein Schulmodell, das früher nicht erlaubt war?»