«Säntisblick» wird Landgasthof

Eineinhalb Monate war der «Säntisblick» am Sonnenberg zu. Jetzt hat ein junges Pächterpaar das Hotel-Restaurant übernommen. Die beiden wollen das Ländliche wieder mehr betonen, und auf den Teller kommt nur Selbstgemachtes.

Corinne Allenspach
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Das junge Pächterpaar Raphael Schmid und Salma Nassif im «Säntisblick»: «Unser beider Kindheitstraum war es, eines Tages ein Hotel zu führen.» (Bilder: Urs Bucher)

Das junge Pächterpaar Raphael Schmid und Salma Nassif im «Säntisblick»: «Unser beider Kindheitstraum war es, eines Tages ein Hotel zu führen.» (Bilder: Urs Bucher)

ABTWIL. Raphael Schmid kann sich selber kaum sattsehen. An diesem sonnigen Wintermorgen zeigt sich in aller Deutlichkeit, was das Hotel-Restaurant Säntisblick hoch oben am Abtwiler Sonnenberg so einzigartig macht. Die Panoramasicht über die Stadt St. Gallen bis weit ins Fürstenland und auf den Alpstein ist wahrlich atemberaubend. Dass das Restaurant eine wohlige Wärme ausstrahlt und man sich sofort wohl fühlt, ist aber nicht nur dem Wetter und der Aussicht zu verdanken, sondern dem neuen Pächterpaar. Vor zwei Wochen, am 16. Dezember, haben der gebürtige Luzerner Raphael Schmid und seine Partnerin Salma Nassif aus Zürich den «Säntisblick» neu eröffnet. Vom Pächterwechsel haben selbst viele Abtwiler nichts gewusst. Man habe bisher auch bewusst nur wenig Werbung gemacht, sagt Raphael Schmid. «Wir wollten langsam starten, damit die Qualität von Anfang an stimmt.»

Künstlern eine Plattform bieten

Eine besondere Leidenschaft von Salma Nassif sind Blumen. Seit die jungen Gastronomen den «Säntisblick» übernommen haben, spriesst es darum in allen Ecken. Im Stickerstübli etwa blühen gleich Dutzende Orchideen in verschiedenen Farben. Überhaupt, die Farben. An den Wänden prangen grossflächige Bilder, allesamt von jungen Schweizer Künstlern gemalt. «Wir wollen ihnen eine Plattform bieten, sich zu zeigen», sagt Schmid. Schliesslich sei es schwierig, eine Galerie zu finden. «So ist es eine Win-win-Situation. Wir haben schöne Bilder und die Künstler eine Ausstellungsfläche.»

Grossmutter liefert Rezept

Aber nicht nur Blumen und Bilder sind neu, sondern das ganze Konzept. So nennt sich der «Säntisblick» nicht mehr Panoramarestaurant, sondern Landgasthof, wie in alten Zeiten. «Wir haben eine kleine Karte, dafür ist alles frisch und selbst gemacht», erklärt Schmid das Prinzip. Von den Käsekroketten über die Tagliatelle bis zur Salatsauce und zum Fleischfonds. Zudem wechsle die Karte saisonal und es werden hauptsächlich Produkte aus der Region verwendet. Auch vegetarische Gerichte stehen auf der Karte und täglich werden fünf Brotsorten gebacken. Am Mittag gibt's Vorspeise und Hauptgang für 25 Franken.

Schmid gerät ins Schwärmen, wenn er vom im Heu gebratenen Rindsfilet auf der Abendkarte erzählt, oder vom hausgemachten Hackbraten. «Das Rezept stammt von meiner Grossmutter», verrät er, der selber nicht nur gerne isst, sondern auch gerne kocht. Chefkoch ist aber ein anderer: Sebastian Schulz-Freywald, der vorher in einem Viersternehotel in Flims gearbeitet hat.

An Ideen fehlt es dem Team nicht. So sind Events geplant, um auch jüngere Gäste anzusprechen: Etwa ein Fondueplausch im Januar/Februar mit Feuer auf der Terrasse, ein Bierfest oder Weindegustationen.

Abschied von der Finanzwelt

Raphael Schmid und seine Partnerin haben eine Gastroausbildung, kommen aber ursprünglich aus der Finanzbranche. Schmid, in Luzern geboren und in Genf aufgewachsen, arbeitete unter anderem als Controller bei einer Privatbank. «Die Finanzwelt ist gut und recht, aber es war Zeit für eine Veränderung», sagt er. Es sei immer ein Kindheitstraum gewesen, ein Hotel mit kleinem Restaurant zu führen. «Jetzt ist es halt umgekehrt: Wir führen ein grosses Restaurant mit kleinem Hotel», sagt er und lacht. Dass es ihn ausgerechnet in den «Säntisblick» verschlagen habe, müsse so sein. Schliesslich kennt er den Betrieb von Kindsbeinen an, denn der «Säntisblick»-Nachbar Otmar Jöhl ist sein Götti. Schon als Bub war Raphael Schmid oft bei ihm zum Melken oder Spielen.

Ziel, hier sesshaft zu werden

Dass der «Säntisblick» eine schwierige Zeit hinter sich hat, wissen die neuen Pächter. In den letzten drei Jahren kehrten viele Abtwiler nicht mehr dort ein. Dies dürfte sich nach dem Neustart rasch wieder ändern. Denn man spürt, was das Pächterpaar möchte: Die Gäste sollen sich bereits beim Eintreten willkommen fühlen. Auch nachmittags ist der «Säntisblick» jetzt wieder geöffnet, ausser am Montag, wenn Ruhetag ist. Für Spaziergänger gibt es jeweils frischen Fladen, eine kalte Platte oder Rösti mit Spiegelei und Speck.

Wollen die Pächter auch eine Weile bleiben? «Nur eine Weile?», fragt Schmid verwundert. «Ziel ist es, hier sesshaft zu werden. Wir fühlen uns jetzt schon fast als Abtwiler.»

Salma Nassif kümmert sich um die «Säntisblick»-Ziegenmutter mit ihren Zwillingen. Das Logo des Landgasthofs ist ebenfalls eine Ziege. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Salma Nassif kümmert sich um die «Säntisblick»-Ziegenmutter mit ihren Zwillingen. Das Logo des Landgasthofs ist ebenfalls eine Ziege. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

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