SANIERUNG: Mängel im Rampenlicht

Das Theater St. Gallen soll für knapp 50 Millionen erneuert werden. Die städtische FDP hat am Samstag hinter die Kulissen des Sanierungsfalls geblickt.

Luca Ghiselli
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Die Bestuhlung im Theater soll im Zuge der Erneuerung ebenfalls ersetzt werden. (Bilder: Jil Lohse)

Die Bestuhlung im Theater soll im Zuge der Erneuerung ebenfalls ersetzt werden. (Bilder: Jil Lohse)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Das Theater St. Gallen ist politisch ein heisses Eisen. Für 48,6 Millionen soll es ab Herbst 2019 saniert werden. So will es der Regierungsrat. Der Kantonsrat hat in der Junisession den entsprechenden Kredit gesprochen, doch in den Reihen der SVP regte sich Widerstand. Die Partei hat für die zweite Lesung im September das Ratsreferendum angekündigt. Sie will, dass die Sanierung des Theaters vors Volk kommt und ein Neubau geprüft wird. In der Debatte wurde das Theatergebäude von Architekt Claude Paillard, das seit 1968 in Betrieb ist, unter anderem als «Betonklotz» und «Asbesthaufen» bezeichnet.

Grund genug für die städtische FDP, ihr Sommerprogramm dieses Jahr hinter den Kulissen des Theaters zu starten. Trotz hochsommerlichen Temperaturen folgten rund 40 Interessierte der Einladung und liessen sich von Karl Schimke, FDP-Stadtparlamentarier und Tubist im Sinfonieorchester, durch das Gebäude führen. Welche Position Schimke vertritt, machte er gleich schon zu Beginn unmissverständlich klar: «Das Theater muss saniert werden.» Dass das nötig ist, illustrierte Schimke gemeinsam mit Frank Stoffel, dem stellvertretenden technischen Leiter des Theaters, auf seiner Führung gleich an mehreren Beispielen. Da wäre zum Beispiel die Bodenheizung im Foyer: Diese sei seit zwei Jahren ausser Betrieb, weil ein Leck dazu geführt habe, dass der Malraum im Untergeschoss mit Wasser volllief. Die Spuren davon sind bis heute an den Wänden zu sehen. Oder die Fensterfront hin zum Stadtpark, die nicht nur energetisch den Ansprüchen nicht mehr genüge, sondern in deren Dämmung auch noch Asbest festgestellt worden sei.

Decken zu niedrig, Räume zu eng

Die grossen Probleme des Theaters offenbaren sich aber nicht unbedingt im Foyer oder im Zuschauerraum, wo unter anderem die Bestuhlung ersetzt werden soll, sondern vor allem hinter den Kulissen. «Die Platzverhältnisse sind überall extrem knapp», sagt Schimke. Im Aufgang zum Orchestergraben werde das besonders deutlich. Das voll besetzte Sinfonieorchester besteht aus 60 Musikern. Ihnen stehen heute gerade einmal zwei Räume zum Stimmen ihrer Instrumente zur Verfügung, die meisten würden sich vor ihren Spinden umziehen, weil Garderoben fehlten. Wer die schmale Treppe von den Spinden der Musiker hinauf und am Orchestergraben vorbei weiter nach oben geht, gelangt zu einem der beiden Seiteneingänge der Bühne, wo sich der Schnürboden befindet. Auch hier besteht Handlungsbedarf. Auf der Seite sind über 50 Hanfseile angebracht, daran sind Teile des Bühnenbilds befestigt, die vom Schnürmeister bewegt werden. Rund 20 davon werden bis heute manuell bedient. Nach der Sanierung sollen alle computergesteuert sein. «Doch auch diese Steuerung hat bereits 13 Jahre auf dem Buckel», gibt Frank Stoffel zu bedenken.

Und auch auf der anderen Seite der Bühne sieht es nicht besser aus: In einer Art Hochregallager werden hier die verschiedenen Banner und Utensilien aufbewahrt, ein Gabelstapler steht in einer Ecke. «Hier haben wir Probleme mit der Deckenhöhe», sagt Stoffel. Unter sechs Metern Höhe würde eigentlich kein Bühnenbild gebaut, ein Sturz in der Decke verringert die Raumhöhe aber auf 5,80 Meter. Auch das soll im Zuge der Sanierung behoben werden, sodass in Zukunft auch grössere Bühnenbilder hier zwischengelagert werden können, bevor sie auf der Bühne installiert werden. Und auch der Übungsraum der Tanzkompanie weise Mängel auf: Hier sei die Decke deutlich zu niedrig, als dass die Tänzerinnen und Tänzer zum Beispiel Sprungfiguren üben könnten.

Die Teilnehmer sind uneins

Den grössten Engpass gelte es aber bei der Umkleide und in der Maske zu bewältigen. Hier sei der Platz bei weitem nicht ausreichend, sind Schimke und Stoffel überzeugt. Es habe gerade einmal vier Schminkplätze für Solistinnen, und auch sonst genüge der Trakt nicht den Ansprüchen. Hier soll ein dreigeschossiger Anbau Abhilfe schaffen, und laut Schimke sollen auch Aufenthaltsräume entstehen. Dieser Neubau sei auch der einzige wertsteigernde Bestandteil des Projekts, die restlichen Massnahmen seien nur werterhaltend, so Schimke.

Unter den Teilnehmern der Führung war unbestritten, dass das Theater St. Gallen ein Sanierungsfall ist. Uneins waren sich einige aber darüber, ob ein Neubau, die Areale Bahnhof Nord und St. Fiden wurden als Beispiele genannt, nicht doch die bessere Lösung wäre.