SBB machen den Weg frei

Einen Wanderweg durchs Galgentobel nach Mörschwil: Diesen Wunsch hegt die Stadt St. Gallen schon lange. Doch die Nachbargemeinde hat ihr Steine in den Weg gelegt. Aus finanziellen Gründen. Nun ist der Streit bereinigt.

Martina Kaiser
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Mörschwil. Heute ist er ein Trampelpfad, der Weg, der teilweise durchs Galgentobel führt. Dennoch sind immer wieder Spaziergänger anzutreffen. Und Gleisarbeiter. Noch bis Ende August bauen sie eine zweite Spur, fahren mit Lastwagen der holprigen Strasse von Mörschwil Richtung Bruggwald entlang. Und eben diese Strasse ist der Grund dafür, dass es zwischen den Nachbargemeinden St. Gallen und Mörschwil zum Knatsch kam. Streitpunkt: das liebe Geld.

Mörschwil entrüstet Parlament

Angefangen hat alles im September 2008 mit besagtem Doppelspurausbau der SBB. Wegen ihm musste der Trampelpfad aufgehoben werden. Sehr zum Bedauern von Spaziergängern und Wanderern. Die Stadt beschloss darum, einen Wanderweg durchs Galgentobel zu realisieren. Er soll von der Lukasmüli in St. Gallen bis zur Bahnüberführung der SOB im Bruggwald und weiter in die besagte Strasse Richtung Mörschwil führen (siehe Kasten).

Im September vergangenen Jahres kam die umstrittene Vorlage vors St. Galler Stadtparlament. Umstritten, weil die Kosten von 545 000 Franken für den Bau des Weges für einige Parlamentarier «unverhältnismässig» waren. Trotzdem stimmte das Parlament der Vorlage zu, zeigte sich aber enttäuscht, gar entrüstet über die Gemeinde Mörschwil. Diese wollte jene Strasse, die auf Mörschwiler Boden liegt, nicht als Gemeindestrasse 3. Klasse in den Strassenplan aufnehmen. Für die Stadt ist es aber wichtig, dass die Strasse klassiert wird, denn nur so bezahlt der Kanton einen Beitrag an die Baukosten. In diesem Fall sind es 355 000 Franken.

«Strasse wäre ein Kostenrisiko»

Auch in Mörschwil spielten finanzielle Gründe beim Entscheid mit. Gemeindepräsident Paul Bühler erklärt: «Wenn in der Stadt eine Gemeindestrasse 3. Klasse oder ein Gemeindeweg in den Strassenplan aufgenommen wird, ist das kein Problem. Die Anstösser bezahlen die künftigen Unterhaltskosten.» Das sei in Mörschwil anders: Gemäss einem Beschluss der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger aus dem Jahre 1989 übernimmt die Politische Gemeinde sämtliche Unterhaltsarbeiten an Gemeindestrassen 3. Klasse und Gemeindewegen. «Im Fall Galgentobel ist das für Mörschwil aber ein unverhältnismässig grosses Kostenrisiko, denn das Tobel ist sehr instabil, die künftigen Unterhaltskosten sind nicht abschätzbar», sagt Paul Bühler.

SBB: Beschluss nicht gekannt

Im Februar suchte der Stadtrat das Gespräch mit dem Mörschwiler Gemeindepräsidenten. Dieser erklärte sich daraufhin bereit, die Strasse zu klassieren, stellte jedoch eine Bedingung: Als Hauptnutzerin müssten die SBB für den Unterhalt aufkommen. Toni Möckli von der Immobilienabteilung der SBB: «Es ist normal, dass wir als Eigentümerin des Grundstückes und Nutzerin der Strasse für den Unterhalt aufkommen.» Das sei auch im Gebiet Engwil–St. Fiden der Fall, wo die SBB den Doppelspurausbau zurzeit ebenfalls realisieren. Dass es in Mörschwil einen Beschluss gibt, wonach der Unterhalt von Gemeindestrassen 3. Klasse und Gemeindewegen Sache der Gemeinde ist, habe er allerdings nicht gewusst. «Doch die Unterhaltskosten für diese Strasse werden überschaubar sein», ist Möckli überzeugt.