SBB gestalten Rorschachs Kern neu

RORSCHACH/GOLDACH. Das grösste Verkehrsprojekt der Region liegt in Rorschach und Goldach öffentlich auf. Die Bahnlinie soll zwischen Goldach und Rorschach Stadt auf 1,3 Kilometern doppelspurig werden, dazu wird der Bahnhof Stadt ausgebaut. Südlich des Bahnhofs entsteht eine neue Bushaltestelle.

Corina Tobler
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Der Bahnhof rückt nach Osten, die Busse weichen nach Süden aus. (Bild: Karte/sgt)

Der Bahnhof rückt nach Osten, die Busse weichen nach Süden aus. (Bild: Karte/sgt)

Die SBB bauen für 38,12 Millionen Franken ein zweites Bahngleis zwischen Goldach und Rorschach, auf 1315 Metern Länge. Die Pläne dafür liegen bis 13. Mai auf den Bauämtern Goldach und Rorschach öffentlich auf. Während auf Goldacher Boden «nur» das zweite Gleis fehlt, das auf der Südseite gelegt wird, bringt die Doppelspurigkeit in Rorschach einschneidende Veränderungen mit sich. «Das Projekt ist eine riesige Chance für die Entwicklung des Gebiets rund um den Bahnhof Stadt», sagt Stadtpräsident Thomas Müller.

Überdacht mit Unterführung

Er verweist damit auf die Tatsache, dass der heutige Bahnhof Stadt einem neuen, grösseren Platz machen soll. Dieser erstreckt sich rund 60 Meter weiter nach Osten als der heutige. Der Bahnübergang an der Feldmühlestrasse wird dafür aufgehoben, die 170 Meter langen Perrons enden erst kurz vor der Signalstrasse. Die Perrons werden auf einer Länge von rund 125 Metern überdacht. Von den drei Veloständern, die eingerichtet werden, sind zwei überdacht. Ähnlich wie am heutigen Bahnhof Goldach ist zudem eine Personenunterführung geplant, die von beiden Perrons aus über Treppen wie auch über flache Rampen erreichbar ist. So ist der Bahnhof, der heute bei geschlossenen Barrieren nur vom See her zu erreichen ist, künftig beidseitig zugänglich.

Busse an der Eisenbahnstrasse

Die Feldmühlestrasse verliert gemäss den aufliegenden Plänen nicht nur den Bahnübergang, sie wird künftig nur noch bis zur Einmündung in die Eisenbahnstrasse verlaufen. Die heutige Bushaltestelle auf der Seeseite der Bahnlinie wird verlegt. Dafür soll die Eisenbahnstrasse südlich des neuen Bahnhofs verbreitert werden, so dass die Busse dort beidseitig halten können. Zudem ist am südlichen Strassenrand eine Wartehalle für die Passagiere vorgesehen. «Mit diesen Massnahmen erfährt dieser Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs eine deutliche Verbesserung. Bus und Bahn sind besser verknüpft und die Haltestellen leicht zu erreichen», weist Markus Fäh, Leiter Bau und Stadtentwicklung in Rorschach, auf die Vorteile dieser Lösung hin. Damit werde es attraktiv, aufs Auto zu verzichten – auch in Anbetracht des ebenfalls aufliegenden Velo- und Fusswegs entlang der Bahnlinie (Text unten).

Strassenunterführung in Arbeit

Erst provisorisch eingetragen ist in den Plänen die Gestaltung der Plätze rund um den neuen Bahnhof sowie die von der Stadt geplante Strassenunterführung. «Der Stadtrat arbeitet mit Hochdruck daran, einen definitiven Verlauf vorlegen zu können. Diese Unterführung passt zur Zielsetzung des neuen Stadtentwicklungskonzepts, die Durchlässigkeit zum See zu erhöhen. Technisch ist sie aber das anspruchsvollste Projekt, an dem ich je beteiligt war», sagt Stadtpräsident Thomas Müller und erklärt: «Es fliessen städtebauliche Überlegungen ein, dazu kommen Verkehrsfluss und -Kapazität der Strassen. Die Unterführung darf ja keine neue Stau-Stelle kreieren. Eine weitere Herausforderung ist der Wasserbau.» Er fügt an, bei einer der beiden möglichen Varianten wären städtische Liegenschaften betroffen. «Diese würden stark an Wert verlieren. Die Unterführung hat massgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Gebiets rund um den Bahnhof Stadt. Wenn ihr Verlauf städtische Liegenschaften umgeht, können wir die Entwicklung schneller einleiten.»

Zudem ist die Stadt unter Zeitdruck. Der Baustart müsste spätestens 2018 erfolgen, damit der Beitrag in Höhe von 40 Prozent der Gesamtkosten aus dem Aggloprogramm des Bundes gesprochen wird. Dazu muss das Projekt nicht nur bei den Stimmbürgern ankommen, die an der Urne über den Kostenanteil der Stadt entscheiden werden, sondern es muss auch die Prüfung beim Amt für Raumentwicklung bestehen. «Ideal wäre, zeitgleich mit den SBB starten zu können.»

SBB führt Verhandlungen

Diese planen den Baustart für Herbst 2016. Bis dann steht aber noch viel Arbeit an. Auf Rorschacher Boden sind 75 Grundstücke vom SBB-Projekt betroffen; teils müssen Gebäude weichen. Rund ein Viertel der Grundstücke sind im Eigentum der Stadt, der Rest gehört Privaten. «Mit den Eigentümern werden und wurden im Zuge der Projektierung Gespräche und Verhandlungen geführt. Teilweise konnten ihre Wünsche berücksichtigt werden. Es konnte aber noch nicht mit allen eine Einigung erzielt werden», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. Einsprachen gegen das SBB-Projekt sind bis 13. Mai beim Bundesamt für Verkehr einzureichen.

Der Bahnübergang Feldmühlestrasse weicht dem neuen Bahnhof; die Busse halten an der Eisenbahnstrasse, in die der Seebus einbiegt. (Bild: Corina Tobler)

Der Bahnübergang Feldmühlestrasse weicht dem neuen Bahnhof; die Busse halten an der Eisenbahnstrasse, in die der Seebus einbiegt. (Bild: Corina Tobler)

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