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RÜCKTRITT: «Man muss ehrlich zu sich sein»

Zur Verwunderung aller hat sich Stefan Lenherr entschieden, sein Amt als Gossauer Stadtrat niederzulegen. Der Grund hat weder mit einem Knatsch noch mit fehlender Motivation zu tun.
Angelina Donati
Die rege Bautätigkeit im Augarten-Ebnet in Andwil hat Stefan Lenherr zu seinem Rücktritt aus dem Stadtrat veranlasst. (Bild: Urs Bucher)

Die rege Bautätigkeit im Augarten-Ebnet in Andwil hat Stefan Lenherr zu seinem Rücktritt aus dem Stadtrat veranlasst. (Bild: Urs Bucher)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Stadtpräsident, Stadtrat und Bevölkerung: Überrascht waren alle, als vorgestern mitgeteilt wurde, dass Stadtrat Stefan Lenherr (CVP) sein Amt auf Ende April niederlegt (Tagblatt von gestern). «Auch ich selbst war überrascht», sagt Lenherr und deutet damit an, dass er vor wenigen Wochen mit sich ausmachen musste, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Weitergehen im Sinne von zwei anspruchsvollen «Hüten», die er sich tagtäglich aufsetzen muss: als Stadtrat im Departement Bau, Umwelt und Verkehr sowie als selbstständiger Baufachmann.

Seit seinem Amtseintritt in den Gossauer Stadtrat im Mai 2011 betreute er zwar ständig Bauprojekte – die Wohnsiedlung Augarten-Ebnet in Andwil sprengt jetzt aber alle Rahmen. Die Nachfrage sei enorm und überhaupt nicht zu erwarten gewesen. Auch nicht im Februar vergangenen Jahres, als sich Lenherr zur Wiederwahl in den Stadtrat entschieden hatte. Aktuell stünden 30 Wohnungen im Bau. Und weitere seien geplant. Das Projekt wird Lenherr noch Jahre auf Trab halten. «Eigentlich aber freut mich dieses rege Interesse. Denn es hätte ja auch ganz anders laufen können.»

Überbrückung ja, aber nur kurz möglich

Gleichzeitig bringen die Aufträge Verpflichtungen gegenüber den Kunden mit sich. Und auch als Stadtrat sieht sich Lenherr verantwortlich für die Bevölkerung. «Mir ist es wichtig, alle richtig bedienen zu können. Sich hindurchschlängeln, entspricht mir nicht.» Beide Sachen liessen sich nun vom Zeitaufwand her gesehen nicht mehr seriös behandeln. Seinen Entscheid bedauert Lenherr. «Natürlich tut es weh. Wenn ich könnte, würde ich das Amt gerne weiter ausüben.» Bauen sei seine Welt, und daher das Departement wie geschaffen für ihn. «Man muss aber einfach ehrlich zu sich sein und der Realität ins Gesicht sehen.» Der Tag habe nun mal nicht mehr als 24 Stunden. Natürlich würden sich stressige Zeiten mit Mühe und Not überbrücken lassen, allerdings nur kurz. Kommt hinzu, dass irgendwann auch die Gesundheit darunter leidet. «Auch mein Alter schwingt mit, ich bin nun mal nicht mehr 30», sagt Lenherr, der in wenigen Monaten den 60. Geburtstag feiert.

Er macht es lieber richtig oder lässt es bleiben. Das sei auch der Grund, weshalb für ihn eine mögliche Minderung der 65 Stellenprozente als Stadtrat im Baudepartement nicht in Frage käme. «Da bleibt doch der fade Beigeschmack, dass ich nur das Gehalt weiter abholen möchte.» Er wolle klare Verhältnisse schaffen. Klare Worte findet Lenherr auch zum Weggang des Leiters Hochbau Ivan Furlan. «Unsere persönlichen Überlegungen geschahen völlig unabhängig voneinander und haben in keinster Weise damit zu tun, dass es in unserem Team nicht mehr funktioniert haben sollte», hält Lenherr fest. Der scheidende Stadtrat ist guter Dinge, dass Lösungen gefunden werden. Auch wenn die Ersatzwahl erst am 24. September erfolgt – die Parteien brauchten eine Vorlaufzeit, um Kandidaten zu portieren. Und um seine Kenntnisse weiterzugeben, sei Lenherr ja auch nicht ganz von der Welt.

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