RÜCKSPIEGEL: Bundesgericht spricht VBSG-Chauffeur frei

Im April 2013 wurde eine Frau in St. Gallen an einer Haltestelle von einem Bus erfasst. Jetzt hat das Kantonsgericht den Buschauffeur freigesprochen. Aufgrund einer Intervention des Bundesgerichts.

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Ein vom Kantonsgericht 2016 bestrafter Buschauffeur der Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) war vom Bundesgericht freigesprochen worden. Er habe bei einem Zwischenfall im Frühling 2013 alle nötige und zumutbare Vorsicht walten lassen. Eine Frau war an der Haltestelle Neudorf plötzlich rückwärts so nahe an den Fahrbahnrand getreten, dass sie von einem Aussenspiegel des Busses am Kopf getroffen wurde.

Die Frau war noch auf der Unfallstelle untersucht worden. Dabei wurden keine Verletzungen festgestellt. Später klagte sie über starke Kopfschmerzen. Sie könne deswegen nicht mehr arbeiten. Die erste Instanz, das Kreisgericht St. Gallen, hatte den Chauffeur freigesprochen. Er habe nicht damit rechnen können und damit rechnen müssen, dass die Frau, die sich zuerst von der Trottoirkante wegbewegt hatte, plötzlich einen Schritt zurück mache.

Vom Kantons- ans Bundesgericht und zurück

Diesen ersten Freispruch hatten die Frau und der Staatsanwalt ans Kantonsgericht weitergezogen. Dieses verurteilte den Chauffeur wegen pflichtwidriger Unvorsichtigkeit zu einer bedingten Strafe von zehn Tagessätzen à 80 Franken und zur Bezahlung der Verfahrenskosten. Der Chauffeur gelangte danach ans Bundesgericht. Dieses wies das Kantonsgericht in der Folge an, den Chauffeur freizusprechen. Die Lausanner Richter konnten kein Fehlverhalten feststellen. Er sei ganz langsam auf die Haltestelle zugefahren und habe nicht damit rechnen müssen, dass die Frau plötzlich einen Schritt rückwärts mache. Ein Buschauffeur dürfe davon ausgehen, dass wartende Passagiere auf den Verkehr achteten.

Das Kantonsgericht hat diesen Freispruch inzwischen übernommen und den Parteien den Entscheid Anfang November zugestellt. Auch die Verfahrenskosten werden neu auf die Parteien verteilt. Nun muss die vom Busspiegel touchierte Frau einen Teil der Kosten übernehmen.

René Hornung

stadtredaktion@tagblatt.ch