Sägeblatt beweist Unschuld

Ein 28jähriger Portugiese ist zu Unrecht beschuldigt worden, dass er versucht haben soll, in zwei Häuser an der Vadianstrasse einzubrechen. Ein Sägeblatt und Eisenbahnbillette haben ihn entlastet.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen

Am 21. Juni vergangenen Jahres versuchten Einbrecher, in die Räume zweier Praxen an der Vadianstrasse einzudringen. Der Einbruch misslang. Zurück blieben Spuren und ein Sägeblatt, das die Einbrecher benutzt hatten. Darauf fanden die Untersuchungsbehörden die DNA eines 28jährigen Portugiesen.

Strafbefehl nicht akzeptiert

Der Fall schien damit klar. Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann wegen mehrfachen versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs an. Sie verhängte eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken mit einer Probezeit von drei Jahren sowie eine Busse von 600 Franken. Der Portugiese akzeptierte den Strafbefehl nicht, weshalb es am Kreisgericht St. Gallen zur ordentlichen Gerichtsverhandlung kam.

Er befinde sich seit Oktober 2013 in einer Suchttherapie im Kanton Aargau, erzählte der Angeklagte dem Einzelrichter. Einen Monat später, lange vor dem Einbruchsversuch, sei er letztmals in St. Gallen gewesen, um seine Post abzuholen. Er und seine Freundin, die sich mit ihm in Therapie befinde, kämen bewusst nicht mehr an ihren alten Wohnort zurück, um nicht in alte Suchtmuster zurückzufallen.

Hab und Gut zurückgelassen

Aus dem, was der Beschuldigte erzählte, wurde ersichtlich, dass das Sägeblatt wohl tatsächlich einst ihm gehört hatte. Nachdem er die Suchttherapie begonnen habe, sei es für die Freundin nicht mehr möglich gewesen, die gemeinsame Wohnung zu bezahlen. Der Vermieter habe ihr fristlos gekündigt und schliesslich alle Gegenstände entsorgt, die in der Wohnung verblieben seien.

Die Freundin bestätigte die Aussagen. Sie habe keine Möglichkeit gesehen, das Hab und Gut irgendwo einzustellen. Als sie aus der Wohnung geschmissen worden sei, habe sie einige Kleider in den Rucksack gepackt und den Rest zurückgelassen.

Später habe sie sich beim ehemaligen Vermieter nach dem Verbleib der Sachen erkundigt. Der habe gesagt, alles sei entsorgt worden. Noch heute reuten sie viele der Gegenstände. Unter ihnen seien teure Werkzeuge gewesen, die sie und ihr Freund für ihre handwerklichen Berufe gebraucht hätten. Am Tattag seien sie beide in Aarau gewesen.

Billette und Klinikberichte

Der Verteidiger legte dem Gericht Billette der Eisenbahn und Eintragungen der Therapie-Institution zur Entlastung seines Mandanten vor. Die Billette belegten, dass der Beschuldigte am Nachmittag des Tattages von der Klinik auf dem Land nach Aarau gefahren sei und gegen Abend wieder zurück.

Der Ausgang sei vom Klinikpersonal wie üblich vermerkt und sowohl die Zeit des Aus- als auch des Eintritts notiert worden. Allein dies beweise, dass es dem Angeklagten zeitlich gar nicht möglich gewesen sei, nach St. Gallen zu fahren und hier einen Einbruch zu verüben.

Sein Mandant habe glaubhaft dargestellt, dass das Sägeblatt schon lange nicht mehr in seinem Besitz gewesen sei. Zudem sei es höchst auffällig, dass – ausser am Sägeblatt – am ganzen Tatort keine DNA gefunden worden sei.

Freispruch erwirkt

Der Einzelrichter sprach den Portugiesen von Schuld und Strafe frei. Rein theoretisch sei es zwar möglich, in der fraglichen Zeit mit dem Zug nach St. Gallen und nach wenigen Minuten wieder zurückzufahren. Doch mache dieses Unternehmen keinen Sinn. Der DNA-Treffer auf dem Sägeblatt allein genüge nicht als Beweis für die Schuld. Er könne sich tatsächlich noch von früher auf dem Werkzeug befunden haben, sagte der Richter.