SANIERUNG: Neue Holzsitze fürs Espenmoos

Die Haupttribüne des Stadions Espenmoos soll für knapp 2,3 Millionen Franken saniert werden. Auch ein Ersatz der alten Holzsitze ist vorgesehen. Ein Vorhaben, das der Stadt 2014 eine Nachspielzeit bescherte.

David Gadze
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Viele Sitze im Espenmoos sind kaputt. Die schrägen Flächen unter den Sitzreihen werden erhöht und so die Stufen verbreitert. (Bild: Jil Lohse)

Viele Sitze im Espenmoos sind kaputt. Die schrägen Flächen unter den Sitzreihen werden erhöht und so die Stufen verbreitert. (Bild: Jil Lohse)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Das Espenmoos ist für die meisten Fussballfans in der Stadt St. Gallen ein Kultort. Nachdem der FC St. Gallen vor neun Jahren ausgezogen war und das neue Stadion im Westen bezogen hatte, veränderte sich das Gesicht des Quartierstadions jedoch stark. Die Stadt als neue Besitzerin baute das Espenmoos zu einer Breitensportanlage um, in der verschiedene Fussballmannschaften trainieren und spielen. Heute erinnert nur noch die 1969 erbaute Haupttribüne mit dem geschwungenen Stahldach an die alten Zeiten, denen bis heute viele Anhänger nachtrauern.

Jetzt muss die Tribüne, die 2010 im Innern erneuert worden war, saniert werden. Während die Metallteile des Dachs noch in Ordnung seien, weise dessen Betonoberfläche Risse auf, so dass Wasser ins Innere dringe, schreibt der Stadtrat in einer Vorlage ans Parlament. Auch die Verglasung hinter den Sitzreihen sei ungenügend und drohe bei zu viel Druck, etwa von in Panik geratenden Zuschauern, zu brechen.

Sicherheitsanforderungen sind nicht mehr erfüllt

Infolge der Sanierung sollen auch die noch vorhandenen, fast 50-jährigen Sperrholzsitze ersetzt werden. Bereits 2014 hatte der Stadtrat ein entsprechendes Projekt präsentiert. Vorgesehen waren einfache Sitzbänke wie im Paul-Grüninger-Stadion. Dagegen formierte sich Widerstand, auch aus der Politik. Die Stadt krebste zurück mit dem Versprechen, den Ersatz der Stühle nochmals unter die Lupe zu nehmen. «Wir haben eine Lösung gesucht, die diesen baulich und sporthistorisch wichtigen Ort nicht aufs Abstellgleis stellt, sondern eine tragfähige Lösung für die Zukunft darstellt», sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Diese Lösung lautet: hochklappbare Sitze, und zwar nicht aus Plastik, sondern aus Holz.

Der Ersatz der Stühle geschieht nicht nur aufgrund deren Alter. Ein wesentlicher Grund ist, dass das Espenmoos den geltenden Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügt. Zwischen den Sitzreihen müssen die Fluchtwege eine Breite von 45 Zentimetern aufweisen, aktuell sind es nur knapp 35 Zentimeter. Auch die Treppen der Tribüne sind eigentlich zu schmal. Gemäss Norm müssten sie 120 statt derzeit rund 95 Zentimeter breit sein. Dennoch toleriere das Amt für Feuerschutz diese Abweichung. Der Grund dafür liege einerseits in der Bestandsgarantie und andererseits darin, dass pro Reihe nur 20 statt der erlaubten 40 Plätze vorhanden seien.

Das Hochbauamt habe auch überprüft, ob sich neue Schalensitze installieren liessen, sagt Rechsteiner. Sie müssten aufgrund der Fluchtwegbreite jedoch so schmal sein, dass der Sitzkomfort auf ein unzumutbares Mass sinken würde. «Die nun vorliegende Lösung ist gestalterisch der beste Kompromiss zwischen den Sicherheitsanforderungen und der sporthistorischen Bedeutung des Stadions.»

«Das sind wir dem Espenmoos schuldig»

Für die Sanierung der Zuschauertribüne beantragt der Stadtrat beim Parlament einen Kredit von knapp 2,3 Millionen Franken. Die Kosten für die neuen Klappsitze werden in der Vorlage mit 324000 Franken beziffert. Für den Einbau der Bänke waren seinerzeit 170000 Franken budgetiert, den finanziellen Mehraufwand für Einzelsitze aus Kunststoff oder Holz schätzten die Verantwortlichen damals auf ein Vielfaches davon. Nun ist es nicht einmal doppelt so viel.

Zwar seien die Klappsitze aus Holz etwas teurer als solche aus Kunststoff, sagt Rechsteiner. «Das rechtfertigt aber allein schon der Respekt vor dem Ort. Diese Reminiszenz sind wir als öffentliche Hand dem Espenmoos schuldig.» Der Beginn der Bauarbeiten sei für Herbst 2018 vorgesehen. Während dieser Zeit sei ein Sportbetrieb vor Publikum im Espenmoos nicht möglich.

Zukunft der Stühle noch ungeklärt

Was mit den alten Stühlen nach der Demontage passieren wird, ist derzeit noch offen. Das Hochbauamt täte gut daran, sie nicht einfach zu entsorgen. Denn es gibt zweifelsohne genug Nostalgiker, die sich ein Stück Stadtsanktgaller Fussballgeschichte noch so gerne in die eigenen vier Wände holen würden, auch wenn es sich bloss um ein altes Stück Holz handelt. Immerhin ist es Holz, das die Geschichte des altehrwürdigen Kultstadions atmet.

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