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Safari zum Grosswild in der Pfalz

ST.GALLEN. Gallus und die Folgen. Diese zeigen sich besonders deutlich im Regierungsgebäude, der Pfalz. Und dies nicht nur im Gallusjahr. Eine Führung gibt näheren Aufschluss; sie berichtet von «grossen Tieren und kleinen Häppchen».
Josef Osterwalder
Der Hauswart – Schauspieler Oliver Kühn – erklärt seine Beziehung zu den Porträts der Regierungspräsidenten. (Bild: Benjamin Manser)

Der Hauswart – Schauspieler Oliver Kühn – erklärt seine Beziehung zu den Porträts der Regierungspräsidenten. (Bild: Benjamin Manser)

Grosse Tiere in St. Gallen? Anna Schneider ist um eine Antwort nicht verlegen. Als Mitarbeiterin des Staatsarchivs kann sie die grosstierische Entwicklung am Platz einwandfrei belegen.

Als erstes betritt im Jahr 612 ein Bär die St. Galler Bühne. Etwas später erscheint der immer mächtiger werdende Fürstabt. Um 1712 exerziert während dem Zwölfer- Krieg die Zürcher Kavallerie auf dem Platz. Um 1800 hält der französische Besatzungsgeneral seine Lobrede auf die Göttin der Freiheit. 1914 taucht ein Ochsengespann auf und pflügt den Klosterplatz in einen Kartoffelacker um.

Haus der austarierten Mitte

Grosstiere, einmal zoologisch, dann wieder politisch verstanden, begleiten die Führung durch das Regierungsgebäude. Dieses wird auch heute noch «Pfalz» genannt, so wie damals, als der Fürstabt und seine Verwaltung hier Hof gehalten haben.

Die Führung von Anna Schneider beginnt aufschlussreich. Doch da wird sie plötzlich unterbrochen. Wie sie die aktuellsten Porträtbilder der Regierungspräsidenten zeigt, fährt ein Hauswart dazwischen: «Wie oft habe ich gesagt, Sie sollen die Bilder nicht berühren!» Und gleich bringt er mit einer Wasserwaage die Gemälde wieder ins Lot. Kein bisschen Neigung nach links oder rechts dürfen die Porträts haben.

Bald wird klar, dass die Intervention des «Hauswarts» gespielt ist. Gar nicht gespielt ist jedoch die Echtheit der Aussage: St. Galler Regierungspräsidenten müssen Meister der Ausgewogenheit sein.

Die Führung geht zu den drei repräsentativsten Räumen der Pfalz. Erst ins Tafelzimmer, wo – wie kommt das nur? – verkrustete Speisereste auf einem verschmutzten Teller kleben. Wer hat hier so fluchtartig den Tisch verlassen? Der Abt, als er 1798 vor den Revolutionstruppen verschwand? Oder ein französischer Offizier?

Demokratische Häppchen

Auch hier wird Anna Schneider plötzlich unterbrochen, von einem französischen Koch der von den früheren Festmählern im Tafelzimmer berichtet. Er rechnet damit, dass den Besuchern dabei das Wasser im Mund zusammenlaufen könnte. Darum hat er die versprochenen kleinen Häppchen bereitgestellt. Amuse bouche für alle Teilnehmer. Nicht üppig, dafür demokratisch. Es reicht für alle.

Weiter geht es durch Gänge und über Treppen ins verspielte Ratsstübli; anschliessend aus der barocken Vergangenheit in die grün-graue Gegenwart des Kantonsratssaals.

Und das Ergebnis der Führung? Niemand von den Teilnehmenden wird in der Pfalz je noch unbedacht einen Kasten öffnen; es könnte ja. . . Die Fortsetzung ist Führungsgeheimnis.

Fünf Mitarbeitende des Staatsarchivs wechseln in den Führungen ab. Die Interventionen stammen von Oliver Kühn vom Theater «Jetzt». Mit dabei, wenn auch unsichtbar, ist der Geist der Pfalz.

Weitere Führungen: 25., 26. April, 9. und 10. Mai, je um 18 Uhr; 3. Mai um 10 Uhr. Informationen: www.gallusjubilaeum.ch

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