RÜCKTRITT: «Ich trete nicht gerne zurück»

Der St.Galler Stadtrat Nino Cozzio legt sein Amt Ende 2017 aus gesundheitlichen Gründen nieder. Die Leistungsfähigkeit des CVP-Politikers ist eingeschränkt. Dabei hätte er gerne weitergemacht.

Daniel Wirth
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Trotz Chemotherapien ist es nicht gelungen die Krebserkrankung des St.Galler Stadtrats Nino Cozzio nachhaltig einzudämmen. (Bild: Ralph Ribi)

Trotz Chemotherapien ist es nicht gelungen die Krebserkrankung des St.Galler Stadtrats Nino Cozzio nachhaltig einzudämmen. (Bild: Ralph Ribi)

Nino Cozzio betritt das Stadtratszimmer im 12. Stock des Rathauses, als wäre es eine ganz gewöhnliche Pressekonferenz: Er lächelt freundlich, er schüttelt Hände, er ist abgeklärt wie eh. Dabei steht er nur Sekunden davor, seinen Rücktritt aus dem Stadtrat per Ende dieses Jahres mitzuteilen. «Ich trete nicht gerne zurück», sagt der Vorsteher der Direktion Soziales und Sicherheit. «Mir gefällt meine Arbeit.» Der seit knapp zwei Jahren an Krebs erkrankte CVP-Politiker sagt diese Sätze in einer Ruhe, als ginge es nicht um ihn – und fügt an: «Ich muss meine Krankheit akzeptieren.»

Im Moment gehe es ihm recht gut, sagt Cozzio. Doch er wolle mit seinem Rücktritt per Ende Jahr möglich machen, dass im Stadtrat keine Vakanz entstehe. Der erste Wahlgang der Ersatzwahl ist auf den 24. September angesetzt. Der 59-jährige Cozzio ist auch Mitglied der CVP-Fraktion des Kantonsrates. Aus dem Kantonsparlament tritt er vorläufig nicht zurück, wie er am Mittwoch vor den Medien auf Anfrage wissen liess.

Nino Cozzio bedankte sich bei seinen Mitarbeitenden und den Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat, die ihm gegenüber trotz Abwesenheiten wegen Therapien stets loyal gewesen seien. Das sei nicht selbstverständlich, sagte er.

Seit über zehn Jahren Mitglied des Stadtrates

Nino Cozzio wurde 2006 in den Stadtrat gewählt. Der Jurist mit Anwaltspatent war zu diesem Zeitpunkt Generalsekretär im kantonalen Volkswirtschaftsdepartement. Sein Amt als Vorsteher der Direktion Soziales und Sicherheit trat er Anfang 2007 an. Seither wurde Nino Cozzio, der neben der Kirche St.Otmar im katholischen Milieu in einer neunköpfigen Familie aufwuchs, dreimal souverän im Amt bestätigt; zuletzt am 25. September 2016 mit dem besten Resultat aller Kandidierenden, ex aequo mit dem Stadtpräsidenten.
Unter seiner Vorsteherschaft stimmte das Parlament zweimal einer Aufstockung des Korps der Stadtpolizei zu, 2010 und 2014. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte sich Cozzio erfolgreich gegen eine Kantonalisierung des Polizeiwesens und für die Eigenständigkeit der Stadtpolizei eingesetzt. Unter Cozzio wurde die Videoüberwachung bei der Fussballarena im Westen der Stadt eingeführt und ein Verein gegründet für die sozioprofessionelle Fanarbeit beim Fussballclub St.Gallen, die 2014 definitiv eingeführt worden ist. Cozzio führte das Vormundschaftsamt und das Sozialamt zusammen und schuf die Sozialen Dienste. Und er baute die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region St.Gallen auf. Die Aufzählung seiner Verdienste ist freilich unvollständig.

Auch in nationale Gremien berufen

Cozzio war auch in nationalen Gremien tätig. Er war viele Jahre Präsident der Konferenz der städtische Sicherheitsdirektorinnen und -direktoren (KSSD). Als Vertreter der Stadt war und ist er Mitglied in Verwaltungsräten: etwa bei der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) und bei Konzert und Theater St.Gallen. Doch am liebsten sei ihm bei seiner Arbeit der Kontakt mit Menschen, betonte Cozzio.